Mundart-Ecke
Zuerst ein Äijarl, dann ein Schmooz

Der kleine Bruder vom Schmooz ist bekanntlich das Busserl. Der Ausdruck darf auch als kleiner Liebesgruß an unsere böhmischen Nachbarn verstanden werden, denn er leitet sich vom tschechischen Wort Pusa (Mund) ab. Bild: dpa
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Mit dem Frühlingserwachen sollen ja angeblich auch die Liebesbeziehungen aus dem Winterschlaf gerissen werden. Getreu dem Motto "Nix gsagt is globt gnouch" zeigt sich der Oberpfälzer Dialektsprecher aber vor allem in der Kategorie Sympathie-Bekundungen eher wortkarg.

Kann schon sein, dass ihm in einem Moment höchster emotionaler Erregung ein "I mog di fei" oder "I michad di fei scho" zu entlocken ist. Das war's dann aber auch schon im Großen und Ganzen mit den mundartlichen Liebesschwüren.

Der Mundart-Sprecher setzt, wenn es ernst wird, mehr auf non-verbale Kommunikation. Der oder die Angebetete, gerne Waggerl genannt, erhält dann zum Beispiel ein Äijarl, eine sanfte Wangenreibung, oder einen kurzen, aber aussagekräftigen Schmooz (Kuss). Der kleine Bruder vom Schmooz ist bekanntlich das Busserl. Der Ausdruck darf auch als kleiner Liebesgruß an unsere böhmischen Nachbarn verstanden werden, denn er leitet sich vom tschechischen Wort Pusa (Mund) ab. Wer busslt, bedient sich eines Lehnwortes aus dem Slawischen und "mündelt" also strenggenommen.

Die bildhafte nordbaierische Sprache zeigt sich einmal mehr, wenn es um ein Mädchen geht, das besonders begehrt ist. Eine viel umschwärmte Schönheit, eine Dschiggsn also, kann schnell einmal das G'rieß bekommen. "Döi hat as G'rieß" bedeutet, dass sich die Verehrer um sie reißen. Ob sich das alles jemand vorstellen kann, der ausschließlich "nou da Schrift" (hochdeutsch) redet?
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