Mundart-Ecke
Von der Goschn zur Schnufl

Duck face würde die Selfie-Generation einen solchen Gesichtsausdruck wohl nennen. Von einer Schnufl spricht der Oberpfälzer. Bild: dpa
Am menschlichen Körper gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken - vor allem für die Freunde der Oberpfälzer Mundart.

Diesmal geht es um die Ohren, die Wangen, den Mund und den Hals. Als Grundlage dient das im Entstehen befindliche Wörterbuch des Oberviechtacher Dialektforums, für das über einen Zeitraum von 19 Jahren weit über 4000 spezifische Dialektwörter behandelt wurden.

Die wertneutrale Bezeichnung für Ohren ist Luser, Luserwaschl oder Ouawaschl. Bei einem Luserhenkl dagegen handelt es sich um eine träge Person ohne besonderen Antrieb. Die unmittelbar an die Ohren angrenzenden Wangen beziehungsweise Backen werden als Blouser betitelt. Der Ausdruck roudbackerter Bauernbou nimmt zwar Bezug auf diesen Körperteil, wird aber im übertragenen Sinn als Schimpfwort gebraucht. Der Mund ist, was die Fülle der Ausdrücke und der Bedeutungen betrifft, naturgemäß ein sehr weites Feld. Während die wertneutrale Bezeichnung Maal lautet, schwingt bei vielen anderen Wörtern eine negative bis derb-abwertende Nuance mit, wie etwa bei Bappn, Bobern, Fotzn, Goschn, Lädschn, Waffl, Schnodern und Schnufl. Bäppm, Blebern und Schmadern wiederum haben einen weniger abfälligen Zungenschlag, wobei mit dem ersten Wort auch eine Fieberblase an der Lippe bezeichnet wird, das zweite zusätzlich für die Lippe selbst steht, und das dritte darüber hinaus eine weibliche Person beschreibt, die viel redet.

Das männliche Gegenstück dazu ist der Schmaderer, das dazugehörige Zeitwort ist schmadern (plaudern). In diesem Bereich sind auch eine Reihe von Redewendungen zu Hause, zum Beispiel oin a freeche Goschn ohenka (jemandem über den Mund fahren, jemanden beschimpfen), a Goschn homm wöi a Schwert (ein loses Mundwerk haben), d' Lädschn henka loua (griesgrämig sein) und a Schnufl macha (beleidigt sein).

Im Mund befindet sich der Bleschl (Zunge), und wenn die Zähne sehr markant sind, nennt man sie Houng. Fehlt ein Zahn, dann ist der Betreffende zoluckert. Der Hals, beziehungsweise Grong, stellt die Verbindung zwischen Kopf und Oberkörper her. Ist jemand an dieser Stelle mit einem Doppelkinn ausgestattet, dann besitzt er einen Drosterer.
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