Minusgrade im April lassen Gartler zittern
Der Frost ist nicht das Problem

Die Magnolie gehört zu den kälteempfindlicheren Pflanzen im Garten. Ihr könnten Schnee und Frost der vergangenen Tage schon zugesetzt haben. Meist werden die Blüten danach braun und sterben ab. Bilder: Hartl (2)
Freizeit
Kreis Amberg-Sulzbach
21.04.2017
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Schnee am Ostermontag in einem Garten in Sulzbach-Rosenberg - das sieht schlimmer aus, als es ist, sagt Fachfrau Michaela Basler. Zwiebelblüher wie Tulpen kämen mit solchen Wetterkapriolen eigentlich ganz gut zurecht.

Schnee auf den Tulpen, bitterkalte Nächte Ende April - da wurde es manchem Gartenbesitzer schon bang in den vergangenen Tagen. Michaela Basler aber winkt entspannt ab: Solch späte Fröste seien eigentlich nichts Außergewöhnliches, sagt die Garten-Fachberaterin. Ihr macht etwas ganz anders Sorgen: Es ist viel zu trocken.

Amberg. Minusgrade um diese Jahreszeit seien nicht das Problem, erklärt die Kreisfachberaterin für Gartenbau und Landschaftspflege am Landratsamt. "Wir müssen schließlich auch noch mit den Eisheiligen rechnen." Bis dahin sind es auch noch ein paar Tage: Die kalte Sophie schaut erst am 15. Mai vorbei.

"Schlecht für die Obsternte" war laut Basler nicht die Kälte, sondern die teilweise schon sehr warmen März-Tage. Und zu trocken war es auch - eine verhängnisvolle Kombination. Trotzdem: "Apfel- und Nussbäume könnten eigentlich noch gut davonkommen", meint die Fachfrau, denn hier seien die Blüten noch nicht aufgegangen. Erst dann seien sie nämlich richtig frostgefährdet.

Kirschen in Gefahr


"Schwierig wird es bei Aprikose und Pfirsich." Aber wer sich diese empfindlichen Obstbäume in den Garten hole, der wisse, dass er in unseren Breiten mit Ausfällen rechnen muss. Auch Kirschen, die jetzt schon blühen, seien gefährdet. Hier seien teilweise oder auch komplette Ernteausfälle durchaus möglich. Wirklich etwas dagegen tun könnten Hobbygärtner nicht, sagt Basler. Profis, die vom Obstanbau leben, versuchten derzeit, ihre Pflanzen durch große Paraffin-Wachskerzen oder Frostschutzberegnung zu schützen. Zu aufwendig oder auch schlichtweg gar nicht machbar im eigenen Garten.

Was also kann man hier tun? Basler rät zur Gelassenheit. Frühjahrsblüher wie Tulpe & Co. kämen mit dem Wetter eigentlich ganz gut zurecht. Den Königskerzen, die der Frost in den vergangenen Nächten umgelegt hat, gibt die Expertin dagegen keine Chance.

Ähnlich könnte es vielen Blühpflanzen ergehen, die jetzt überall verkauft werden. Da die Primeln und andere farbenfrohe Frühlingsboten aus dem Gewächshaus kommen, könnte ihnen Frost schaden. Also lieber noch abwarten. Oder "abends ins Haus holen. Meist hilft es auch, wenn man sie an die warme Hauswand zieht oder ein Stück Vlies drüberzieht", lautet Baslers Tipp. Sogar unter Glas geht sie selbst aber momentan lieber noch auf Nummer sicher: "Ich habe meinen Salat im Gewächshaus - aber ich habe ihn trotzdem mit Vlies geschützt. Sicher ist sicher."

Ich habe meinen Salat im Gewächshaus - aber ich habe ihn trotzdem mit Vlies geschützt. Sicher ist sicher.Michaela Basler

"Natur regelt das schon"


Junge Triebe, die an Stauden schon durchgekommen sind, könnten ebenfalls erfrieren - etwa bei der Pfingstrose. "Aber das gleicht die Pflanze in der Regel wieder aus", mit neuen Trieben: "Die Natur regelt das schon." Besser gedulden sollte man sich auf jeden Fall beim Kauf von Tomatenpflanzen. "Da sind die Eisheiligen unser Termin", empfiehlt Basler. Wer glaubt, dem Wetter ein Schnippchen schlagen zu können, indem er die wärmeliebenden Pflanzen einstweilen ins Haus holt, irrt sich. "Da fehlt das Licht: Selbst auf dem Fensterbrett ist es zu wenig - und zu warm." Mit dem Sonnen-Gemüse sollte man also noch warten. Den vermeintlichen Vorsprung durch Fensterbank-Kultur "holen wir auch so später noch ein"

Ans Gießen denkenEin echtes Problem ist laut Michaela Basler die seit längerem andauernde Trockenheit. Gefühlt habe zwar jeder den Eindruck, das Wetter sei in den vergangenen Wochen "immer schlecht" gewesen. Tatsächlich aber "war es viel zu trocken", vor allem im März. Dazu gab es viel Wind, der den Boden noch zusätzlich ausgetrocknet hat.

Insofern sei der Schnee der vergangenen Woche eigentlich ganz gut gewesen - auch wenn viele Menschen darüber geschimpft hätten. Aber er war eben auch nicht ausreichend, um das Niederschlagsdefizit auszugleichen. Insofern sollte man momentan durchaus ans Gießen denken und weniger an die Minusgrade.

Vielleicht haben Letztere aber auch eine gute Seite: Gibt es dadurch heuer vielleicht weniger Schädlinge? Basler winkt ab. "Insekten machen tiefe Temperaturen eher nichts aus." Große Temperaturschwankungen seien für sie das größere Problem. "Kann sein, dass es da ein paar Blattläuse erwischt." (eik)
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