Fallender Milchpreis führt zu Wortgefechten bei Vortrag von Albert Deß
Kustner gibt BDM-Leuten Kontra

Der Europaparlamentarier Albert Deß (stehend) erläuterte, wie in der EU Agrarpolitik gemacht wird. Bild: hi
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
12.01.2016
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Altmannshof. Heftige Wortwechsel waren vorherzusehen, als am Sonntag der Europaabgeordnete Albert Deß bei der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft des CSU-Kreisverbandes sprach. Denn unter den Zuhörern waren auch Mitglieder des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), die nur noch zum Teil dem Bayerischen Bauernverband (BBV) angehören.

Als die Rede auf den sinkenden Milchpreis kam, hieß es, Lidl und Aldi gestalteten hier den Markt, doch könnte man die Erzeugerpreise bei Milch und Fleisch sehr wohl anheben. Dem Bauernverband wurde von BDM-Seite Versagen vorgeworfen, was BBV-Bezirkspräsident und Kreisobmann Franz Kustner so nicht stehen ließ. Er stellte die Erfolge des BBV heraus und bekräftigte, man leiste gute Arbeit für die Landwirte. Aus der Versammlung wurde ein Dialog von Vertretern des BBV und des BDM vorgeschlagen. Auch Georg Straller, der zweite Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft, hieß diese Anregung gut.

Albert Deß als agrarpolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Europaparlament sprach im Gasthaus Kopf fast 90 Minuten lang über das Ringen um gute Lösungen für die Landwirte im Zeichen von Russland-Embargo und chinesischer Wirtschaftskrise. Deß beklagte, dass seine vorgeschlagene einfache Agrarreform nicht Wirklichkeit wurde, dafür aber komplizierte Lösungen. Ihn unterstützten meist 8 von 27 Länder. Sein Agrarausschuss habe 65 Mitglieder, davon 13 EVP-Kollegen. Er müsse für Lösungen Mehrheiten schaffen, im Europaparlament brauche man eben Freunde, auch für Kompromisse.

Man wolle keine Kürzungen im Agrarbereich haben, sagte Deß. Wegen der schwierigen Marktsituation sei eine zusätzliche Hilfe von 500 Millionen Euro beschlossen worden.

Das System im transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP lehne er ab, sagte Deß. "Die USA schotten sich ab, wir wollen keine Lizenzen." Gegen ordentliche Schiedsgerichte habe man nichts, es gehe um die Zusammensetzung und die Öffentlichkeit. Was Deß ärgert, sind Schikanen gehen die Landwirtschaft: "Da tun sich gerade Nichtlandwirte hervor." Anregungen nehme er gerne von Landwirten und Ämtern entgegen.
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