Mundart-Ecke
Der Gurzerer ist Männersache

Gurzen Männersache. In der Idealvorstellung des Kirchweihbrauchtums halten sich die Mädchen beim Gurzen vornehm zurück. Bild: Hartl
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Sie gehören zu den Kirchweihen im Amberg-Sulzbacher-Land, wie die Maß Bier und der Kirwabaum: Die kraftstrotzenden Freudenschreie der Burschen: Gurzerer werden diese martialischen Laute im Dialekt genannt, für die es im Hochdeutschen keine adäquate Bezeichnung gibt.

Jauchzen lenkt die Assoziationen dann doch eher Richtung Engeln, die auf Wölkchen Harfe spielen. Juchzen kommt der Sache hingegen näher: "einen Freudenschrei ausstoßen, einen Luftsprung machen, sich freuen, jauchzen, triumphieren", bietet der Duden als Erklärung hierfür an. Dabei ist gurzen Männersache. In der Idealvorstellung des Kirchweihbrauchtums halten sich die Mädchen beim Gurzen vornehm zurück.

Daher kommt auch das alte Sprichwort: "A Moidl, des gurzt, und a Hehna, döi kraaht - dene ghört da Kopf odraht." Für semantisch nicht näher bestimmte Lautäußerungen gibt es in der Mundart noch ein paar weitere schöne Ausdrücke - bäign ist einer, der ganz vielschichtige Bedeutungen haben kann.

Das Verb bäign kann zum Beispiel wie plärren verwendet werden, aber auch heulen bedeuten oder lauthals lachen. "Mit dem kanntast böign", heißt es etwa, wenn man über einen Menschen mit komödiantischen Talent spricht. Höina ist der nordbaierische Ausdruck für weinen und zwar immer dann, wenn den Tränen Respekt und Mitgefühl entgegengebracht werden.

Fehlt die emotionale Verbundenheit, bedient sich der Mundartsprecher schnell der Ausdrücke pfrutschnoder flenschn (flennen). In die Feinheiten der Oberpfälzer Ausdrucksweise führt das nahezu vergessene Wort kirn (ich kire, du kirst, er/sie/es kirt). Ein Baby, das unaufhörlich schreit, kirt. Gleiches tut aber auch jemand, der seine Freude durch übertriebenes Lachen oder sonstige - vielleicht als überspitzt bewertete - Jubelarien äußert. Eher ein verschmitztes, zurückhaltendes, aber beständiges Lachen beschreibt das Verb hebern.
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