CSU Amberg und Landkreis feiern 70-jähriges Bestehen mit Ex-Ministerpräsident
Edmund Stoiber rockt den Ritter-Saal

Edmund Stoiber zeigte die Größe der CSU, seit 1946 und heute in Europa.
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
24.07.2016
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Der stellvertretende Pressesprecher der CSU-Fraktion im Landtag, Simon Schmaußer (Mitte), interviewte (von links) Michl Prem, Karl Merkl, Erich Höllerer und Hans Bösl zu ihrer jeweils mindestens 60-jährigen Parteimitgliedschaft, zu Beweggründen und Erlebtem. Alle vier Männer wurden mit Ehrenurkunden ausgezeichnet. Bilder: Steinbacher (3)

Mit dem Defiliermarsch zog er ein, mit stehenden Ovationen wurde er verabschiedet. Edmund Stoiber "rockte" am Freitagabend den Ritter-Saal in Hahnbach. Anlass: Die beiden CSU-Kreisverbände Amberg-Sulzbach und Stadt Amberg feierten ihr jeweils 70-jähriges Bestehen.

Hahnbach. Dass dazu der Ehrenvorsitzende der Partei und ehemalige langjährige Ministerpräsident ins Gasthaus Ritter kam, ehrte die Christsozialen "zutiefst", wie Landtagsabgeordneter Dr. Harald Schwartz sagte. Der Landkreis-CSU-Chef und sein Amberger Pendant Stefan Ott schwärmten dann auch von einer "fulminanten Rede", die Edmund Stoiber rund eineinhalb Stunden lang hielt. Tatsächlich herrschte fast Bierzelt-Stimmung im Saal mit über 200 Gästen wie zu besten Zeiten des Ex-Landesvaters.

Ihm war neben einem kurzen Film zu 70 Jahren CSU und einer Mitgliederehrung der Hauptteil des Abends gewidmet; die beiden Kreisvorsitzenden beschränkten sich im Grunde auf Moderation und Begrüßung. Dabei betonte Harald Schwartz die "Nachhaltigkeit der CSU, die nicht mit Wahlerfolgen beginnt und endet". Im Gegensatz zu manch anderen sei die Partei "auch in Jahren ohne Wahlen politisch aktiv - die CSU ist da", betonte der Amberg-Sulzbacher Kreisvorsitzende. Dass diese Präsenz auch für Edmund Stoiber gilt, dokumentierte der Festredner selbst mit einer thematisch ausgefeilten Ansprache, die von der Gründung der Partei 1946 in der schwierigen Nachkriegszeit bis zu den gegenwärtigen Problemen Deutschlands und Europas reichte.

Europa und die Integration


Stoiber erinnerte daran, dass Frieden und Freiheit auf dem Kontinent vor über 70 Jahren keine Selbstverständlichkeit waren. Die Schrecken der Nazi-Herrschaft streifend, stellte er dar, wie wichtig ein gemeinsames Europa ist, ohne zu verhehlen, dass für die verschiedenen Nationen, ihre Geschichte und Entwicklungen nicht völlig gleiche Maßstäbe angelegt werden dürften. So verhalte sich zum Beispiel Ungarn schon aus der Historie heraus in der Flüchtlingskrise anders als Deutschland, das wegen seiner Kriegsschuld jedem politisch und religiös Verfolgten Asyl gewährt.

"Europa ist eine tolle Einrichtung. Aber wir haben Unterschiede, die man nicht vergemeinschaften kann", appellierte Stoiber, "die Bürger sich entwickeln zu lassen". Gleichwohl sah er es als europäisches Problem an, wenn rund 18 Millionen Afrikaner angekündigt haben, in Europa leben zu wollen. In dem Zusammenhang verschwieg er nicht die Ängste, die durch den längst begonnenen massenhaften Zuzug in Deutschland entstanden sind. Fehler wie 2015 mit völlig unkontrollierter Einreise dürften nicht mehr vorkommen.

Einfache Leute mitnehmen


"Wenn die Leute darüber ihre Sorge geäußert haben, sind sie sofort in die rechte Ecke gestellt worden", bedauerte der Ehrenvorsitzende, der auch die vom bayerischen Ministerpräsidenten geforderte Obergrenze von 200 000 Flüchtlingen in diesem Jahr verteidigte. "Wer darauf hingewiesen hat, wie Seehofer und Markus Söder, ist angemacht worden von der Presse und in der Öffentlichkeit", kritisierte Stoiber und betonte: "Die CSU muss wissen, welche Sorgen die Menschen haben", zumal die Integration von Flüchtlingen eine gewaltige Aufgabe für mehrere Legislaturperioden sei.

Überhaupt riet der ehemalige Ministerpräsident (1993 bis 2007) seiner Partei, auch die "einfachen Menschen, die nicht die Chance auf eine hochqualifizierte Ausbildung hatten", mitzunehmen. "Wir dürfen die Demokratie nicht zu einer Angelegenheit der mittleren und oberen Klasse werden lassen", appellierte Stoiber, der die CSU aber von jeher beim Volk verankert sah. Ihr weiterer Vorteil zu anderen: Sie bleibe nicht auf die Regionen beschränkt, sondern kümmere sich auch um die großen Themen in Deutschland und Europa.

Hahnbach. Rund zweieinhalb Jahrhunderte Parteimitgliedschaft waren auf der Bühne versammelt: Die zwei CSU-Kreisverbände ehrten beim Jubiläumsabend vier Männer für ihre jeweils mindestens 60-jährige Treue zu den Christsozialen: Erich Höllerer (Ortsverband Auerbach), Michl Prem (Amberg), Karl Merkl (Vilseck) und Hans Bösl (Hirschau). "Wenn man einmal dabei ist, bleibt man dabei", begründete Merkl seine langjährige Zugehörigkeit, was die anderen drei mit weiteren persönlichen Gründen ergänzten. Prem erzählte zum Beispiel von seiner Stadtratsarbeit, die ihn 36 Jahre fesselte inhaltlich und gern auch ans Gremium.

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