Mundart-Ecke
Zwischen Ziecha und Schtraa

Das Ziecha zu verarbeiten ist Aufgabe der Kirwamoidln. Bild: dpa
Freizeit
Kreis Amberg-Sulzbach
07.03.2015
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"Kunigund kummt d' Wiam vo unt!" So lautet eine alte Bauernregel für den 3. März. Am Gedenktag der Bamberger Stadtpatronin war der Schnee auch heuer größtenteils geschmolzen. Der Frölling sendet seine ersten Boten aus. In der Landwirtschaft bereiteten sich die Hilfskräfte früher auf die beginnende arbeitsintensive Zeit vor. Noch waren die meisten mit dem Ziecha- oder Schtraaschnoittn beschäftigt. Ziecha oder auch Schtraa heißen im Landkreis Amberg-Sulzbach die Äste und Zweige der Nadelbäume. Den Kirwaburschen in der Region dürften die beiden Wörter noch immer vertraut sein. Sie haben vielerorts vor der Kirchweih immer noch die Aufgabe, das Ziecha für Dekorationszwecke aus dem Wald zu holen.

Das Schnoittn bedeutete das Kleinschneiden des Geästs. Der Mundartausdruck und seine Bedeutung spiegeln sich sehr schön im Wappen der Stadt Schnaittenbach - im Volksmund Schnoittnboch genannt - wieder. Es zeigt einen aufgerichteten goldenen Baumstamm mit gestümmelten Ästen, einen Schnoittling also, auf blauem Grund.

Das zerstückelte Ziecha verwendeten die Bauern einst als Einstreu im Rinderstall. Stroh war für diese Zwecke zu wertvoll, es wurde an die Tiere verfüttert. Weil daher beim Straa rechan (Streu rechen) die Wälder systematisch von herumliegenden Äste und Zweigen befreit wurden, hatte das auch Auswirkungen auf die Flora und Fauna in den Forstgebieten. Der Waldboden verarmte, es folgte ein großflächiger Baumartenwechsel: Weg vom Laubholz, hin zu Fichte und Kiefer.
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