Mundart-Ecke
Am Bier uras getrunken

Bier und uras? Manch einer kann vom Gerstensaft nie genug haben. Bild: dpa
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Männer, die am Vatertag zu tief ins Glas geschaut haben, könnten das Bier heute gut und gerne uras haben. Uras ist ein vom Aussterben bedrohter Mundartausdruck, der immer dann verwendet wird, wenn einem etwas zum Hals heraushängt. "I hob mi an de Erdäpfel uras gessn", bedeutet also, dass da jemand keine Kartoffel mehr sehen kann. Nach dem Konsum von mehreren Mass Bier besteht also durchaus die Möglichkeit, sich am Gerstensaft uras getrunken zu haben.

Von einem ähnlichen Kaliber ist das schöne Dialektwort sam. Der Oberpfälzer kann zum Beispiel sam dou, wenn er jemanden hinters Licht führen will. Sam dou heißt so viel heißt wie "so tun, als ob". Für sam gibt es auch so etwas wie einen Superlativ: sam gucka. Das sagt der Mundartsprecher immer dann, wenn er davon erzählt, wie jemand einen anderen besonders dreist auf die falsche Bahn gebracht hat.

In eine ähnliche Richtung weist der Begriff schöischaua, wörtlich übersetzt schönschauen. Wer selbiges tut, macht gute Miene zum bösen Spiel. Er redet heuchlerisch, schmiert seinem Gegenüber Honig ums Maul. Vom Heucheln ist nicht weit zum Hetzen. Auch für solche Verhaltensweisen gibt es einen interessanten Mundartausdruck, der kaum noch verwendet wird. Wer jemanden aufstachelt und Unmut schürt, der schirngt. "Wenn er ner niat allweil schirnga dat", lautet der fromme Wunsch eines Oberpfälzers, der einem Aufpeitscher nicht länger zuhören will.
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