BN-Kreisvorsitzender Peter Zahn zur Gleichstromtrasse Südost-Link
Ganz dagegen oder gar nicht

"Ich kann hier für die Trasse keine gravierenden Ablehnungsgründe erkennen." Zitat: Peter Zahn sieht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Südost-Link-Trasse durch den Landkreis führen wird.
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
19.10.2016
172
0
 
So sieht ein Erdkabel im Innern aus. Im Zentrum der metallische Leiter (Kupfer oder das günstigere Aluminium), drumherum eine Isolierung aus vernetztem Polyethylen (VPE), dann die Abschirmung des elektrischen Feldes mit einer Kabelumhüllung aus Kupfer und der robuste Außenmantel aus Polyethylen. Das Kabel soll außen in bestimmten Fällen eine Temperatur von 50 Grad erreichen, was aber, da es in 1,5 bis 2 Meter Tiefe verlegt ist, an der Erdoberfläche allenfalls eine Erwärmung um 1 Grad hervorrufen soll. Arc

Eigentlich kann man gegen die Erdkabel, mit denen der Netzbetreiber Tennet in Zukunft den Strom nach Süden bringen will, nichts haben, sagt Peter Zahn. Außer vielleicht eines: "Der ganze Energietransport ist nicht notwendig."

Amberg-Sulzbach. Der Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz hat sich das Verfahren angeschaut, das zu dem aktuellen Plan geführt hat, mit zwei großen Gleichstromtrassen (Süd-Link und Südost-Link) Energie von den Erzeugungs-Schwerpunkten im Norden zu den Verbrauchs-Zentren im Süden der Republik zu verfrachten. Alles auf gesetzlicher Grundlage, alles nachvollziehbar, alles in Ordnung, sagt Zahn. Und dass Tennet damit ordentlich Gewinn macht, weil dem Unternehmen auf seine Investitionen Zinsen von 6,91 Prozent staatlich garantiert sind? Ist auch nichts Verwerfliches. "Erdkabel stören nicht das Landschaftsbild, töten keine Vögel und beeinträchtigen nicht durch elektrische Felder", zählt Zahn auf.

Stütze für Groß-Strukturen


Wer also die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) per Südost-Link durch die Oberpfalz noch verhindern will, braucht nach Ansicht von Zahn nicht an Kleinigkeiten rummäkeln. Das mache keinen Sinn. Man müsse dann schon das Ganze sehen: Wer weiter auf Kraftwerke und Stromautobahnen setze, also auf zentrale Groß-Strukturen statt auf dezentrale Energieversorgungseinheiten, der verfestige damit das bestehende System und blockiere die Energiewende. "Wieder eine wirtschaftliche Entscheidung und keine, die auf die Umwelt Rücksicht nimmt", formuliert es Zahn.

"15 Milliarden gespart"


Seiner Meinung nach besteht deshalb die Aussicht, dass die Strategische Umweltprüfung (SUP) im Zuge des Bundesfachplanungsverfahrens dem Ganzen einen Riegel vorschiebt. Weil sie ergeben könnte, dass dieses Projekt gar nicht notwendig ist. Dass eine Energieversorgung auf dezentraler Basis sinnvoller ist. "Dann hätten wir erst einmal 15 Milliarden Euro gespart." Die SUP, so sieht es Zahn, "das wird das Entscheidende". Gleichzeitig ist ihm klar: "Das ist eine unsichere Sache." Für beide Seiten.

Der Ablauf des ganzen Verfahrens ist laut Zahn etwa so: Auf der Grundlage des Bundesbedarfsplans wird ein Ausbauziel entwickelt. Im Fall des Südost-Links ist das eine Erdkabel-Leitung von 2 Gigawatt bzw. 320 bis 500 Kilovolt zwischen Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt und Landshut in Niederbayern. Das Gesetz legt nur Anfangs- und Endpunkt fest, keinen genauen Verlauf für die 580 Kilometer dazwischen. Den ermittelt der Netzbetreiber entlang der Kriterien Geradlinigkeit (möglichst die kürzeste Strecke), Machbarkeit (ist etwa auf Fels oder bei zu starken Hangneigungen nicht gegeben), Bündelung (mit Straßen oder anderen Leitungen) sowie den sogenannten Raumwiderständen. Das können Siedlungen, Kliniken, Flug- und Campingplätze, Wasserschutzzonen, Rohstoff-Abbaugebiete, Naturschutzgebiete oder Wälder sein. Alles zusammen ergibt ein mögliches Trassenkorridornetz von bis zu 15 Kilometern Breite.

