Erdkabel: BBV Amberg fürchtet Ertragsverluste
Bauern wollen keine heißen Äcker

Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
24.10.2016
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Amberg-Sulzbach. Nach dem massiven Widerstand in vielen Regionen Bayerns gegen den geplanten Netzausbau mit Hilfe von Freileitungen, sollen auf den Trassen jetzt Erdkabel verlegt werden. Oft könnten Bedenken der Anwohner damit ausgeräumt werden - "doch das passiert auf dem Rücken der Bauern": Mit dieser Kritik meldet sich der Bauernverband (BBV) Amberg in einer Pressemitteilung zu Wort.

Auch der Landkreis Amberg-Sulzbach sei betroffen - mit einer von mehreren möglichen Trassen, in denen die Bereiche Hirschau, Freudenberg und das Vilstal liegen. "Um die Kabel zu verlegen, müssen breite Gräben auf Feldern und Wiesen gegraben werden", betont der BBV: "Und die Bauern müssen befürchten, dass auch nach den Arbeiten starke Beeinträchtigungen mit der Verlegung der Erdkabel verbunden sind." Unter anderem rechnet der Verband "mit erhöhten Verdunstungs- und Austrocknungsraten durch die von einer Erdverkabelung ausgehende Erwärmung des Bodens". Die Presseinfo bezieht sich dabei auf eine Auskunft der FH Kiel: Danach erwärme sich die Leitung im Normalbetrieb erwärme um rund 35 Grad. "Bei voller Auslastung sind es zwischen 50 und 60 Grad." Die Temperaturerhöhung an der Erdoberfläche liege bei um ein bis drei Grad.

"Manche mögen's heiß - aber unsere Pflanzen auf den Feldern und Wiesen gehören definitiv nicht dazu", unterstreicht Franz Kustner, Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands. Auch er warnt vor möglichen Folgen: Bodenaustrocknung, Veränderung des Grundwasserspiegels, höhere Verdunstungsraten und Ertragsverluste: "Daraus ergeben sich nicht nur übergangsweise, sondern dauerhaft erhebliche Beeinträchtigungen auf landwirtschaftlichen Flächen. Eine forstwirtschaftliche Nutzung wird sogar gänzlich unmöglich", da die Trasse baumfrei gehalten werden müsse.

Im Vergleich zur Freileitung sind laut Kustner bei einer Erdverkabelung im Höchstspannungsbereich damit "erhebliche Eingriffe in den Boden und seine Struktur zu erwarten". Die Eingriffe in Eigentum und Nutzung seien also noch gravierender. Deshalb sähen die Landwirte die Erdverkabelung kritisch. Diese sei mittlerweile im Gesetz verankert. "Eingriffe dürfen nur mit Zustimmung der Grundstückseigentümer passieren", fordert Kustner. Unverständlich sei, dass der Bund Naturschutz keine Probleme mit diesem massiven Eingriff sieht. Bei diesem Thema könne man nicht von "an Kleinigkeiten herummäkeln" sprechen, macht Kustner deutlich.

Im BlickpunktUm die Auswirkungen beim Bau von Erdkabeln so gering wie möglich zu halten, fordert der Bauernverband "ein umfassendes Bodenschutzkonzept und eine Baubegleitung durch einen unabhängigen Sachverständigen". Dieser müsse "von neutraler Seite", also zum Beispiel durch die Regierung, beauftragt werden und unter anderem auch für einen Baustopp bei schlechter Witterung sorgen. "Die bisherige einmalige Dienstbarkeits-Entschädigung im Enteignungsrecht müsse zudem durch "eine wiederkehrende, angemessene" Zahlung für "die dauerhafte Belastung und Mitbenutzung der Grundstücke" ergänzt werden, verlangt der BBV zudem: "Während der Staat den Netzbetreibern dauerhaft attraktive Renditen und den Kommunen ohne Eigentumsbezug zusätzliche Zahlungen zusichert, werden die Eigentümer der Flächen bisher mit einer Einmalzahlung abgespeist." Über solche Entschädigungen sei noch nicht verhandelt worden.


Manche mögen's heiß - aber unsere Pflanzen auf den Feldern und Wiesen gehören definitiv nicht dazu.BBV-Präsident Franz Kustner
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