Debatte über Kultur-Schloss Theuern im Kreisausschuss
Kein „Zauberer“ in Sicht

Kulturschloss Theuern (Foto: htl)
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
28.11.2016
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Im Kreisausschuss fällt man die Entscheidungen gerne einstimmig. Am Montag aber erlaubte Peter Dotzler es sich, mal dagegen zu sein. Es ging um sein Spezialthema: das Kultur-Schloss Theuern.

Amberg-Sulzbach. Ein Herzenswunsch des FW-Fraktionssprechers ist es, dieses historische Gebäude, das für den Landkreis auch einen ziemlichen Kostenfaktor darstellt, in die Obhut des Freistaats abzugeben. Als jetzt im Kreisausschuss der Beschluss über die Bauabschnitte 2 und 3 der Sanierung des Schlosses bzw. des darin untergebrachten Bergbau- und Industriemuseums Ostbayern anstand, zeigte sich Dotzler nicht davon begeistert, dass hier bei Gesamtkosten von über sieben Millionen Euro (inklusive Nebenkosten) für den bisher genehmigten Bauabschnitt 1 nur etwa 700 000 Euro an Fördermitteln in Aussicht gestellt wurden.

Sein Vorschlag, um an zusätzliche Zuschüsse zu kommen: Das Schloss in das Konzept der Bildungsregion Amberg-Sulzbach integrieren - zum Beispiel über die Planung eines Klassenzimmers für den Geschichtsunterricht in höheren Schulen - und so eine Förderung aus dieser Ecke an Land ziehen.

Landrat Richard Reisinger sah hier aber wenig bis keine Erfolgsaussichten. Auch der Idee von Hans-Jürgen Reitzenstein (FWS/FDP), nach der Sanierung des Schlosses einen Käufer für die aufgehübschte Immobilie zu suchen ("vielleicht ginge was in Richtung Hotel?"), vermochte der Landrat nichts abzugewinnen: "Bleiben wir realistisch." Bei anderen Schlössern warteten die Eigentümer auch vergebens auf einen "Zauberer", der alle ihre Probleme löse. Ähnlich sah das SPD-Fraktionssprecher Winfried Franz: "Worüber wir reden, sind Wunschvorstellungen."

Ritz: Glückliches Händchen


Die Ansicht, dass man mehr Werbung für das Angebot des Schlosses machen müsse, wollte Reisinger nicht gelten lassen: "Michael Ritz hat für das Kulturprogramm ein ganz glückliches Händchen." Im südlichen Landkreis wisse man sehr wohl zu schätzen, was man an dem Schloss hat. Das habe ihm am Sonntag erneut der Adventsmarkt dort gezeigt: "Alles brechend voll." Rückendeckung erhielt Reisinger von Albert Geitner (FW): Der Landkreis werde mit dem, was er im Schloss auf die Beine stelle, seiner Verantwortung auf kultureller Ebene gerecht.

Sünden der Vergangenheit


Richard Gaßner (SPD) war im Zusammenhang mit der Sanierung aufgefallen, dass bei öffentlichen Bauten häufig nach 30 Jahren substanzielle Probleme aufträten. Da werde offensichtlich nicht mit der wünschenswerten Sorgfalt gearbeitet. "Und jetzt haben wir den Mist zu renovieren." Bei besserer Umsetzung der Gewerke, so Gaßner, hätte man statt sieben Millionen für die Sanierung wohl nur die Hälfte aufwenden müssen. Diesen Blick auf die "Sünden der Vergangenheit" relativierte Albert Geitner, als Bauingenieur selbst vom Fach: Damals hätten ganz andere Lastannahmen und Normen gegolten.

Auch ohne die Stimme von Peter Dotzler reichte es zu einer klaren Mehrheit für die Durchführung der beiden restlichen Bauabschnitte.

Schloss-SanierungBauabschnitt 1

Nord- und Westtrakt

Dachstuhl, Schweinestall-Gewölbe, Brandschutz, Fassade, LED-Beleuchtung, Rollstuhllift. - Kosten: 1 365 000 Euro. - Bauzeit: 2017 bis 2018.

Bauabschnitt 2

Südtrakt

Aufzug, Ausgabeküche, Pferdestall-Gewölbe, Decke und Boden kleiner Saal, Dielenboden großer Saal, Brandschutz, Lüftung, Heizung, LED-Beleuchtung, Dach, Fassade, WCs, Dach und Heizung Jägerhaus. - Kosten: 2 859 000 Euro. - Bauzeit: 2018 bis 2020.

Bauabschnitt 3

Schlosshauptgebäude

Dachstuhl, Dacheindeckung, Fassade, Brandschutz, Rettungswege, Verlegung der Glasausstellung aus dem Dachgeschoss, Fassade Jägerhaus, LED-Beleuchtung. - Kosten: 1 396 000 Euro. - Bauzeit: 2020 bis 2022. (ll)
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