Immer mehr "Fehlbeleger"
Flüchtlinge in Wohnungsnot

Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
17.03.2016
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Seit Wochen tröpfelt der Flüchtlingsstrom auf der Balkanroute nur noch. Merkt man dadurch auch bei den Zahlen der Asylbewerber, die jede Woche in den Landkreis kommen, einen Rückgang?

Amberg-Sulzbach. Nein, sagt dazu Christine Hollederer, die Pressesprecherin des Landratsamtes. "Nach wie vor werden dem Landkreis jede Woche mindestens 25 Flüchtlinge für die Anschlussunterbringung zugewiesen."

Tendenz leicht sinkend


Das geschieht durch die Regierung der Oberpfalz. Sieht sie vielleicht schon ein Abflauen des Zustroms nach Bayern und damit in die Region? Zumindest eine "leicht sinkende Tendenz in den Zugangszahlen" gab es vergangene Woche laut Dr. Robert Feicht, dem stellvertretenden Pressesprecher der Regierung.

Sie sei wohl durch die Situation in den Balkanstaaten bedingt. Die Herausforderungen für die Verwaltung seien aber weiter sehr hoch, "da die Jahresprognose natürlich Bestand hat und gerade im Bereich der Anschlussunterbringung die Kapazitäten deutlich aufgestockt werden müssen".

Anschlussunterbringung - das meint in Amberg-Sulzbach zunächst einmal die dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge in angemieteten Wohnungen. "Hier kommt der Landkreis langsam, aber sicher an seine Grenzen", sagt Christine Hollederer. "Wir sind auf entsprechenden Wohnraum angewiesen; sowohl für die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen als auch für anerkannte Asylbewerber. Der Landkreis appelliert deshalb an die Bevölkerung, leerstehende Wohnungen zur Verfügung zu stellen und so den Landkreis zu unterstützen."

Der Unterschied zwischen dem Asylbewerber, der auf den Abschluss seines Verfahrens wartet, und dem anerkannten Bewerber ist in Bezug auf die Wohnung folgender: Der Anerkannte müsste eigentlich aus der vom Landkreis organisierten Unterbringung ausziehen und sich selbst auf dem freien Markt eine Bleibe besorgen. Ist natürlich schwer, weshalb viele Betroffene erst einmal weiter in ihrer Wohnung bleiben (müssen) und dadurch verwaltungstechnisch zu "Fehlbelegern" werden. 68 gab es davon Ende Februar im Landkreis, also knapp sieben Prozent aller hier lebenden Asylbewerber. Von den anerkannten Bewerbern war das gut die Hälfte.

Bei der Suche nach einer Wohnung werden sie von der Diakonie Sulzbach-Rosenberg unterstützt. Wenn sie kein Einkommen oder sonstige finanzielle Mittel haben, sind sie wohngeld- und sozialleistungsberechtigt.

Amberg baut vor


Zum Vergleich ein Blick in die Stadt Amberg: Die betreibt - anders als der Landkreis - derzeit keine Notunterkunft mehr, weshalb man hier nicht sagen kann, ob jetzt wöchentlich weniger Neuzugänge kommen als früher. Für die dezentrale Unterbringung ist laut Pressesprecherin Susanne Schwab im Moment genügend Wohnraum vorhanden, weil man auch ständig aktiv danach suche. Zudem werden im ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus neben der neuen Notunterkunft für 200 Menschen weitere Wohnungen für die dezentrale Unterbringung von 80 Flüchtlingen geschaffen.

In Amberg lebten in den vergangenen Monaten meist um die 600 Flüchtlinge, davon rund 250 in den vier Gemeinschaftsunterkünften, die die Regierung betreut. 2015 erhielten hier 57 Asylbewerber ihre Anerkennung, 2016 waren es bisher 42. Da die Gesamtzahl der "Fehlbeleger" in Amberg laut Regierung derzeit 108 beträgt - 102 in den Gemeinschaftsunterkünften, sechs in dezentraler Unterbringung -, muss sie auch Anerkennungen aus den Jahren davor umfassen. Unterstützung bei der Wohnungssuche erfahren sie durch die Caritas sowie die Initiative "Amberg hilft Menschen".

Landratsamt suchtFür Wohnraum für die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen ist laut Pressesprecherin Christine Hollederer nach wie vor das Landratsamt zuständig. Mit dieser Behörde wird auch der Mietvertrag geschlossen. Ansprechpartner für interessierte Vermieter ist im Sozialamt Georg Jobst (09621/39-534, georg.jobst@amberg-sulzbach.de).

Ergänzend bemerkt die Pressesprecherin dazu: "Hierbei gilt für die Vermieter für die dezentrale Unterbringung zu beachten, dass die Wohnungen oder Zimmer möbliert sein müssen. Zudem sollten die Vermieter den Flüchtlingen mit Rat und Tat zur Seite stehen und ihnen Hilfestellungen etwa bei Behördengängen oder Arztbesuchen geben." (ll)


29 FehlbelegerIm Landkreis Amberg-Sulzbach betreibt die Regierung der Oberpfalz nur eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge: in zwei Wohnblocks in Vilseck. Hier sind rund 130 Menschen untergebracht. Von ihnen gelten nach Auskunft der Pressestelle aktuell 29 als "Fehlbeleger". (ll)
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