Mundart-Ecke
Von Höitboum und Kornmandln

Ein seltenes Bild: Kinder auf einem Ochsengespann. Bild: dpa
Heute versprechen staatlich organisierte Ferienprogramme Spaß und Action für die Kleinen - früher waren die Kinder zur Sommerzeit mit Arbeiten in der Landwirtschaft beschäftigt. Mit Beginn der Ferien brach die Zeit der Höitboum (Hütbuben) an. Überall auf den Dörfern schwärmten die Buben aus, um den ganzen Tag über das Vieh zu hüten. Das Ferienprogramm ergab sich bei dieser Arbeit von ganz alleine. Klar wurde da in Weihern gefischt, auf Bäume geklettert und Feuer geschürt. Den Barfußpfad und das Kinder-Kneipp-Becken gab's am Dorfweiher kostenlos dazu.

Mit ihrer Arbeit auf der Hout (Hütweide) verdienten sich die Kinder nicht selten ein Zubrot für ihre Familien. Die Mädchen arbeiteten - oft deutlich jünger als zehn Jahre - als Kindsmoad (Kindermagd). Sie beaufsichtigten die ganz kleinen Kinder - sicherlich eine ebenso schwere Aufgabe wie das Hüten des Viehs. Bei der Ernte waren die Schulkinder stets wichtige Helfer. Zeitweise gab es deswegen sogar Ernteferien. Sie halfen zum Beispiel beim Führen der landwirtschaftlichen Gespanne mit dem Bremer-Ogong (Vetreiben der blutsaugenden Bremsen). Indem sie nämlich die Insekten von den Zugtieren fernhielten, sorgten sie dafür, dass die Ochsen und Pferde ruhig stehen blieben.

Eingesetzt waren die Kinder auch bei der Getreideernte. Sie stellten die Kornmandln (Kornmännchen zum Trocknen der Garben) auf oder errichteten Howanweibln (Haferweibchen). Auch das Noucherechan blieb den Kindern auf dem Dorf nicht erspart. Mit einem großen Rechen ausgestattet, kratzten sie auf der Heuwiese mühsam all die dürren Halme auf, die den Knechten und Mägden bei der Hauptarbeit durch die Lappen gegangen waren.

Das mussten sie nicht nur bei der ersten Heuernte tun, sondern auch beim Einbringen des Grammat (Grummet, der zweite Heuschnitt). Ob den Kindern dieses Ferienprogramm anno dazumal gefiel? Oma und Opa können bestimmt eine Antwort darauf geben.
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