Mundart-Ecke
Tanzen wie der "Lump am Stecka"

Ungefähr so sieht es aus, wenn zwei tanzen "wöi der Lump am Stecka". Bild: Götz
An der Kirwa hat schon so mancher Oberpfälzer nie für möglich gehaltene Fähigkeiten für sich entdeckt. Während der eine merkt, dass er vier Tage ohne Schlaf auskommen kann, fördert ein anderer ungeahnte Sangeskünste zutage. Und ein dritter, der sonst vielleicht gar nicht aus sich herausgeht, tanzt vielleicht wöi da Lump am Stecka (wie der Lump am Stecken). Diese Redensart ist ein schönes Beispiel für die Phraseologismen, wie sie der Dialekt in vielfältiger Weise vorrätig hat. Unter einem Phraseologismus verstehen Sprachwissenschaftler "eine zu einer festen Form verwachsene Folge von Wörtern", also Redewendungen oder Sprichwörter.

Ein sehr gängiger Typ besteht aus einer Satzergänzung (Objekt) und einem Tätigkeitswort (Verb), in der einfachsten Form etwa bei a Baderl falln loua (für jemanden beten), a Mettn hom (Streit haben; viel Lärm um nichts machen), a Goschn macha (beleidigt, griesgrämig sein) oder bei n Dreg vo da Finstern schmecka (hinter alle Geheimnisse kommen). Etwas komplexer wird der Ausdruck, wenn ein Verhältniswort (Präposition) hinzugefügt wird, so wie bei af d Frei göih (um eine Frau werben), am hoaßn Fouß göih (mit Nachdruck hinter einer Sache her sein) und an Zwurl eibringa (für Unruhe sorgen).

Bei einem Verb können aber auch zwei Objekte stehen, zum Beispiel: oin a Bültl ofrimma (ein schlechtes Bild von jemandem zeichnen), oin an Mores beibringa (jemandem Anstand beibringen; jemandem zeigen, wo es lang geht) oder zusätzlich eine Präposition: oin in der Reißn homm (jemandem keine Ruhe lassen) und oin as da Sass hem (jemandes Machenschaften aufdecken). Häufig findet sich in einer Redewendung ein Vergleich, wie etwa bei Liezn homm wöi a Roudschimml (ausgeprägte Eigenheiten besitzen) und oin voramma wöi da Hirscht d Schnoung (mit jemandem kurzen Prozess machen). Eine andere Variante ist jene mit einem rückbezüglichen (reflexiven) Verb: etwa beise af Goschn affehaua (darben, das Nachsehen haben) oder se schama wöi a Bettsoichl (sich übermäßig schämen). In diesem Zusammenhang sind auch sprichwörtliche Redensarten zu erwähnen, wie etwa dou hods Rufern (da gibt es Probleme), des san Pflanz (das ist aus der Luft gegriffen) oder des hod koin Dauch.

Eine Redensart, die sowohl die Expressivität als auch die Metaphorik derartiger sprachlicher Erscheinungen hochgradig widerspiegelt, lautet: "Dir scheißt der Hund Gröichala!" Unabhängig davon, dass es sich dabei um eine sehr derbe Diktion handelt, muss eingeräumt werden, dass die standardsprachliche Entsprechung im Vergleich dazu regelrecht steril und banal klingt, nämlich nichts weiter als "Denkste!".
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