50-Liter-Mülltonnen sind weiterhin nicht verboten, aber kaum zu beziehen
Markt gibt keine Tonnen her

Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
21.10.2016
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Die 50-Liter-Mülltonne lässt den Kommunalpolitikern keine Ruhe. Im Umweltausschuss machte Robert Graf noch einmal deutlich: "Wir sind deutschlandweit die Einzigen, die eine 50-Liter-Normtonne zulassen."

Amberg-Sulzbach. Alle anderen Kreise hätten auf 60-Liter-Tonnen umgestellt, erläuterte der Leiter des Amtes für Abfallwirtschaft. Sie setzten so eine europäische Norm um, die schon 2003 erlassen und 2013 noch einmal geändert worden sei. Sie schreibt vor, wie eine Mülltonne gebaut sein muss.

Die Vorgaben zu Gewicht, Griffhöhe (90 Zentimeter), Fahrbarkeit (Räder) und "standardisierter Frontaufnahme" dienten der Gesundheit der Müllwerker. Sie dürften die Tonnen nicht mehr heben oder tragen, sondern nur noch ziehen. Das Entleeren habe automatisch zu erfolgen. "Die Ursache war, dass durch übermäßige Belastung enorme Rückenleiden bei Müllwerkern aufgetreten sind."

"Aus Gewohnheitsgründen"


Alle Tonnen, die diesen Vorschriften entsprechen, sind mit dem Symbol EN 840-1 gekennzeichnet. Graf: "Nur diese Tonnen sind zulässig, und zwar schon länger." Der Landkreis habe allerdings "aus Gewohnheits- oder vielleicht auch aus Kulanzgründen" nicht rigoros zu einem Jahreswechsel umgestellt, wie es andere getan hätten. Zudem hatte er die Abschaffung der nicht fahrbaren (runden) 50-Liter-Ringtonnen nicht dazu genutzt, 50-Liter-Tonnen grundsätzlich zu verbieten, sondern sie weiterhin erlaubt, wenn sie der EN-840-Norm entsprechen. In der normgerechten Variante gibt es diese Ausführung allerdings kaum noch auf dem Markt.

Die Folge stellte Graf mit Zahlen dar: Unter den 12 200 Mülltonnen, die seit der Umstellung im Landkreis getauscht wurden, seien nur 120 Stück 50-Liter-Normtonnen gewesen (83 davon in Sulzbach-Rosenberg). In vielen Fällen hätten Ringtonnen-Besitzer auf eine (etwas teurere) 60-Liter-Tonne aufgerüstet.

Dass der Handel im Landkreis die normgerechten 50-Liter-Behälter nicht anbietet, ist Graf bekannt. "Ich kann es aber nicht ändern. Ich bin nicht der Fabrikant." Er habe jedoch, verriet Graf, mit einer Rostocker Firma telefoniert, die solche Tonnen herstellen kann. "Das würden die aber nur bei einer größeren Stückzahl machen, als sie der Markt bei uns im Landkreis braucht." Dieselbe Auskunft bekomme man von anderen Produzenten: "Wegen dieser geringen Nachfrage schmeiße ich doch keine Maschine an."

Nur noch Reste zu haben


Die Feuerhof-Siedler aus Sulzbach-Rosenberg hätten wohl 170 dieser Tonnen von einem Entsorgungsunternehmen aus Lappersdorf beziehen können. Das seien aber offensichtlich nur noch Reste einer schon länger hergestellten Charge.

Dr. Martin Pöllath (FWS/FDP) bat Graf, einigen in der Öffentlichkeit verbreiteten falschen Auffassungen entgegenzuwirken. So möge er die Bevölkerung in geeigneter Form informieren, dass die normgerechten (viereckigen, fahrbaren) 50-Liter-Tonnen weiterhin zulässig seien und dass man sie zwar derzeit nicht im örtlichen Handel bekomme, sie aber anderweitig bezogen werden könnten. Zudem regte Pöllath an, das Amt für Abfallwirtschaft solle weitere Bezugsquellen recherchieren und etwa über ein Flugblatt bekanntmachen.

Zehn Wochen Zeit


"Wann müssen die Bürger spätestens ihre Tonne tauschen?", wollte Hildegard Geismann (SPD) wissen. Laut Graf wird das Amt per Aufhänger an der nicht normgerechten Mülltonne die Bürger darauf hinweisen, dass sie umstellen müssen. Der Zeitpunkt dafür werde von Ort zu Ort verschieden sein. "Aber die Leute sollen danach noch etwa acht bis zehn Wochen Zeit haben." Ziel sei es, die Aktion Mitte 2017 abzuschließen.
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