Mundart-Ecke
Obacht geben, wenn es haal wird

Wenn Eis auf der Straße liegt, wird es haal in der Oberpfalz. Danach leint es wieder. Bild: dpa
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Kaum sinkt die Temperatur unter den Gefrierpunkt, wird es draußen haal. Das war schon immer so. „Haal is’ gwest, söllmals“, pflegten die Alten zu erzählen, wenn sie von ihrem nächtlichen Heimgang anno dazumal berichteten, bei dem einer nach dem anderen auf dem spiegelglatten Weg ausgerutscht ist. Der Ausdruck haal ist ganz und gar in den Hintergrund gerückt. Seit drei, vier Generationen setzt sich immer mehr das Adjektiv glatt durch, das die gleiche Bedeutung hat. Schade eigentlich, denn bei haal dürfte es sich um ein Relikt der Oberpfälzer Ursprache handeln. Jakob Heinrich Kaltschmidt ordnet den Ausdruck in seinem „Gesamt-Wörterbuch der Deutschen Sprache“ aus dem Jahre 1834 keltischen Ursprungs zu.

Früher, wenn es draußen haal war, dann waren meistens auch die Fensterscheiben in den unbeheizten Räumen ogreimlt oder agreimlt. Wenn es bisweilen auch in den Schlafräumen bitterkalt war, so ein mit Eisblumen ogreimlts Fenster war dennoch schön anzuschauen. Der Ausdruck ranschln ist heute noch häufig in Gebrauch. Ranschln bedeutet so viel wie schlittern oder gleiten, trifft die beiden Entsprechungen aber nicht genau. Denn es ist sowohl möglich, mit dem Auto ein Gefälle hinab, als auch einen Berg hinauf zu ranschln. Das macht man für gewöhnlich dann, wenn der Reifen schoart (scharrt).

Bei so viel eiskaltem Nordbairisch wird es Zeit für eine leichte Erwärmung. Sobald in den nächsten Tagen Tauwetter einsetzt, beginnt das Eis zu schmelzen – es leint. Und nachdem der Oberpfälzer kein Freund von ausschweifenden Erklärungen ist, reicht es, wenn er nach einer durchgezogenen Warmfront nur sagt: Es hot gleint. Auch dieser Ausdruck ist mittlerweile dahingeschmolzen im Sprachschatz der Mundart-Sprecher.
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