Justiz erneut mit Nazi-Vergleich verunglimpft
Netz-Berserker unbeeindruckt

Symbolbild: dpa
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
08.01.2017
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Eine Haftstrafe, die ein wegen wiederholter Beleidigungen verurteilter Schmäh-Blogger kürzlich absitzen musste, blieb wirkungslos. Der Mann suchte sich ein neues Ziel für seine Hasstiraden. Ein durchaus brisantes.

Amberg-Sulzbach/Regensburg. Der 63-Jährige aus dem Landkreis hat offenbar eine Vorladung zu einer mündlichen Verhandlung am Regensburger Verwaltungsgericht bekommen. Das teilte er über eine der beiden von ihm betriebenen Homepages mit und gleitet ansatzlos in einen seiner rechtsextremistischen Beschimpfungsexzesse ab: "VG = Verwaltungsgericht = Volksgerichtshof" schreibt der Mann und setzt damit die Regensburger Richter mit diesem 1934 von den Nationalsozialisten geschaffenen Sondergericht für politische Straftaten gleich.

Im Nazi-Jargon


Dieser Eintrag datiert auf Mittwoch, 4. Januar, 21.32 Uhr. Neu sind derartige Angriffe des 63-Jährigen auf die Justiz nicht. Reihenweise gibt es ähnliche Vergleiche im Grundtenor von Verächtlichungen im Nazi-Jargon auch gegenüber der Amberger Justiz.

Abgeurteilt wurde bisher noch keine dieser Verunglimpfungen, und auch das Regensburger Verwaltungsgericht gibt sich nach der jüngsten öffentlichen Schmähung des Mannes im Augenblick äußerst zurückhaltend. Der verbale Angriff auf die Richter wird nicht kommentiert. Bestätigt wird hingegen der anstehende Verhandlungstermin. Er dreht sich um ein von der Gemeinde Freudenberg verhängtes und verlängertes Badeverbot gegen den 63-Jährigen.

Wegen wiederholter Anzüglichkeiten und Schlüpfrigkeiten gegenüber jungen Mädchen war der Mann 2014 des Freibades für zwei Jahre verwiesen worden. 2016 verlängerte die Gemeinde ihr Hausverbot. Gegen diesen Platzverweis geht der frühere EDV-Kaufmann von Anfang an erfolglos vor dem Regensburger Verwaltungsgericht vor.

Unflätig und beleidigend


Freudenbergs Bürgermeister Alwin Märkl, die gesamte Dorfgemeinschaft und namentlich genannte Bürger, darunter auch etliche junge Frauen, überschüttet der 63-Jährige seit dem Rauswurf aus dem Freibad mit Unflätigkeiten und Beleidigungen. Zum jüngsten Verhängnis war dem Mann aber ein Vergleich des AZ-Gerichtsreporters Wolfgang Houschka mit dem menschenverachtenden Präsidenten des Volksgerichtshofes, Roland Freisler, geworden.

Fast zwei Jahre


Diese Entgleisung wurde angesichts mehrerer, auch einschlägigen Vorstrafen des Schmäh-Bloggers mit einer zweimonatigen Haftstrafe belegt. Bis der Rechtsweg ausgeschöpft war, dauerte es fast zwei Jahre.

Am 25. November vergangenen Jahres meldete sich der Mann via Netz nach seiner achtwöchigen Zwangspause demonstrativ unbeeindruckt zurück: "Urlaub beendet :-)", schrieb er, illustriert unter anderem mit einem viertelstündigen Werbevideo über die Zerstörungskraft eines amerikanischen Schnellfeuer-Sturmgewehrs.
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