Landratsamt mietet Immobilie der Katholischen Waisenhausstiftung
Ferienheim für Flüchtlinge

Ein Anblick, den viele Landkreisbürger von Jugendfreizeiten her kennen: der Eingangsbereich des Ferienheims der Katholischen Waisenhausstiftung in Ammerthal. Bild: Hartl
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
23.02.2016
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Nein, das Landratsamt denkt nicht um. Es ist den Verantwortlichen dort immer noch am liebsten, wenn sie Flüchtlinge dezentral unterbringen können. Dass jetzt 25 Asylbewerber ins Ferienheim der Katholischen Waisenhausstiftung in Ammerthal einziehen, ist aber ein Zeichen.

Amberg-Sulzbach/Ammerthal. Wofür, das erläutert Harald Herrle als persönlicher Referent von Landrat Richard Reisinger und Sprecher des Amtes: "Es wird zunehmend schwieriger, privaten Wohnraum anzumieten." An die 1200 Asylbewerber sind inzwischen im Landkreis untergebracht (inklusive Bewohnern der Notunterkunft in Sulzbach-Rosenberg und der Einrichtungen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge). Rund 1000 davon leben in Mietwohnungen. Schon klar, dass der Markt da langsam gesättigt ist.

Deshalb griff der Landkreis gerne zu, als sich die Gelegenheit bot, das Ferienheim der Katholischen Waisenhausstiftung in Ammerthal anzumieten. Vorher fanden hier regelmäßig Jugendfreizeiten statt, jetzt sollen im März rund 25 Flüchtlinge dort einziehen. Der Mietvertrag läuft bis zum 30. September 2017. Noch sind in dem Haus die Handwerker tätig, weil (wie bei fast allen vom Landkreis zu diesem Zweck angemieteten Objekten) beim Brandschutz nachgebessert werden musste.

Es wird zunehmend schwieriger, privaten Wohnraum anzumieten.Harald Herrle

In diesem speziellen Fall wirkt es vielleicht etwas sonderbar, dass der bauliche Zustand des Ferienheims für Jugendfreizeiten völlig okay war, aber bei einer Unterbringung von Asylbewerbern neue Brandschutzvorkehrungen getroffen werden müssen.

Keine schärferen Regeln


"Es gibt wegen der Flüchtlingsthematik keine schärferen Brandschutzvorschriften", erläutert Harald Herrle dazu. Die kleineren Umbauarbeiten seien vielmehr deshalb notwendig geworden, weil jetzt einige Räume anders genutzt würden. Oder ganz konkret: "Wenn aus einem Lager- oder Kellerraum ein Schlaf- oder Wohnzimmer wird, in dem sich dauerhaft Leute aufhalten, dann muss man daraus im Sinne des Brandschutzes besser und schneller flüchten können." Diese Arbeiten sollen laut Herrle bis Ende Februar abgeschlossen sein.

Welche Flüchtlinge nach Ammerthal kommen, kann das Landratsamt noch nicht sagen. "Die Zuweisung erfolgt durch die Regierung der Oberpfalz", informiert Herrle. Auch die Frage, wie sie betreut werden sollen, ist noch offen. In Ammerthal gibt es eine aktive Gruppe Ehrenamtlicher, die sich um die gut 20 Asylbewerber kümmert, die bereits in der Gemeinde leben. "Die Betreuung kann aber auch vom Asylsozialdienst der Diakonie oder Ähnlichem erfolgen", verweist Herrle auf Alternativen.

68 FehlbelegerIm Landkreis gibt es derzeit 68 "Fehlbeleger". Das sind knapp sieben Prozent aller hier lebenden Asylbewerber. Diese Quote liegt minimal unter dem gesamtbayerischen Wert. Als Anteil an der Zahl der anerkannten Asylbewerber liegt diese Rate wesentlich höher. Denn im Jahr 2015 gab es im Landkreis 111 Anerkennungen, im Jahr 2016 bis Anfang Februar 7.

Die Zahl der Fehlbeleger steigt, denn ein Asylbewerber wird in dem Moment zum Fehlbeleger, in dem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seinen Asylantrag genehmigt. Er ist jetzt kein Bewerber mehr, sondern ein anerkannter Flüchtling und müsste deshalb aus der für Asylbewerber bestimmten Unterkunft ausziehen. Allerdings können das die wenigsten, da sie keine andere Wohnung finden.

"Das geht einfach nicht von heute auf morgen, und wir können die Leute auch nicht einfach auf die Straße setzen", beschreibt Harald Herrle die Überlegungen des Landratsamtes. Alle betreuenden Stellen bemühten sich zwar nach Kräften, die Betroffenen bei der Suche nach einer Wohnung und einem Job zu unterstützen. "Aber das wird - genau wie die Integrationsarbeit, die noch vor uns liegt - eine Mammutaufgabe", sagt Herrle. (ll)


Der WohnungssucherWer dem Landratsamt eine Wohnung anbieten möchte, die es für die Unterbringung von Asylbewerbern anmieten kann, wendet sich an Georg Jobst vom Sozialamt (09621/39-534). Bevor ein Vertrag zustande kommt, besichtigen die Experten des Amtes erst einmal das Objekt, vor allem im Hinblick auf die strengen Brandschutz-Vorschriften. Notfalls muss hier nachgebessert werden, ehe Flüchtlinge einquartiert werden können. (ll)
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