Das wird dann noch genauer untersucht. Zum Beispiel nach den Interessen der Nutzer - also von Landwirten, Teichwirten, der Wirtschaft (Bodenschätze), Freizeitnutzern, des Naturschutzes. Sind mögliche Konfliktbereiche ausgeschlossen, kommt man zu 500 bis 1000 Meter breiten Vorschlagstrassenkorridoren.

Auf dieser Stufe befindet sich laut Zahn das Verfahren jetzt. Den Bürgermeistern und anderen Funktionsträgern habe man die möglichen Trassen bereits vorgestellt. Nun fordere man alle Betroffenen auf, in Versammlungen (zum Beispiel am Donnerstag in Hirschau) ihre weiteren Bedenken vorzutragen. "Taktisch klug", nennt Zahn dieses Vorgehen von Tennet: Das Unternehmen stelle jetzt alle möglichen Widerstände fest, zeige damit auch guten Willen - und plane dann drumherum.

Lauter weiße Flecken


Der Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzende hat sich von der Firma die Karte mit den festgestellten Raumwiderständen schicken lassen. Je dunkler ein Gebiet eingefärbt ist, desto schwieriger der Bau der HGÜ-Leitung. Je heller, desto weniger spricht dagegen. Wenn Zahn sich die Trassen-Option durch den Landkreis Amberg-Sulzbach anschaut, kommt er ins Grübeln, weil die Leitung hier durch so viele weiße Flecken verläuft. Seine Schlussfolgerung: "Ich kann hier für die Trasse keine gravierenden Ablehnungsgründe erkennen."

Oder andersherum ausgedrückt: Viele Gründe dürften im Urteil von Tennet dafür sprechen, diese Route zu nehmen. Wo in der Detailplanung noch Probleme auftauchen könnten, ist der Netzbetreiber nach Einschätzung von Zahn im gegenwärtigen Stadium flexibel genug, sie zu umgehen. Bei dieser Beurteilung, das hebt Zahn hervor, "geht es nicht drum, ob mir das passt", sondern um die tatsächlichen Chancen, dass die Südost-Link-Route durch den Landkreis führt. Zahn hält sie für recht hoch.

Wie es weitergehtDer nächste Schritt nach der Ausarbeitung der Vorzugstrasse durch Tennet ist das Bundesfachplanungsverfahren der Bundesnetzagentur. Dort wird Tennet seinen Trassenkorridor sowie die infrage kommenden Alternativen einbringen. Nach der öffentlichen Antragskonferenz erfolgt hier auch die strategische Umweltprüfung (ob das Vorhaben in der Abwägung aller Aspekte überhaupt notwendig ist). Am Ende dieses Verfahrens steht eine grundstücksgenaue Trasse, die ins Planfeststellungsverfahren geht. Das führt wieder die Bundesnetzagentur durch. Laut Peter Zahn will Tennet bis 2020 mit der Planung fertig sein und rechnet dann mit einer Bauzeit von vier bis fünf Jahren. Klagen könnten das Verfahren verzögern. Sie können dann aber nur noch durch Betroffene oder Verbände eingereicht werden und müssen sich gegen konkrete Punkte der Planung wenden. (ll)


Ich kann hier für die Trasse keine gravierenden Ablehnungsgründe erkennen.Peter Zahn sieht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Südost-Link-Trasse durch den Landkreis führen wird.


Die KritikOptische Gründe gegen eine Trasse mit Erdkabel kann Peter Zahn nicht erkennen, "weil man von ihr praktisch nichts mehr sieht". Lediglich im Wald müsse eine 15 Meter breite Schneise von Bäumen freibleiben. Auf den Feldern, in denen das Erdkabel liege, könne weiterhin ganz normal Landwirtschaft betrieben werden. Es gebe lediglich Befürchtungen, dass das Trassenbett mit dem Sand darin eine Art Dränagefunktion übernehmen werde und so die Wasserverhältnisse im Boden verändern könne.

Doch jenseits der Optik hat Zahn sehr wohl Einwände gegen den Trassenbau: Er zementiere die Großstrukturen mit fossilen Energieträgern (Braunkohle in Sachsen-Anhalt) und führe in eine energiepolitische Sackgasse, weil er die Energiewende blockiere. Dann gebe es keine Anreize für dezentrale Energieanlagen, ein regionales Strommanagement oder die Entwicklung von Speicherkapazitäten (etwa die Umwandlung von Windstrom in Methan, das über das Erdgasnetz problemlos verteilt werden könnte). Bei der Planung gehe man vom aktuellen Strombedarf aus, berücksichtige keine Sparpotenziale. "So wird das Klimaschutzziel nicht erreicht", findet Zahn, der außerdem kritisiert, dass hier "die Kosten risikolos auf den Verbraucher abgewälzt" würden. (ll)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.