Reiter-Trio aus Amberg-Sulzbach auf Tour vom Allgäu nach Meran
Hoch zu Ross quer über die Alpen

Der Dorfbrunnen von Burgeis im Vinschgau - willkommene Tränke für die durstigen Pferde. Für die Reiter gab's vom freundlichen Wirt ein Glas italienischen Weißwein.
Freizeit
Kreis Amberg-Sulzbach
20.08.2016
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Sie erfüllten sich einen Lebenstraum: die Alpenüberquerung. Aber nicht mit dem Auto oder per Zug. Auch nicht mit dem Mountainbike oder als Wandergruppe, sondern auf dem Rücken ihrer Pferde. Mit dabei waren drei Oberpfälzer.

Anberg-Sulzbach. Die drei Freunde, Diana Schön aus Speckshof (Gemeinde Poppenricht) sowie Anita und Rainer Probst von der Kuastaller Ranch Köstlöd (Hohenburg), zählten zu der Crew. Am Ende umfangreicher Planungen und Recherchen wählte man mit Rudi auf der Klamm einen Führer aus Südtirol, der mit seiner langjährigen Erfahrung die Tour leiten sollte. Um fit für den Ritt zu werden wurden ab März Pferd und Reiter intensiv trainiert. Was die Teilnehmer dabei erlebten, schildern sie hier in einer Art Tagebuch:

Gemütliches Abendessen


"Es galt, die 330 Kilometer von Roßhaupten nach Meran in neun Tagen zu bewältigen. Wir wussten, die einzelnen Etappen würden mit 30 bis über 50 Kilometer ziemlich anstrengend werden, da doch etliche Höhenmeter zu überwinden wären. Los ging's mit der Anreise ins schwäbische Roßhaupten bei Füssen, Pferde versorgen und das Beladen des Begleitfahrzeugs stand auf dem Programm. Bei einem gemütlichen Abendessen lernten sich die zwölf Reiter, Scout Rudi und Trossfahrer Peter aus Köln kennen.

Am nächsten Morgen hieß es um 5 Uhr aufstehen. Danach ging es entlang des Forggensees, vorbei an den Königsschlössern Neuschwanstein und Hohenschwangau. Hier wurden wir Opfer von vorwiegend asiatischen Touristen, die uns mit ihren Kameras in unseren langen Regenmänteln plötzlich interessanter als das Kulturgut fanden. Bis zur Mittagszeit kamen wir bergan zur Jagdhütte von König Ludwig. Nach der Rast folgten wir einem echten Schmugglerpfad hinab zur Landesgrenze nach Österreich. Der Steig war so eng und steil, dass wir die Rösser zu Fuß führen mussten. Gegen Abend erreichten wir das erste Nachtquartier - die Musteralm am Plansee.


Schlafraum über Stall


Am Folgemorgen war um 4.50 Uhr die Nacht zu Ende: Die Kühe mussten zum Melken in den Stall getrieben werden, der direkt unter dem Schlafraum lag. Nahezu unbeeindruckt vom strömenden Regen ritten wir bald zu Tal und dort entlang, bis wir die Loisach passieren mussten - mit Abenteuercharakter: Die Furt war wegen des hohen Wasserpegels nicht mehr vorhanden. Das Ufer fiel einen Meter senkrecht ab. Die Rösser mussten hinab in den reißenden Fluss springen. Und dabei wurden auch wir Reiter von unten nass. Nach der Umrundung des Eibsees war an der Talstation der Zugspitzbahn Mittagspause angesagt, ehe der Ritt hinauf zur Hochthörle Hütte führte. Nach der 50 Kilometer langen Tour bezogen wir am Tagesziel Biberwier das Nachtlager. Ungeachtet der bis dahin erlebten Strapazen hatten jedoch, wie an den anderen Tagen auch, die Tiere Vorrang: Es galt, die Paddocks herzurichten, Heu zu füttern und die Pferde zu tränken.

Am dritten Tag begleitete uns erneut Dauerregen auf dem alten Römerweg Richtung Fernpass zur Mittagsstation Sunnalm Marienberg. Weiter zog sich die Route an steilen Abgründen entlang zum 1643 Meter hohen Marienjoch. Danach führte der Weg hinab nach Nassereith, das seinen Namen an diesem Tag alle Ehre machte, und schließlich ins Gurgeltal. Hier konnten sich die Rösser bei einen längeren Galopp mal so richtig austoben und ihre Muskeln lockern. Die Nacht verbrachten wir auf einem Bauernhof in einem selbstgebauten Heulager.

