Gelungenes Projekt
Im Parlament der Generationen

Reinhold Strobl, Mitglied des Bayerischen Landtags im Ausschuss für Staatshaushalt und Finanzfragen (links) besuchte Ingrid Kandziora und Hermann Kucharski im Plenarsaal. Die beiden waren Teilnehmer des Parlaments der Generationen im Landtag. Bild: hfz
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
11.06.2016
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Eine Hochrechnung besagt: Im Jahr 2050 werden über 36 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung über 67 Jahre alt sein. Was bedeutet diese Entwicklung für uns und für politische Entscheidungen?

Amberg-Sulzbach/München. Dieser Frage ging das Parlament der Generationen nach. Eingeladen dazu hatten der Bayerische Landtag und die Akademie für politische Bildung. Zwei Tage fand, wissenschaftlich begleitet, ein Experiment mit Teilnehmern aus der Bevölkerung statt, die in die Rolle von Abgeordneten schlüpften. Sie diskutierten über Fragen der Bildungs- und Sozialpolitik, suchten Lösungen und trafen Entscheidungen, so als wären sie tatsächlich als Abgeordnete dafür verantwortlich.

Dabei waren Hermann Kucharski aus Kastl und Ingrid Kandziora aus Poppenricht, die der Landtags-Mandatsträger Reinhold Strobl (SPD) dazu eingeladen bzw. vorgeschlagen hatte. "Beide haben sich sofort bereiterklärt, daran mitzuwirken und ihre Meinung einzubringen", freute sich Strobl.

Ingrid Kandziora berichtete gegenüber unserer Zeitung - noch ganz beeindruckt über ihre Erfahrungen beim Parlament der Generationen: "Ich wusste nicht, auf was ich mich da einlasse. Es hat meine Erwartungen übertroffen. Die Vorbereitung durch die Akademie für politische Bildung war hervorragend. Die Begleitung durch Wissenschaftler und deren Hilfskräfte war immer vorhanden. Diskret beratend, aber auch mit leichtem Druck, wieder zur Sache zu kommen, wenn die Diskussion abzudriften drohte." Eine neue Erfahrung für sie sei die Entscheidungsfindung in den Räten und Ausschüssen gewesen. Hier speziell die knappen Zeitvorgaben, die immer neue Zusammensetzung der Ausschüsse, in denen die Entscheidungen verkündet, verteidigt oder neue Kompromisse gefunden werden mussten. Auch das Abstimmungsverhalten im Plenum war eine neue Erfahrung. "Es zeigte sich, dass, wenn Abgeordnete nach ihrem Gewissen abstimmen, Koalitionen sehr stark bröckeln. Ich würde sofort wieder mitmachen, das war eine Erfahrung, die man, wenn man politisch interessiert ist, unbedingt machen sollte", bekundete Kandziora. Das Besondere am Parlament der Generationen war, dass die Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Die eine Hälfte stand für die gegenwärtige Bevölkerungsstruktur, die andere für die Gesellschaft des Jahres 2050. Also, laut Prognose der Demografie-Forscher mit einem wesentlich höherem Durchschnittsalter. Wie wirkt sich das nun auf die Entscheidungen hinsichtlich Bildungs- und Sozialpolitik aus? Werden 2050 weitgehend Entscheidungen getroffen für Rentner und nicht mehr für junge Menschen, für Bildung, für eine ältere Infrastruktur?

Elan und Begeisterung


Hermann Kucharski freute sich besonders, mit welchem Elan und Begeisterung gerade die jüngere Generation sich an den Diskussionen beteiligte. "Natürlich hat es Unterschiede gegeben. Doch die Alten und Jungen sind sich bei den Entscheidungen schließlich schnell im Sinne eines gemeinsamen Ziels einig gewesen", zog er als Resümee. "Hier spielte die Zugehörigkeit zu Parteien, oder die Präferenz für eine Partei im richtigen Leben keine wirkliche Rolle", erklärte Kucharski, der im Parlament der Generationen im Ausschuss für Bildung und in der Fraktion der "Kenner" war.

Am Ende, so erhofften sich die Veranstalter, konnte für jeden Teilnehmer die Frage beantwortet werden, ob und wie sehr die veränderten demografischen Bedingungen Entscheidungen, in Politik und Gesellschaft letztendlich beeinflussen.
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