Einblick in die Landwirtschaft von einst
Fund aus längst vergangener Zeit

Jüngere Semester kennen dieses alte Gerät aus der Landwirtschaft nicht mehr: eine Flachsbreche. Bild: schß
Kultur
Kreis Amberg-Sulzbach
17.10.2016
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Beim Entrümpeln seines Schuppens hat ein Hohenkemnather ein heute seltenes Werkzeug entdeckt. Seine Eltern hatten um 1925/30 noch damit gearbeitet. Die jüngere Generation kennt diese Flachsbreche wohl nur noch aus Museen.

Amberg-Sulzbach. In der Oberpfalz war bis vor 80 Jahren der Flachsanbau eine Erwerbsmöglichkeit für die Landwirte. Besonders verbreitet war er im Allgäu, bevor die dortigen Bauern auf die Milchwirtschaft umschwenkten. Der herrlich blau blühende Flachs, bei uns auch Lein genannt (daher kommt der Name "Leinen"), erfreute auch die Städter, die deshalb gerne eine Fahrt "ins Blaue" unternahmen. Möglicherweise hat der Ort Leinhof (Gemeinde Birgland) vom Flachs seinen Namen.

Durch die aktuelle Landhausmode ist der Leinenstoff wieder sehr in Mode gekommen. Die Landwirte nutzten ihn einst auch zur Herstellung von Säcken. Flachs musste in vielen Arbeitsschritten aufbereitet werden. Nach dem Wässern der Pflanzen war das Brechen der Fasern aus den Stängeln einjähriger Pflanzen wie Lein oder Hanf der zentrale Aufbereitungsschritt bei der Gewinnung von Bast.

Durch das Brechen mit dem in Hohenkemnath wiederentdeckten Gerät wurden die verholzten Stängel zerkleinert. Dieser Arbeitsschritt diente mit den nachfolgenden wie dem Hecheln dazu, die Fasern mechanisch von Lignin und anderen Pflanzenresten zu befreien. Da sich dabei nicht alle hölzernen Stängelteile von den Fasern lösen, war das Schwingen der Fasern der nächste Schritt. Dazu legte man die gebrochenen Stängel so auf einen Schwingstock, dass die eine Hälfte herunterhing, und schlug senkrecht darauf mit der sogenannten Schwinge. So wurden Stängelteile und kürzere, unbrauchbare Fasern aus den Büscheln herausgestreift. Der Besitzer der historischen Flachsbreche ist im Übrigen bereit, das alte Gerät einem Sammler abzugeben, der es restaurieren oder für einen Nachbau verwenden kann. Interessenten können sich an Ursensollens Heimatpfleger Josef Schmaußer wenden.
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