Nach Neu-Amerika


Am Montag folgten wir dem Gurgeltal nach Imst zum Pitztal. Nach kurzem Aufstieg erreichten wir die Mittagsstation auf einer Waldlichtung. Hier hatte Trossfahrer Peter eine zünftige Brotzeit einschließlich Wein, Kaffee und Kuchen hergerichtet. Bei zaghaftem Sonnenschein zogen wir weiter nach Neu-Amerika, zur Ranch eines amerikanischen Einwanderers. Bei Whiskey, Bier und Spare-Ribs saßen wir abends noch lange im Saloon.

Bei unserer Dreiländer-Tour stand am fünften Tag die Pillerhöhe (1568 Meter) auf dem Reiseplan. Vorbei an schneebedeckten Bergen stießen wir auf den sogenannten Kult-Ur-Pfad, der durch ein Hochmoor führte. Das eine oder andere Pferd versank hier schon mal bis zum Knie im Sumpf.


700 Meter tiefer


Für den fast zweistündigen Aufstieg entschädigte der ,Gacher Blick' mit einer überwältigenden Aussicht auf das 700 Meter tiefer gelegene Inntal. Über Serpentinen ritten wir hinab nach Prutz, wo bereits Peter mit einem Picknick am Inn überraschte. Weiter führte die Reise nach Pfunds auf ,Mannis Westernranch'. Am Lagerfeuer klang der Tag aus.

Entlang des Inns führte unser Weg am sechsten Tag an saftigen Bergwiesen vorbei zur alten Festung der Zollstation Alt-Finstermünz. Nach einer schnellen Einkehr war Eile geboten, denn Scout Rudi hatte Bedenken, ob der Weg nach einem Murenabgang passierbar sei. Glücklicherweise konnten wir zu Fuß entlang einer steilen Bergwand und über enge Zickzack-Serpentinen den alten Reschentunnel erreichen. Zahlreiche Schilder, die vor Steinschlag warnten, verhießen nichts Gutes.

Kurz darauf standen wir auf der stark befahrenen Reschenstraße. Um sicher den 300 Meter langen Tunnel durchreiten zu können, organisierte Scout auf der Klamm eine Polizei-Eskorte, die den Tunnel komplett sperrte. Über die Grenze war Südtirol erreicht, und nach kurzer Zeit bewunderten wir das Wahrzeichen der versenkten Stadt Graun und den aus dem Wasser ragenden Kirchturm.

Es war schon sehr beeindruckend, als wir da mit der Polizei-Eskorte durch den Reschen-Tunnel traben durften.Diana Schön


Durch schöne alte Bergbauerndörfer im Vinschgau ging es am siebten Tag nach Burgeis. Als wir unsere durstigen Pferde am Dorfbrunnen tränkten, erschien der Wirt des dortigen Gasthofes und überraschte uns ebenfalls durstige Reiter mit einem Glas italienischem Weißwein. Bei nunmehr 35 Grad ging es weiter talabwärts nach Glurns, der kleinsten Stadt Europas, vorbei an Apfelplantagen zur Nachtstation in Allitz. Unter freiem Himmel verbrachten die meisten von uns die Nacht bei unseren vierbeinigen Kameraden.



Am achten Tag ritten wir über viele versteckte Steige, die Scout Rudi kannte und somit unserem Trupp nervige Teerstraßen ersparte, entlang den Waalwegen nach Naturns. Die vorletzte Nacht feierten wir mit neu gewonnenen Freunden bei Tanz und Wein bis tief in den Morgen.

Am letzten Tag trennten uns gerade noch 20 Kilometer von unserem Ziel Meran. Entlang der Etsch führte der Weg auf schmalen Terrassenpfaden hinab nach Meran. Beim Passieren der Stadtgrenze begrüßte uns Oberpfälzer ein Regensschauer. Unter bewundernden Blicken von Einheimischen stellten wir uns für ein Gruppenfoto am Marktplatz auf. Hinter uns lagen über 330 Kilometer. Wir beglückwünschten uns alle selbst dazu und dankten unseren Pferden."

Unser Tourenführer Rudi auf der Klamm hatte uns mit keinem Sterbenswörtchen wissen lassen, was uns da oben erwarten würde. Umso faszinierender war die Szenerie, die sich vor unseren Augen am Aussichtspunkt "Gacher Blick" hinein ins Inntal eröffnete.Diana Schön


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