Mundart-Ecke
Zwischen grosgröi und gruserlgölb

Die Farbbezeichnung grusgölb oder gruserlgölb ist heute kaum mehr geläufig. Bild: dpa
Hier können Sie sich den Beitrag anhören:


Die Oberpfälzer Mundart lebt vom Vergleich und bedient sich allgemein bekannter Bilder, meist aus der Natur oder dem persönlichen oder beruflichen Umfeld. Bei Farbvergleichen kann jeder nachvollziehen: Etwas ist grosgröi, oder kohlschwoaz. Auch in der Geschmacksbeschreibung wird der Vergleich herangezogen: zuckersöiß oder gallbitter.

Bei manchen Vergleichen wird es schon schwierig, den Hintergrund zu erkennen: bechschwoaz etwa. Wo wird heute noch Pech als Klebemittel verwendet? Oder wenn jemand gröicherlblau anläuft. Die Gröicherl, eine früher häufig verbreitete Steinobstsorte von meist dunkelblauer Färbung, sind heute sehr selten geworden. Man findet sie mit viel Glück vielleicht noch an Feldrainen oder auf Brachflächen.

Der Oberpfälzer Sprachforscher Johann Andreas Schmeller erwähnt die "Kriechen" als "eine Art Pflaume". In seinem Wörterbuch zitiert er dazu den mittelalterlichen Naturforscher Konrad von Megenberg, der die "Kriechen" bereits in verschiedenen Farben kannte. Schmeller ist der Begriff "kriechen- oder kriechelblau" ebenfalls bekannt und er bezieht ihn auf die menschliche Haut, die durch Frost oder Erstickung blau anläuft. Dazu gesellt sich dann auch noch der Ausdruck kizblau, dessen Herkunft noch erforscht werden müsste.

Auch die Farbbezeichnung grusgölb oder gruserlgölb ist heute kaum mehr geläufig. Schmeller führt die Herkunft auf das Wort "Grusel" zurück, als eine nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung für "Gänschen". Manchmal hört man daher auch noch das Wort wuserlgölb, wobei das Wuserl im Oberpfälzischen die Bezeichnung für die junge Gans ist. Man rief die kleinen Ganserl oft auch mit den Rufen "wus, wus".

Im Tschechischen schreit man nach den kleinen Gänsen übrigens mit "hus, hus", wobei "Hus" auf Tschechisch "die Gans" bezeichnet. Der Reformator Jan Hus hieß demnach eigentlich Hans Gans. Einen nicht ganz ernst gemeinten Vergleich, ebenfalls aus dem Tierreich, verwenden Oberpfälzer gelegentlich, wenn sie gefragt werden, was denn die Steigerung von tot wäre? "Doud, mausdoud, mausdräckldoud".
Weitere Beiträge zu den Themen: Mundart-Ecke (37)Hörstück (23)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.