Europaabgeordnete Maria Noichl und MdL Reinhold Strobl im Dialog mit Landwirten
Markt melkt Milchbauern müde

Manfred Bauer, Robert Graf, stellvertretende Landrätin Brigitte Bachmann, Reinhold Strobl und Maria Noichl (von links) sowie weitere BDM-Vertreter sahen sich den Freilaufstall in Mülles an, der für Kälber noch mit einem weiteren Gebäude ergänzt werden müsste. Das ist eine Investition, auf die Graf vorerst verzichtet.
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
12.11.2016
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"Wir brauchen Gleichgewicht auf dem Milchmarkt." Das sagt Robert Graf, damit er als Milchbauer nicht nur überleben, sondern in seinen Hof auch investieren kann - ohne ständige Furcht, wie es mit seinem Geschäft weitergeht. Dass diese Angst trotz wieder besserer Preise besteht, davon überzeugte sich am Freitag Maria Noichl.

Hahnbach. Die SPD-Europaparlamentarierin, die in Brüssel Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung ist, war auf Einladung ihres sozialdemokratischen Landtagskollegen Reinhold Strobl auf den Hof von Robert Graf in Mülles bei Hahnbach gekommen, um über aktuelle Themen und Probleme der Branche aus der Sicht des Bunds Deutscher Milchviehhalter (BDM) zu sprechen. Manfred Bauer, der stellvertretende Vorsitzende des örtlichen Kreisverbands, betonte, dass aus der jüngsten Marktkrise "die Molkereien und der Handel gestärkt hervorgegangen sind - wir mussten die Zeche zahlen".

Trotz der gegenwärtigen Preiserholung verzichtet zum Beispiel Robert Graf auf den Bau eines Kälberstalls, zumal er erst vor rund zwei Jahren etwa eine Million Euro in ein neues Freilaufgebäude für seine 80 Kühe investiert hat. "Wenn ich den Schritt nicht schon getan hätte, ich würde es nicht mehr machen", sagte Graf auch mit Blick auf die siebentägige Dauerbelastung als Landwirt, die kaum Freiheiten zulässt.

Von selbst funktionieren


Maria Noichl bedauerte in dem Zusammenhang, dass bei den Schwierigkeiten der Branche meist so getan werde, "als wären die Landwirte selbst daran schuld". Dabei sei es ein Marktstrukturproblem, bei dem Entlastungsprogramme "nur die zweitbeste Lösung sein können". Der Markt selbst sollte funktionieren, forderte Noichl und rannte damit bei den BDM-Vertretern, zu denen im Laufe des Vormittags noch eine ganze Reihe stieß, offene Türen ein. "Es wird einer alten Politik hinterhergelaufen", kritisierte die Europaabgeordnete die Entwicklung bei der Milch. "Man glaubt, über die Menge alles machen zu können, nicht über die Qualität." Das hielt sie auch Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner vor, der lange an seiner Ansicht eines Absatz-, statt eines Mengenproblems festgehalten habe.

"Ihr seid verspottet und verlacht worden", bedauerte Noichl die Erlebnisse des BDM, dem sie für seine stets klaren und wahren Aussagen in der Krise dankte. "Der Preis muss stimmen, dann braucht es normalerweise keine Förderung vom Staat", brachte SPD-Landtagsabgeordneter Reinhold Strobl das Thema im Sinne der Milchbauern auf den Punkt.

Fraunhofers Energieschub


Um thermische und chemische Energiespeicher sowie Energiewandlung aus Biomasse ging es am Nachmittag beim Fraunhofer-Institut Umsicht in Sulzbach-Rosenberg, wo der Landtagsabgeordnete Maria Noichl am Beispiel einer Firma in der Region zeigen wollte, "in welche Richtung die Forschung in diesem Feld geht".
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