Mit der Reihe Kirche und Wirtshaus mit Pfiff in Weißenberg und Sigras
Schlicht und blechern

Pfarrer Konrad Schornbaum und Organistin Heidi Wohlfahrt machten die Besucher mit der Veitskirche bekannt.
Kultur
Kreis Amberg-Sulzbach
24.10.2016
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Mit der Entwicklung des Gasthauses Zum Blechernen Reiter machten (von links) Seniorwirt Adolf Ottmann, Helen Werner und Konrad Schornbaum die Freunde der Reihe Kirche und Wirtshaus mit Pfiff vertraut. Bilder: fm (2)

Es müssen nicht immer große Dome sein, die imponieren. Auch eine kleine Dorfkirche, wie sie in Weißenberg malerisch inmitten von Wiesen am Hang über der Dorfmitte steht, verbirgt in ihren Mauern viel Geschichte.

Weißenberg/Sigras. Erlebbare Heimatkunde und Wirtshauskultur hat viele Liebhaber, Das zeigte die Reihe Kirche und Wirtshaus mit Pfiff, die jetzt ihre Fortsetzung in der St.-Veit-Kirche in Weißenberg und im Gasthof Zum Blechernen Reiter in Sigras fand.

Erwartungsvolle Gesichter


Das Interesse zeigte sich durch ein gefülltes Gotteshaus. Nach einem musikalischen Willkommen mit Heidi Wohlfahrt an der kleinen Orgel als "Pfiff" blickte Pfarrer Konrad Schornbaum als Beauftragter der kirchlichen und weltlichen Veranstaltergruppe in viele erwartungsvolle Gesichter. Viele Stammgäste erkannte er in den Kirchenbänken.

Ein gemeinsam gesungenes Lied leitete über zur Erzählkunst von Helen Werner, die Geschichte lebendig vermittelte. Vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammend, hat das Kirchlein allerhand erlebt. Von den Dorfbewohnern in Eigenarbeit errichtet, wurde es unter wechselnden Herren später erweitert. Spuren davon sind an Unterschieden bei den Fenstern und im Emporegestühl deutlich sichtbar.

Die schlichte Ausstattung mit schmalem Altar, wenig Figuren und handwerklichem Deckengemälde (Jesus im Tempel) genügte für das Glaubensleben der Ortsbewohner. Nach der Reformation und dem Erlass des Herzogs Christian August war St. Veit eine von vielen Simultankirchen. 1816 sollte sie wegen ihres schlechten Zustands sogar abgebrochen werden. Die dafür verlangten Kosten bezahlte die Bevölkerung nicht, und so blieb sie stehen. Hundert Jahre später endete der ständige Streit um die Erhaltungskosten mit der Auflösung des Simultaneums.

Einige Grablegen


Das nun evangelische Gotteshaus erfuhr 1986/87 eine größere Renovierung, bei der einige Grablegen unterhalb des Steinbodens zum Vorschein kamen. Die kleine Orgel wurde 1993 zwischen Kanzel und Kirchenbänken eingebaut und begleitet die monatlichen Gottesdienste während des Sommerhalbjahrs.

Einige Kilometer entfernt in Sigras trafen sich die Besucher im Gasthof Zum Blechernen Reiter. Seine Geschichte reicht ins 16. Jahrhundert zurück. Über viele Generationen bot es Reisenden und Wanderern eine Unterkunft. Seinen Namen verdankt das Lokal der Lage an einer West-Ost-Verbindung seit dem Mittelalter, auf der Landsknechte - im Volksmund blecherne Reiter genannt - unterwegs waren.

1972 wurde der alte Bau durch einen großzügigen Gastronomietrakt ersetzt. Die alte Tradition der guten Verpflegung blieb gewahrt; die gutbürgerliche Küche bringt nach wie vor Fleisch und Wurst aus eigenem Viehbestand auf den Tisch. Die Kuchen sind ebenfalls hausgemacht.

Bei einigen Kostproben ließen sich die Besucher von Gerald und Rudi musikalisch unterhalten. Dazwischen erzählte Konrad Schornbaum Daten und Ereignisse aus der Vergangenheit. Seniorwirt Adolf Ottmann ergänzte das mit der jüngeren Entwicklung, die nun von der Familie Ströhl-Ottmann fortgesetzt wird.
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