Mundart-Ecke
Ein Duzl für das kleine Waggerl

Wer einen Duzl im Mund hat, der hat gut lachen. Fehlt eigentlich nur noch die Ludl, dann wäre der Tag perfekt. Bild: dpa
"Die Verpreißung beginnt bereits am ersten Tag", hat der oberbayerische Humorist Gerhard Polt einst zur Kindererziehung angemerkt. Er hat nicht ganz unrecht, denn schon im Bettstadl (Kinderbett) lernen die kleinen Buzerln und Waggerln (Kosewörter für kleine Kinder) heute oft ein semi-hochdeutsches Kauderwelsch zwischen dizidizidzi und der Frage "ja, wo is er denn"? Kommt heutzutage ein kleiner Oberpfälzer zur Welt, wird er noch im Kreißsaal gebondert - auf den Bauch von Mama oder Papa gelegt. Bonding stammt aus dem Englischen, beschreibt einen als relativ neu verkauften Trend und heißt so viel wie binden, oder besser: an sich binden. Früher war Bonding völlig normal und wurde dadurch verstärkt, dass der Säugling in den ersten Tagen eigfatscht (eingewickelt) wurde. Daher kommt auch der Begriff Fatschnkindl. Dazu noch eine Ludl (Flasche) und ein Duzl (Schnuller) und schon war der kleine Schreihals besänftigt.

Der Duzi könnte Migrationshintergrund haben. Denn möglicherweise stammt der Oberpfälzer Mundartausdruck aus Tschechien, wo der Schnuller Dudlik heißt. Bei ihm könnte es sich um genau so ein Lehnwort handeln, wie beim Zuzln, das sich vom böhmischen cucat (saugen) ableitet. Kleine Gnaunzer (Quengler) beruhigt es in der Anfangsphase ungemein, wenn man sie hetschat (schaukelt) oder budld (abschmust).

Später, wenn sie dann laufen können, müssen schon materielle Dinge zur Gemütsbesänftigung her. Ein Hetschagal (Schaukelpferd) etwa oder eine Dogga. Dogga - so wurden früher Puppen genannt. Einst war der Begriff Docke in ganz Süddeutschland verbreitet. Wie Sprachforscher ermittelt haben, war es schon im 10. Jahrhundert als althochdeutsches "tocka" in dieser Bedeutung bekannt. Die Dogga wurde allmählich von der Bupn verdrängt. Letztere kommt im Deutschen erst im 15. Jahrhundert vor und ist aus dem lateinischen pupa (das Mädchen) entlehnt.
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