CSU-Bundestagsabgeordneter sieht Projekt in Tanzfleck auf der Zielgeraden
Karl macht mobil für Umgehung

Obwohl die Mittags- und damit die klassische Feierabendzeit am Freitag schon vorbei war, herrschte gestern auch am Nachmittag reger Verkehr auf der Ortsdurchgangsstraße von Tanzfleck. "Wie eigentlich immer", sagen die Anwohner, die sich sehnlichst die Umgehungstrasse wünschen. Bild: Huber
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
08.04.2016
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Von wegen 4000 Autos pro Tag auf der Ortsumgehung von Tanzfleck: Es dürften fast 7000 sein. Zählt man den Verkehr des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr hinzu, sogar 9000. Das sagt Bundestagsabgeordneter Alois Karl (CSU) und stützt sich dabei auf neue Zahlen und Berechnungen, mit denen er Fehler der alten Planung entlarven will.

Amberg-Sulzbach. Er tut das nach eigener Auskunft, um eine Höherstufung dieses Projekts im Bundesverkehrswegeplan und damit eine raschere Realisierung zu erreichen. Hilfe und Argumente holte er sich beim Staatlichen Bauamt, die im Zuge der noch bis 1. Mai laufenden Öffentlichkeitsbeteiligung eingebracht werden können.

Militär soll draußen bleiben


"Aufgrund der projektspezifischen Rahmenbedingungen, insbesondere im Hinblick auf die lediglich mittelbare und umwegige Anbindung der alten Ortsdurchfahrt an die verlegte B 299 ist von einer wesentlich höheren mittleren Verkehrsbelastung im Planfall 2030 auszugehen, da die Durchgangsverkehre sich vollständig auf die Umgehung verlagern lassen", schreibt Karl in seiner Mitteilung an die Presse.

Die im Planungsabschnitt bestehende, stark frequentierte Zufahrt des Truppenübungsplatzes werde so an die Umgehung angebunden, dass die Nutzung der bisherigen Ortsdurchfahrt durch das Militär ausgeschlossen werden könne. Übrig bleibe hier nur der Ziel- und Quellverkehr für Tanzfleck mit dem Ortsteil Rothaar, der sich auf etwa 600 Fahrzeuge täglich beschränke. Diese deutlich stärkeren Entlastungseffekte dürften zu einer "spürbar positiven Veränderung des gesamten Nutzen-Kostenverhältnisses führen", betont Karl und spricht von einer Fehleinschätzung bei der städtebaulichen Beurteilung, die dem
Projekt keine Bedeutung beimisst. Dabei würde die Umgehung die Zerschneidung des Ortskerns beenden, "das bisher entwertete Zentrum kann wieder seine städtebauliche Funktion erfüllen", so der Abgeordnete, der von entsprechenden Überlegungen der Gemeinde im Zuge der Dorferneuerung weiß. Außerdem fragt sich Karl, ob die Begleiterscheinungen des größten US-Manövergeländes in Europa in der bisherigen Beurteilung überhaupt richtig eingeschätzt wurden.

Permanente Gefährdung


"Der ständig rege Übungsbetrieb bedingt starke Truppenbewegungen zwischen Grafenwöhr und Hohenfels", heißt es in der Presseinfo, "nach Aussage der Militärs sind aufgrund der Erfahrungen, zum Beispiel im Irakkrieg mit Angriffen auf Konvois, die Truppenverlegungen auf öffentlichen Straßen sogar wichtiger und integraler Bestandteil der Ausbildung". Auffällig sei, dass auch häufig an Sonn- und Feiertagen größere Kontingente auf der B 299 zwischen den Übungsplätzen pendelten.

Vor allem am nördlichen Ortseingang ereigneten sich immer wieder Unfälle, glücklicherweise in der Vergangenheit meist ohne größere Personenschäden. Bei einer Vielzahl hätten jedoch von der Straße abkommende Fahrzeuge die Gehwege überquert und angrenzende Einzäunungen und Gebäude beschädigt, warnt Karl vor dieser permanenten Gefährdungssituation, die nur mit der Umgehung beseitigt werden könne.

Bürger sollen Öffentlichkeitsbeteiligung nutzenAufgrund der bisherigen Einstufung in den sogenannten vordringlichen Bedarf wurden bei der Ortsumgehung Tanzfleck schon alle planerischen Schritte, einschließlich eines Planfeststellungsverfahrens, gemacht, die für das Baurecht erforderlich sind. Ein entsprechender Beschluss wurde laut Alois Karl am 30. September von der Regierung erlassen. Zwar lägen dagegen drei Klagen vor, denen jedoch voraussichtlich im Hinblick auf artenschutzrechtliche Aspekte abgeholfen werden könne. Der Abgeordnete sieht das Projekt "quasi auf der Zielgeraden", weiß von umfangreichen Grunderwerbsverhandlungen samt abgeschlossenem Kauf etlicher notwendiger Grundstücke. "Es gibt folglich eine Reihe von Aspekten, die es wert sind, vorgetragen zu werden, um zu erreichen, dass die Maßnahme mindestens in den sogenannten weiteren Bedarf mit Planungsrecht, vorzugsweise aber in den vordringlichen Bedarf höhergestuft würde", meint der Politiker. Er möchte all diese Argumente selbst beim Bundesverkehrsministerium einbringen und ruft zugleich die Bürger auf, sich im Projektinformationssystem online (www.bvwp-projekte.de) zu informieren und im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung bis 1. Mai ebenfalls für eine Höherstufung der Ortsumgehung Tanzfleck zu werben.
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