Der Milchpreis, die Nachhaltigkeit und ein Fragebogen
Bauernpräsident kontert mit Ironie

Die regionale Spitze des Bauernverbands präsentiert einem Lebensmittel-Discounter auch einen Fragebogen (von links): Präsident Franz Kustner, Direktor Peter Huber und Geschäftsführer Thomas Bayerl. Bild: hfz
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
21.08.2016
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Amberg. Im Kühlregal von Lidl kostet der Liter Milch im Moment gerade einmal 46 Cent. Gleichzeitig hat die Discounter-Kette Molkereien darüber informiert, dass Milchbauern künftig eine Vielzahl zusätzlicher Anforderungen erfüllen müssen, teilt der Bayerische Bauernverband (BBV) mit. Zugleich werden Landwirte über die Molkereien von dem Discounter mit einem mehrseitigen Fragebogen zur Nachhaltigkeit konfrontiert.

Abgefragt wird laut BBV beispielsweise, ob sich der Milchviehhalter mit der Fütterung von Kühen auskennt, ob er nach den gesetzlichen Standards wirtschaftet oder ob er seinen Kühen verschimmeltes Futter verabreicht. Auch über die Klauenpflege müsse der Bauer Nachweise führen.

"Bei dieser Checkliste frage ich mich, welches Bild Lidl eigentlich von der Landwirtschaft hat. Der Discounter sollte angemessene Preise für Milch und Fleisch bezahlen", auch das gehöre zur Nachhaltigkeit, zeigt sich Franz Kustner, BBV-Bezirkspräsident, verärgert. "Ohne diese definieren zu können, werden unseren Milcherzeugern zusätzliche Anforderungen, Dokumentationen und Kontrollen abverlangt. Das alles, ohne auch nur einen Cent mehr Geld für unsere Bauern", kritisiert ebenso der bayerische Bauernpräsident Walter Heidl in einem Brief an Lidl-Vorstandschef Sven Seidel.

Um dem Handel vor Augen zu führen, wie irrwitzig dieses Vorgehen ist, hat Kustner gemeinsam mit BBV-Direktor Peter Huber und Kreisgeschäftsführer Thomas Bayerl nun demonstrativ den örtlichen Lidl-Filialleiter aufgefordert, einen ähnlichen Fragebogen zu beantworten.

Darin heißt es unter anderem: "Haben ihre Mitarbeiter während der Arbeitszeit freien Zugang zu Tageslicht?", "Achtet ihr Unternehmen darauf, dass der Erzeuger auch in Tiefpreisphasen mindestens einen kostendeckenden Preis erzielen kann?" oder "Welche Reinigungsmittel werden wie häufig im Einkaufsmarkt verwendet?". Auch das habe viel mit Nachhaltigkeit zu tun, sagte Kustner.
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