Darf man etwas vom Wertstoffhof mitnehmen?
„Dann ist es Diebstahl“

"Wer so etwas macht, der bestiehlt uns. Alles, was auf dem Wertstoffhof ist, ist Eigentum des Landkreises, das muss ich ganz klar sagen." Zitat: Robert Graf
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
20.10.2016
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Da kam wohl jeder schon mal in Versuchung: Im Container auf dem Wertstoffhof liegt so eine stylische Lampe oder so ein herrlich altmodischer Holz-Schreibtisch. Beides sicher leicht zu reparieren oder herzurichten. Sollte man da nicht zugreifen? Lassen Sie es lieber!

Amberg-Sulzbach. Warum man dadurch direkt vom Wertstoffhof in Teufels Küche kommen kann, erläuterte am Mittwoch Robert Graf in der Sitzung des Umweltausschusses. "Wenn wir Sie erwischen, ist es Diebstahl. Dann bin ich von Amts wegen verpflichtet, Anzeige gegen Sie zu erstatten", machte der Leiter des Amtes für Abfallwirtschaft deutlich.

Die Diskussion war aufgekommen, als bei der Änderung der Satzung über die Benutzung der Wertstoffhöfe Veronika Frenzel (SPD) und Dr. Martin Pöllath (FWS/FDP) über Erfahrungen aus ihrem persönlichen Umfeld berichtet hatten. Vom Wertstoffhof-Mitarbeiter, der verhindern wollte, dass jemand ein altes Möbelstück mitnahm. Von der Frau, die an einem Bürostuhl Gefallen fand, der eigentlich weggeworfen werden sollte, schließlich aber in ihrem Kofferraum statt im Container landete.

Ob man denn nicht auf den Wertstoffhöfen eine Plattform einrichten könne, auf der solche Dinge einen Tag lang zum freien Mitnehmen stehen, bevor man sie verräumt, wollte Pöllath wissen. Keine Chance, war Grafs eindeutige Antwort. Aus rechtlichen Gründen vollkommen unmöglich. "Sobald das Ding auf dem Wertstoffhof abgestellt ist, geht nichts mehr." Und das sei auch gut so, denn schließlich gehe es hier um die Müllmenge, durch die der Landkreis einen Erlös erziele. Wenn sie aufgrund solcher privaten Abtransporte sinke, schädige das die Allgemeinheit, die das irgendwann über steigende Müllgebühren ausbaden müsse.

Karl Trummer (CSU) fühlte sich durch den Mitnahme-Vorschlag an die Zeiten der Sperrmüllsammlung und der unseligen Mülltouristen erinnert: "Wie hat es da hinterher ausgeschaut, wenn die alles durcheinandergebracht hatten?" Und wer räume denn die Sachen am Ende des Tages wieder weg, wenn man auf den Wertstoffhöfen so eine Art Tauschbörse einrichte? Veronika Frenzel ("ich bin tatsächlich ein Mensch, der rumgefahren ist und sich Sachen rausgesucht hat") konnte das nachvollziehen, bedauerte aber die ideellen bzw. ästhetischen Werte, die verloren gingen, wenn Leute, die keinen Sinn dafür hätten, solche Gegenstände einfach wegschmeißen.

Roland Strehl (CSU) sah eine Lösungsmöglichkeit darin, die Landkreis-Beschäftigten auf den Wertstoffhöfen zu einem Vorgehen "mit Augenmaß" anzuhalten. Keine gute Idee, fand Graf: "Wenn ich so anfange, dann habe ich morgen 1000 Leute auf den Wertstoffhöfen, die sagen: Ich darf hier was mitnehmen." Es reiche schon, wenn man Probleme mit nächtlichen Dieben habe, die auf die Wertstoffhof-Gelände eindringen und was mitgehen lassen. "Wir müssen das alles anzeigen." Eine Folge davon sei, dass man jetzt eine von Ort zu Ort wechselnde Videoüberwachung eingeführt habe. Karl Trummer brachte es schließlich auf den Punkt: "Mit jeder Art von Erleichterung, die ich einführen will, erweise ich unseren Mitarbeitern einen Bärendienst."

Wer so etwas macht, der bestiehlt uns. Alles, was auf dem Wertstoffhof ist, ist Eigentum des Landkreises, das muss ich ganz klar sagen.Robert Graf
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