Mundart-Ecke
Wehe dem, der Schmelferl pelzt

Er wächst überall auf Äckern und Wiesen: der Fuchsschwanz - im Dialekt Schmelferl genannt. Bild: hfz
Die Oberpfälzer Mundart ist wie ein Kaleidoskop - so bunt und vielfältig, dass ihre Betrachtung mittlerweile dicke Bücher füllt. Auch in einem kleinen Büchlein findet der Dialekt eine Würdigung - im vor wenigen Wochen erst erschienenen 43. Band "Der Eisengau", der vor allem die Geschichte der Marktgemeinde Königstein beleuchtet. Pfarrerin Heidi Kurz hat dabei auch einen Exkurs über die Königsteiner Mundart beigesteuert.

"Dou kummst af koi Owandn!", sagen die älteren Königsteiner demnach heute noch, wenn sie einem Vorhaben keine Erfolgsaussichten einräumen. Owandn nennen die Mundartsprecher die Randstücke eines Ackers, die die Bauern zum Wenden benützen und deswegen nicht beackern. "Des is a Schmelferlpelzer!" ist eine Redensart, die ebenfalls typisch für den nordwestlichen Landkreis ist. Mit dem Ausdruck Schmelferlpelzer meinen die Königsteiner einen Schwächling, der unbeholfen und zu nichts zu gebrauchen ist. Schmelferlist der Name für das Fuchsschwanzgras - ein mageres Acker-Unkraut. Im östlichen Landkreis übrigens als Schmölcherl bekannt. Pelzenbedeutet pflanzen oder veredeln. Ein Schmelferlpelzer ist demnach jemand, der Unkraut veredelt - klar, dass da nichts Gescheites dabei herauskommen kann.

Nichts Gutes deutet sich auch an, wenn es in Königstein heißt: "As Aferl is niat koutscher". Mit Aferl ist eine alte Frau gemeint. Und wenn sie nicht koutscher ist, dann fühlt sie sich nicht wohl. Eine adäquate Bezeichnung für alten Mann gibt es auch: Betagtere Senioren werden Harl genannt. Der Mundart-Ausdruck ist schon fast in Vergessenheit geraten, auch wenn man so manchen Harl immer noch manderiert. Die Redewendung "Der wird nu oft manderiert" bedeutet, dass von jemanden noch oft erzählt wird.

Für die Wörter, die Heidi Kurz präsentiert, passt ein altes Sprichwort, das man für ein Liebespaar verwendet, das sehr gut harmoniert: "Döi häin d Viegl niat schöina zamtrong kinna" (die hätten die Vögel nicht schöner zusammentragen können). Für die Königsteiner Mundartwörter im Eisengau gilt das auch.
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