Angemerkt: Die Thansüßer Burschen und der Maibaum-Klau
Amtsschimmel hüpft vom Baum

Bild: upl
Freizeit
Kreis Amberg-Sulzbach
25.04.2016
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Als die Thansüßer Kirwaburschen sich am 17. April den Etzenrichter Maibaum unter den Nagel rissen, waren sie dabei möglicherweise als Rechtsbrecher unterwegs. Solche Überlegungen tut natürlich jeder gestandene Oberpfälzer mit einem Schnauber und einem Augenrollen ab: Das ist Brauchtum, keine Spielwiese für Bürokraten.

Inzwischen ist auch die Staatskanzlei zu dieser Einsicht gelangt. Jedenfalls verkündete deren Chef Marcel Huber am Sonntag, im Zuge der Entbürokratisierung schaffe man die Vorschrift ab, dass der (Schwer-)Transport eines Maibaums, auch eines gestohlenen, mindestens zwei Wochen zuvor beim Landratsamt angemeldet werden muss. Dann hätte man sogar eine Polizeieskorte dafür bekommen können - also für einen Einbruch mit Diebstahl und anschließend geplanter räuberischer Erpressung. Sie meinen, das wäre eine engstirnige Einstufung eines Maibaumdiebstahls inklusive Rückgabe gegen Bier und Brotzeit? Ja, kann man nachvollziehen.

Gehen wir deshalb ruhig mal davon aus, dass in der Region Amberg-Sulzbach noch nie ein ernstzunehmender Kirwabursch im Landratsamt oder im Amberger Rathaus auftauchte und seine Absicht kundtat, in 14 Tagen mit dem Mai- oder Kirwabaum des Nachbarortes von dannen zu ziehen. Womöglich hätte er dabei noch angeben müssen, wo er seine Beute zu verstecken gedenkt; oder seine Vorstellungen zur Höhe der Auslöse. Und die ängstlichen Baumbesitzer hätten eine Woche vor ihrem Fest schon mal ganz unschuldig beim Landratsamt anfragen können, ob denn bereits irgendwelche Raub-Absichten zu Protokoll gegeben worden seien.

Christine Hollederer, die Sprecherin des Landratsamtes, bestätigt diese Vermutung: Von schon im Voraus geständigen Baumräubern weiß in den Büros des Kurfürstlichen Schlosses keiner was. Allenfalls investiere mal hin und wieder einer 30 Euro für eine Anmeldung, wenn er seinen Kirwabaum über die Bundesstraße ins Dorf bringen muss.

Die Thansüßer sind nicht dafür bekannt, sich von Paragrafen die Freude am Brauchtum vermiesen zu lassen. An diesem Wochenende haben sie - nunmehr auch rechtlich auf bombensicherem Terrain - die Huberschen Erläuterungen konsequenterweise als Motivation genutzt, sich auch den Freihunger Maibaum zu schnappen. Mit 14 Tagen Vorlauf? Wenn man ihren Angaben auf Facebook glaubt, waren es nur 30 Minuten ...
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