Besuchergruppe aus Amberg-Sulzbach informiert sich in Regensburg über den Bezirk
Plötzlich löst Hausalarm aus

Bezirksrat Richard Gaßner (Zweiter von rechts) mit der Besuchergruppe aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach im Brunnenhof der Medbo in Regensburg. Bild: hfz
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
29.11.2016
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So häufig sind solche Besuche nicht: Nun aber machte sich eine Gruppe aus Amberg-Sulzbach auf den Weg nach Regensburg. Ihr Interesse galt dem Bezirk und dessen Verwaltung.

Regensburg/Amberg-Sulzbach. Annähernd 60 Frauen und Männer waren der Einladung von Bezirksrat Richard Gaßner aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach gefolgt, um sich über die Aufgaben und Leistungen der nach den Gemeinden und Landkreisen sogenannten "dritten kommunalen Ebene" zu informieren. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion stellte den Oberpfälzer Bezirkstag mit Bezirkstagspräsidenten Franz Löffler an der Spitze und den 15 weiteren Mitgliedern als ein an der Sache orientiertes Arbeitsparlament vor, um die zahlreichen Entscheidungen von der überörtlichen Sozialhilfe bis zur Kulturförderung auf den Weg zu bringen, wie es in einem Pressetext heißt.

Gros für Pflegebedürftige


Gaßner erläuterte den Bezirkshaushalt, der, ohne die Ausgaben für das bezirkseigene Kommunalunternehmen Medbo, heuer insgesamt rund 411 Millionen Euro umfasst. Über 94 Prozent werden davon aufgewendet für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung. "Deutlich geringer, aber mit großer Wirkung sind die Ausgaben für das Kulturleben", sagte Gaßner. Dazu zählte er die zahlreichen Fördermaßnahmen von der Denkmalpflege über Zuschüsse für Musikvereine zum Instrumentenkauf bis zur Unterstützung der Oberpfälzer Festspiele auf. Für die Förderung des Kulturlebens wendet der Bezirk heuer rund sechs Millionen Euro auf.

Spannend und aufklärend war der Einblick in das gesunde und erkrankte menschliche Gehirn mit Dr. Dr. Helmut Hausner, Vorstand der "Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (Medbo KU)". Fachärzte der Medbo können durch ein sogenanntes "QEEG" einen Blick ins Gehirn werfen und so die Diagnose und Behandlung von sichtbaren Erkrankungen mit Medikamenten und geeigneten psychotherapeutischen Verfahren passgenauer gestalten.

Hausner stellte die Medbo mit fast 3000 Beschäftigten auch als wichtigen Arbeitgeber in der Oberpfalz vor. Befragungen offenbarten demzufolge die große Arbeitsplatzzufriedenheit des Personals, die dann durch engagiertes Handeln auch für die Patienten im Heilungsprozess wirksam werde. "Als Kommunalunternehmen des Bezirks Oberpfalz arbeiten wir wirtschaftlich, aber nicht profitorientiert und sind dem Gemeinwohl verpflichtet", sagte Hausner .

Über Telemedizin


Dieser flächendeckende Einsatz für die Gesundheit der Oberpfälzer werde insbesondere auch deutlich beim Projekt TEMPIS: Ein Schlaganfall könne durch Verstopfung eines Blutgefäßes oder einer Blutung im Gehirn verursacht werden: Ärzte in einer Oberpfälzer Klinik, in der der Patient liegt, arbeiten über Telemedizin mit den Medbo-Experten aus der Neurologie zusammen, um über die lebensentscheidend richtige Diagnose und Behandlung zu befinden.

Der zweite Teil des Besuches führte die Gruppe in den Maßregelvollzug: Das individuelle Behandlungskonzept ist laut Dr. Wolfgang Mache, Ärztlicher Direktor der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Bezirksklinikum Regensburg, entscheidend für ein Leben ohne Straftat nach der Entlassung. Besonderer Wert werde deshalb auf die umfangreiche Schulung des Klinikpersonals gelegt, um professionell mit den Straftätern im gerichtlich angeordneten Maßregelvollzug umzugehen.

Über Probleme reden


Die jährlich rund 200 stationär und 300 ambulant behandelten psychisch oder suchtkranken Straftäter müssten lernen, mit ihrer Persönlichkeit im realen Leben zurechtzukommen, ohne erneut straffällig zu werden, so der Pressetext. Ein Patient beschreibe demnach den Therapieerfolg nach der Entlassung so: "Ich kann jetzt über meine Probleme sprechen, ohne diese in mich hineinzufressen oder loszutreten."

Die Forensik-Patienten erfahren ein individuelles Behandlungskonzept mit Therapieformen wie Gruppen- und Einzelgesprächen, Arbeits- oder Sporttherapie. Zwei Drittel der suchtkranken Straftäter würden im zukunftsentscheidenden ersten Jahr nach der Entlassung nicht wieder straffällig, bei den psychisch kranken Straftätern schafften über 90 Prozent ein straffreies Leben. Wie streng die Sicherheitsmaßnahmen in der Klinik umgesetzt werden, konnten die Besucher bei der Führung vor Ort erleben: Nachdem eine Zugangstür länger als vorgesehen nicht geschlossen wurde, löste sich automatisch der Hausalarm aus. Damit werde auch dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung Rechnung getragen.

Nach dem Mittagessen im "Medborante" zeigte Bezirksrat Gaßner die auf seine Initiative vom Medbo-Verwaltungsrat beschlossene neue Gestaltung der T4-Gedenkstätte beim Zugang zur Krankenhauskirche St. Vitus. Die Gedenkstätte erinnert an das Schicksal der 641 psychisch kranken und behinderten Menschen, die 1940/41 aus der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll in die Tötungsanstalt Hartheim bei Linz deportiert und ermordet wurden.

"Unnütze Esser"


Diese Patienten wurden Opfer der im Nationalsozialismus angeordneten T4-Vernichtungsaktion, die sich damals gegen menschenverachtend bezeichnete "unnütze Esser" richtete. Die neu gestaltete Gedenkstätte nimmt in der Mitte die bisher an einer Hauswand angebrachte Gedenktafel auf und gibt durch Porträtfotos den Ermordeten Gesicht und Würde.
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