Elke KotzbauerAOVE-Kirchenführung über St. Peter und Paul in Paulsdorf
Bis zurück ins 13. Jahrhundert

Auf den Flügeln sind die Kirchenlehrer der Ostkirche abgebildet. Bild: rst
Kultur
Kreis Amberg-Sulzbach
21.05.2016
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In wochenlanger akribischer Kleinarbeit hatte Elke Kotzbauer Daten und Fakten zusammengetragen. Jetzt ließ sie bei einer AOVE-Kirchenführung die Allgemeinheit an ihrem erworbenem Wissen um die Entstehung der Kirche St. Peter und Paul teilhaben.

Paulsdorf. Die Anfänge der Kirche reichten demnach bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Die Erwähnung des Geschlechts "de Bogulfsdorf" findet sich 1185 im Kloster Ensdorf. Geweiht wurde die Kirche dem Schutzpatron der Ritter: St. Paul. Der Name ging auf den Ort über. "Kirchweihtag" war fortan der 25. Januar. Die Ritter nannten sich die Paulsdorfer. Konrad von Paulsdorf überließ 1263 die Besitzungen des Geschlechts endgültig dem Kloster Ensdorf.

In Ensdorf begraben


Als adelige Eigenkirche liegt St. Paul nahe dem einstigen Stammsitz der Paulsdorfer, dem heutigen Wirtsanwesen. Nur dieser Hof in Paulsdorf leistete Jahrhunderte lang Abgaben an Kloster Ensdorf. Mehrere Männer und Frauen des Geschlechts der Paulsdorfer waren Angehörige des Konvents Ensdorf. Einige wurden zudem in Ensdorf begraben.

In einer alten Ortsüberlieferung wird berichtet, dass ein unterirdischer Gang von Paulsdorf nach Ensdorf führt. Nachdem die Paulsdorfer Herren ihren Stammsitz verlassen hatten, wurde ihre Eigenkirche zur Filialkirche von St. Georg in Amberg. Jeden zweiten Sonntag kam ein Pfarrer zum Gottesdienst nach Paulsdorf. Beerdigungen wurden in St. Georg oder Pittersberg vorgenommen. Wegen der langen Fußwege wurde bereits 1490 der Versuch einer Benefiziumsgründung unternommen. Die Paulsdorfer bauten Gebäude und Ställe in Eigenleistung, aber wegen des zu geringen Lohns fand sich kein Pfarrer.

Aus eigenen Mitteln


Die Amberger Bürgersfrau, Seytz Kürschnerin, kam 1490 zu Hilfe. Sie stiftete für die St. Paulskirche 100 Gulden. Von den Zinsen sollten Wochenmessen gelesen werden. Nach ihrem Tode sollte dieser Betrag als Grundstock eines Frühmessbenefiziums in Paulsdorf werden. Mit fünf Gulden Zinseinnahmen konnte kein Benefiziat unterhalten werden. Hans Niepauer, der damalige Besitzer des heutigen Wirtsanwesens in Paulsdorf, schenkte der Stiftung ein Bauerngut, das bei seinem Hofe mitgeführt wurde. Die Hofstelle war verödet. Die Filialisten bauten aus eigenen Mitteln die Gebäude wieder auf und schufen eine Behausung für den so sehr erwünschten Benefiziaten. Aber es fand sich weiterhin kein Priester, der nach Paulsdorf ging.

Per kaiserlichen Erlass wurde Paulsdorf 1553 evangelisch, ab 1560 kalvinistisch, ab 1578 wieder evangelisch. Die Religionsstreitigkeiten mündeten in den 30-jährigen Krieg. Maximilian von Bayern bekam für die Unterstützung der siegreichen katholischen Liga vom Kaiser die Oberpfalz mit Kurwürde zugesprochen. Er übernahm die neuen Gebiete und setzte zur Rekatholisierung der Oberpfalz auf zwei Jesuitenpater.

Zwei neue Friedhöfe


Im 16. Jahrhundert bekam die Filiale ein bedeutendes pfarrliches Recht. Allgemein war es üblich, die Toten am Pfarrort zu begraben. Demnach mussten die Verstorbenen von Engelsdorf, Paulsdorf und Hiltersdorf zu St. Georg in Amberg gebracht werden, während jene von Götzendorf, Buchenöd, Altenricht und Schlauderhof in Pittersberg begraben wurden. Stadtpfarrer Sebastian Kürmreuther (Amberg) hatte zwei neue Friedhöfe "auf dem Lande", nämlich Poppenricht bei St. Michael und in Paulsdorf bei der Kirche St. Peter und Paul. Die Friedhöfe wurden 1502/03 neu angelegt wegen des "Krieges und der Leichen".

Turm und Dachstuhl der Kirche waren während des Krieges eingestürzt, der Friedhof total verwildert. Hofkastner Johann Pelkofer (Amberg) ließ 1655 die Kirche wieder aufbauen. 1675 bekam St. Peter und Paul einen Flügelaltar, der heute der wertvollste Besitz ist. Auf dem Flügelaltar sind innen Bischöfe abgebildet. Oben links der heilige Augustinus, Bischof von Algerien, Schutzpatron der Bierbrauer; oben rechts der heilige Ambrosius, Bürgermeister von Mailand, Schutzpatron für Landwirtschaft und Tiere; unten links Papst Gregor, einst römischer Politiker, Pestheiliger; unten rechts der heilige Hyronimus, Kardinal und Übersetzer der Kirchensprache.

Ein eigener Pfarrer


1784 stiftete Angela Rosalia von Hildebrand aus einer Amberger Beamtenfamilie das Benefizium Paulsdorf. Dank ihres Vermögens ging der große Wunsch der Paulsdorfer nach einem eigenen Pfarrer in Erfüllung.1786 erfolgte der Bau des Benefiziatenhauses, das 2005 renoviert wurde. Seit 1784 hatte sich Kaplan Gall unermüdlich für das Zustandekommen der Benefiziumsstiftung Paulsdorf eingesetzt. Im Mesnerhaus von 1741, der Wohnstube des Mesners und Schneiders, wurde ein Schulzimmer eingerichtet. Kaplan Gall führte die Einteilung der Schulkinder in drei Klassen ein und verlangte die Verwendung der vorgeschriebenen Bücher. Ab 1906 besetzte das Ordinariat die Stelle des Benefiziaten nur noch provisorisch, 1921 wurde das Benefizium aufgehoben. St. Peter und Paul ist seither Filialkirche von Hl. Dreifaltigkeit.
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