Dr. Wolfgang Schmalzbauer zeigt Bilder im evangelischen Dekanat in Sulzbach
Malerei als Denkanstoß

Dr. Wolfgang Schmalzbauer (Mitte) erläuterte den Besuchern der Vernissage seinen Evolutions-Zyklus Schmalzbauer. Bild: cog
Kultur
Kreis Amberg-Sulzbach
04.06.2016
23
0

Amberg-Sulzbach. "Bilder können anregen: die Fantasie, den Glauben, das Nachdenken über Gott und die Welt", stellte Dekan Karlhermann Schötz fest, "sie können uns anrühren. Sie geben auch Lebensweisheit weiter." Mit diesen Worten charakterisierte er die neue Ausstellung im evangelischen Dekanat in Sulzbach-Rosenberg mit Gemälden von Dr. Wolfgang Schmalzbauer (Kümmersbruck).

Meist in Acryl


22 Bilder hängen jetzt im Foyer des Dekanatsgebäudes. Sie könnten nicht unterschiedlicher sein. Einige sind konkret, andere abstrakt. Die meisten sind in Acryl gemalt, es gibt aber auch Zeichnungen und Arbeiten in Mischtechnik. Manche leuchten bunt, andere faszinieren mit gedämpfter Farbigkeit.

"Malerei ist nicht nur Dekoration, sondern soll auch das Denken anregen", sagte Schmalzbauer, als er die Besucher der Vernissage durch die Ausstellung führte. Knapp und humorvoll stellte er jedes Bild vor. So konnte man seine künstlerische Entwicklung von einer Zeichnung in Ölkreide aus seiner Schulzeit bis zu den neuesten Arbeiten aus diesem Jahr nachvollziehen. Dabei bezeichnet der Maler sich selbst als "Auszubildenden". Bisher habe ihm sein Beruf wenig Zeit zum Malen gelassen, aber jetzt, im Ruhestand, wolle er noch mehr lernen und vor allem seine Technik weiterentwickeln. Er arbeitet zunehmend mit unterschiedlichen Oberflächengestaltungen und Strukturen, um besondere künstlerische Effekte zu erzielen.

Noch interessanter als die Maltechnik fanden die vielen Kunstfreunde die Aussage der Bilder, denn Schmalzbauer präsentiert zwar eine zauberhafte Ansicht der Ägäis und des Taj Mahals sowie einige schöne Blumenbilder, aber das scheinbar harmlose Acrylgemälde einer "Blüte" zeigt in Wirklichkeit eine Proteinverklumpung.

Mit Politik


Andere Exponate offenbaren, dass sich der Maler kritisch mit Politik auseinandersetzt. "Abgewiesen", das Porträt eines Flüchtlingskinds, stellt die Frage nach der europäischen Identität. Mit dem Zyklus "Werden", "Sein" und "Bestehen" setzt er die Evolution in Bilder um.

Reale Ansichten


Zu vielfältigen Interpretationen gibt "Landgericht Amberg" Anlass. In eindringlichem Rot hat Schmalzbauer hier verschiedene reale Ansichten des Gebäudes kombiniert und mit perspektivischen Spielereien trotz der vielfältigen Brechungen Tiefe erzeugt. So wird das Gericht (oder das Recht?) zum Rätsel. Zugleich wird deutlich, dass Wahrheitsfindung im Strafprozess einem mühsamen Puzzle gleicht.

Die Kunstfreunde betrachteten aufmerksam die Bilder und suchten das Gespräch mit dem Maler. Angeregt sprachen sie über die Gemälde und die breitgefächerten Themen, die hier in Kunst umgesetzt werden. Die Ausstellung ist noch bis Ende November im Evangelischen Dekanat, Pfarrplatz 6, zu sehen.

Der KünstlerDr. Wolfgang Schmalzbauer ist Jurist. Ab 1989 war er als Staatsanwalt und später als Richter in Amberg tätig, von 2009 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2015 war er Präsident des Landgerichts Amberg. Ehrenamtlich wirkte er einige Jahre im Aufsichtsrat des Diakonischen Werkes, bis er den Vorsitz der Amberger Caritas antrat. (cog)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.