Landrat Richard Reisinger nimmt das Jahr 2016 in den Blick
„Was Intelligentes machen“

Als Landrat Richard Reisinger durch die üblichen adventlichen Sichtbehinderungen hindurch den Blick auf 2016 richtete, fiel ihm eine ganze Liste an wichtigen Vorhaben des Landkreises ein. Bild: Steinbacher
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
31.12.2015
181
0

Wer als Journalist Landrat Richard Reisinger fragt, welchen Vorsatz er für 2016 hat, erntet diesen kurzen Ansatz eines Lachens aus tiefster Brust, der anzeigt: Jetzt kommt ein echter Reisinger-Spruch. Die Antwort lautet dann: "Möglichst für keine Schlagzeilen bei Ihnen sorgen."

Amberg-Sulzbach. Weil er das vermutlich aber ohnehin nicht schafft, hat der Landkreis-Chef noch eine andere fromme Absicht: mehr von den Leistungen in Anspruch nehmen, die ihn sein Monatsbeitrag im Fitnessstudio eigentlich zu nutzen berechtigt. Könnte aber ebenfalls schwierig werden, meint Reisinger.

Also lenken wir im Jahresgespräch der Amberger Zeitung mit dem Landrat - es fand schon vor seiner Rom-Reise statt - den Blick zurück auf 2015. Worüber hat sich Reisinger da am meisten geärgert (abgesehen von der mangelnden Praxistauglichkeit von guten Vorsätzen zum Jahreswechsel)?

Ärger gleich wieder weg


Über kein einzelnes Ereignis, meint der 51-Jährige. Großer Ärger halte sich bei ihm ohnehin nicht lange. "Der ist gleich wieder weg." Er gesteht aber, dass es ihn schon trifft, wenn er mal politisch vorgeführt wird. Wenn man ihm zum Beispiel vorwirft, daran schuld zu sein, dass es mit der Realschule in Hirschau nicht klappt. Nicht gerade stimmungsfördernd ist es bei Reisinger auch, wenn der persönliche Faktor die politische Arbeit erschwert: "Wenn manche in Gremien nicht miteinander können und dadurch die ganze Arbeit stockt."

Als Beispiel für die freudigen Momente im Arbeitsalltag eines Landrats fallen ihm die guten Nachrichten aus Ministerien ein: "Wenn man da hinkommt und erfährt, die Sache, um die wir so lange gerungen haben, läuft jetzt." Und weil die Vorfreude auch bei einem Landkreis-Boss die größte Freude ist, kam Reisinger bei diesem Thema natürlich die Weihnachtsbaum-bedingte Rom-Reise in den Sinn, mitsamt Besuch beim emeritierten Papst Benedikt.

Inzwischen mit dem päpstlichen und emeritiert-päpstlichen Segen gestärkt, kann sich Reisinger an die großen Projekte machen, die 2016 vor ihm liegen. Neben dem Flüchtlingsthema, selbstverständlich. Denn "wir müssen auch die anderen Aufgaben weiter bedienen, sonst gefährdet das die Akzeptanz der Flüchtlinge", lässt er keinen Zweifel an seinem Willen, die begonnenen großen Vorhaben mit Nachdruck fortzuführen.

Den Bauabschnitt I am Sulzbach-Rosenberger St.-Anna-Krankenhaus zum Beispiel, hinter dem schon langsam die Umrisse von Bauabschnitt II sichtbar werden. Oder die Investitionen in die Liegenschaften des Landkreises. "Beim Gymnasium sind wir fast fertig", sagt Reisinger.

Sanieren, sanieren, sanieren


Noch etwas länger - laut Plan bis 2018 - wird sich die Generalsanierung beim Sonderpädagogischen Förderzentrum in Sulzbach-Rosenberg hinziehen. 2016 steht dort der Start des dritten Bauabschnitts mit dem Abbruch des Altbaus auf dem Plan. Daneben gilt das Augenmerk der Gebäude-Experten des Landkreises den näherrückenden Sanierungen von Realschule und Berufsschule in Sulzbach-Rosenberg.

"Irgendwann müssen wir auch überlegen, was wir mit dem Bauhof machen", richtet Landrat Richard Reisinger seinen Blick noch weiter voraus. Vielleicht komme man da mal in ein kommunales Investitionspaket rein.

Mehr Platz für Behörde


Die ehemalige landwirtschaftliche Berufsschule in der Amberger Adalbert-Stifter-Straße - seit einigen Wochen Erstaufnahmestation für Flüchtlinge - betrachtet Reisinger langfristig als Herausforderung: "Aus dem Bau müssen wir was Intelligentes machen."

Zum Beispiel eine Außenstelle des Landratsamtes. Weil im Kurfürstlichen Schloss schon lange nicht mehr genug Platz ist für die Behörde, die immer mehr Stellen bekommt.

Und Amberg?Nicht nur Bauvorhaben fallen Landrat Richard Reisinger beim Blick auf 2016 ein, sondern auch ein anderes ehrgeiziges Projekt: "Wir müssen die Ökomodellregion voranbringen."

Das ist eine gemeinsame Unternehmung mit Amberg. Klappt da alles im Verhältnis zwischen der Stadt und dem sie umgebenden Landkreis? Sogar überraschend gut und selbstverständlich, findet Reisinger die jüngste Zusammenarbeit, etwa bei der Bildungsregion. "Und atmosphärisch ist das auch sehr gut." Natürlich gebe es noch Ansatzpunkte für mehr Kooperation. "Beim Tourismus könnten wir das noch ein bisschen verstärken." Beim Regionalmanagement sei noch einiges offen. Da setze Amberg verständlicherweise auf die "funktionierende Einheit Gewerbebau".

Eine Chance, die Zusammenarbeit zu vertiefen, seien ferner gemeinsame Gewerbegebiete von Amberg und seinen Umland-Gemeinden. Dass dadurch Hader entsteht und das Verhältnis zur Stadt trüben könnte, befürchtet Reisinger nicht: "Mit Amberg ist das unkompliziert." (ll)
Weitere Beiträge zu den Themen: Landrat Richard Reisinger (67)Jahresgespräch (3)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.