Mundart-Ecke
Lieber Lausnigl als Hexerbahner

Beim Sodern ist auch in der Mundart quasi für Alt und Jung, Männlein und Weiblein etwas dabei - in allen Schattierungen zwischen Hornochs und Sturschedl. Bild: dpa
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Wortkarg? Von wegen! Wenn es um den Ausdruck von Geringschätzung geht, steht der Dialekt der Hochsprache in nichts nach. Beim Sodern ist auch in der Mundart quasi für Alt und Jung, Männlein und Weiblein etwas dabei - in allen Schattierungen zwischen Hornochs und Sturschedl.

Ein beliebte Bezeichnung für jemanden, der sich selbst recht wichtig nimmt, aber nichts zuwege bringt, ist Maalaff. Der Begriff hat seinen Ursprung in einer Volksfestbelustigung. Zur Unterhaltung der Besucher gab es früher auf den Jahrmärkten Affenfiguren mit einer großen, runden Maulöffnung. Für ein Zehnerl durfte jeder Mal versuchen, einen Ball in dem Loch zu versenken. Der Begriff Maalaff oder Dultaff machte alsbald die Runde, wenn es darum ging, sind über jemanden lustig zu machen. Artverwandt ist der Bredlaff - Dummkopf wäre eine adäquate Übersetzung.

Die Liste der Schimpfwörter ist lang, vor allem für ungeschickte oder tumbe Zeitgenossen. Wer sich besonders dalkert verhält, der gilt im nördlichen Landkreis Amberg-Sulzbach schnell als Gori, Dollerockl oder Dollmers. Gebräuchlich ist für diese Art von Menschen auch die Bezeichnung Laamsöida (Auerbach) oder Loimsöida (Schnaittenbach). Wovon sich der Ausdruck herleitet, ist nicht geklärt. "Die verhochdeutschte Form Leimsieder beruht auf einer Verwechslung von Leim mit mundartlich Laim (Lehm) und müsste Lehmsieder lauten. Die Herleitung des Schimpfworts aus einer Berufsbezeichnung (Leimsieder, Leimkocher) ist daher fragwürdig", heißt es im bayerischen Wiktionary.

Ins Visier von Schimpftiraden geraten gerne Leute, die sich das Maul über andere zerreißen. Der Oberpfälzer Dialekt hält einen bunten Blumenstrauß für solche Quadratratschn bereit: Ratschkatloder auch Allerweltswawl sind da noch die schmeichelhafteren Ausdrücke. Kritisch wird es, wenn es in Richtung Mistbritschn oder Saumatz geht. Letztere Bezeichnungen gelten nur für Frauen und eignen sich als derbe Universalschimpfwörter. Die Titel Schnalln oder Louda gehören zur gleichen Kategorie. Wobei der Oberpfälzer wohl ehemals nicht an Boxenluder dachte, sondern an das Luder im Sinne von Aas.

Bedeutend freundlicher meint es der Dialektsprecher, wenn er das Wort Gnoschgoschn in den Mund nimmt. Er bezeichnet damit einen Menschen, der hoigla (heikel) oder gnaschig ist - eine Naschkatze auf gut Neudeutsch. Relativ harmlos ist auch die Bezeichnung Lausnigl (Lausbou oder Lausmoidl) für ein freches, aufmüpfiges Kind. Schlägt die Wortwahl dann aber Richtung Hexerbahner (Mädchen, das nicht folgt), Fregga oder Waunklum, ist auch der Kinderbonus schnell verspielt.
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