Landrat Richard Reisinger antwortet auf Anfrage der ÖDP-Kreistagsfraktion
Landkreis für Atom-Katastrophe gerüstet

Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
08.06.2016
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Amberg-Sulzbach. Der Landkreis ist für den Fall einer atomaren Katastrophe bestens vorbereitet und gerüstet. Das geht aus einem Schreiben des Amberg-Sulzbacher Landrats Richard Reisinger an den ÖDP-Kreisrat Michael Birner hervor, wie das Landratsamt in einer Presseinfo mitteilt. Birner hatte vor wenigen Wochen stellvertretend für seine Fraktion eine Anfrage zu diesem Thema an den Landkreischef gerichtet. Reisinger macht in dem Brief deutlich: Für Störfälle aller Art gibt es im Landkreis einen Notfallplan.

Der Landrat erklärt in dem Brief, dass in einem Katastrophenfall jeglicher Art die Gesamteinsatzleitung dem Landratsamt als Katastrophenschutzbehörde obliege, sofern nicht die Regierung oder das bayerische Innenministerium die Leitung des Einsatzes übernommen haben. Dazu habe das Landratsamt eine Führungsgruppe Katastrophenschutz eingerichtet, zu deren Aufgaben es gehört, die Bevölkerung im Katastrophenfall zu warnen und zu informieren. Gleichzeitig verweist Reisinger auf entsprechende Warn-Apps für die Bevölkerung, beispielsweise die App NINA des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, die die Nutzer deutschlandweit vor Gefahren wie atomaren Unfällen oder Hochwasser warnt.

Die Schilddrüse schützen


Speziell im Fall einer atomaren Katastrophe sind laut Reisinger Bevorratung und Verteilung von Kaliumjodidtabletten optimal geregelt. So lägen entsprechende Verteilungspläne in der Schublade der Kreisverwaltungsbehörde. Diese Pläne sehen vor, wie die Tabletten, mit denen verhindert werden kann, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse einlagert, schnellstmöglich an die Menschen im Landkreis verteilt werden. Mithilfe von Rettungskräften werden die Tabletten demnach vom Zentrallager in Roding zur Feuerwehr Amberg transportiert, dort durch festgelegte Feuerwehren des Landkreises abgeholt, anschließend zu den lokalen Ausgabestellen im Landkreis gebracht und schließlich an die Bevölkerung ausgegeben.

Auch die Fragen nach Strahlenmessgeräten beantwortet der Landrat in dem Schreiben mit Verweis auf die Feuerwehr Sulzbach-Rosenberg, die mit zwei solchen Geräten ausgerüstet ist, die Feuerwehr Amberg sowie die Verkehrspolizeiinspektion Amberg, die ebenfalls über weitere Strahlenmessgeräte verfügen. Unabhängig davon betreibt das Landesamt für Umweltschutz zwei radiologische Messnetze in Bayern. Mit dem sogenannten Kernreaktor-Fernüberwachungssystem werden laut Reisinger die Kernkraftwerke in Bayern kontinuierlich überwacht. Zudem misst das Immissionsmessnetz für Radioaktivität die Strahlung an verschiedenen Standorten in ganz Bayern und hat eine Früherkennungsfunktion für den Fall, dass radioaktive Stoffe freigesetzt würden.

Zum Schluss seines dreiseitigen Schreibens geht der Landrat auf die neuen Katastrophenschutzlinien für kerntechnische Anlagen in Bayern ein, die seit Jahresbeginn in Kraft sind und unter anderem vorsehen, Verkehrslenkungspläne mit großräumigen Verkehrsumleitungen für Bereiche bis rund 100 Kilometer um Kernkraftwerke vorzubereiten.

Niederbayern hat Vorrang


Soweit bekannt wurde ein solcher Plan für die Oberpfalz aktuell noch nicht erstellt, da zunächst ein entsprechender Plan für den Regierungsbezirk Niederbayern mit dem Atomkraftwerk Isar abzuwarten sei, um die bei einem atomaren Katastrophenfall zu erwartenden Verkehrsströme aus Niederbayern berücksichtigen zu können.
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