Mülltrennung als Thema für Flüchtlinge
Nachhaltig integriert

Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
12.10.2016
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Direkt von der Europäischen Kommission erhält der Landkreis Geld für ein Projekt, das Migranten die Vorteile einer nachhaltigen Lebensweise beibringt. Das Ungewöhnliche daran: Amberg-Sulzbach muss keinen einzigen Cent drauflegen.

Amberg-Sulzbach. Das Integrationsprojekt wird durch das Programm "Erasmus +" gefördert und läuft unter dem Titel "Integration Through Sustainable Lifestyle" ("Integration durch nachhaltige Lebensweise"). Dabei sollen Unterrichtsmaterialien, Leitfäden, Spiele oder Übungen erarbeitet werden, mit denen man in Sprach- und Integrationskursen Nachhaltigkeitsthemen vermittelt.

Den Bedarf dafür schätzt die Verwaltung als groß ein, weil es bisher in den Integrationskursen kein Thema ist, wie man Müll trennt, vermeidet und recycelt oder wie man richtig heizt, lüftet und Wasser oder Strom spart. Dabei erleichtere eine umweltbewusste Lebensweise die Integration in Deutschland ganz erheblich. Die Landkreise Amberg-Sulzbach und Cham sowie Partner aus Italien, Frankreich und Schottland erhalten bei dem Projekt 277 000 Euro. Wie Volkshochschul-Leiter Manfred Lehner erläuterte, kann die VHS Amberg-Sulzbach davon 34 000 Euro für Aufgaben von der Konzepterstellung bis hin zu Dozenten für die Kurse nutzen, 6000 Euro bekommt sie als Verwaltungspauschale. Die 277 000 Euro hörten sich zwar gewaltig an, doch die Summe sei zum einen für zwei Jahre und müsse zum anderen zu einem großen Teil die Transportkosten zwischen den Projektpartnern decken. "Das ist auch ein Stück europäisches interkulturelles Lernen", skizzierte Lehner die Idee dahinter. "Und ein Innovationslabor."

Die VHS wurde laut Lehner für das Projekt ausgewählt, weil sie schon lange Erfahrung mit Nachhaltigkeitsthemen hat. Zudem gewährleistet sie den direkten Draht zu den Integrations- und Sprachkursen. Bei der Koordination ist auch Klimaschutzkoordinatorin Katharina List mit im Boot. Der Landkreis muss für das Projekt kein Personal einstellen, erfuhr Richard Gaßner (SPD) auf Nachfrage. "Erasmus +" setze auf Eigenpersonal, erläuterte Manfred Lehner. In der Beschlussvorlage heißt es, der Landkreis profitiere "nicht zuletzt durch umweltbewussteres, sparsameres Verhalten der Migranten durch finanzielle Einsparungen".

Der Projekttitel "Integration Through Sustainable Lifestyle" bewegte Hans-Jürgen Reitzenstein zum Einwurf, ob man da nicht durch eine Übersetzung für mehr Verständlichkeit sorgen woe. "Zumal ja die Engländer auch bald die EU verlassen werden." Landrat Richard Reisinger als ehemaliger Englischlehrer am HCA wusste, dass der jüngst in den Ruhestand getretene Grund- und Hauptschullehrer Reitzenstein selbst schon Englisch unterrichtet hatte und demzufolge seinen Vorstoß nicht wegen Verständnisproblemen unternahm. Er glaube aber nicht, dass mit dem Brexit die Bedeutung der englischen Sprache in der EU abnehme, meinte Reisinger. "Wir sind verpflichtet, das ganze Projekt in Englisch durchzuführen", erklärte VHS-Leiter Manfred Lehner, warum man für die Sitzungsunterlagen den Originaltitel gewählt hatte. Das betreffe aber nur die Kommunikation zwischen den Akteuren aus mehreren Ländern, nicht die Kurse vor Ort. Den eher theoretischen Erörterungen setzte Reisinger ein Ende, indem er gewohnt pragmatisch zur Abstimmung überleitete: Also, dann nehmen wir das Geld." (ll)

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