Naturschutzverbände wehren sich gegen 60.000-Euro-Vorwurf
"In keinem Fall Geld genommen"

"Die Unterstellung, LBV und BN hätten ihre Position zum Windrad bei Neuzirkendorf von einer Zahlung von jeweils 60 000 Euro durch den Projektplaner beeinflussen lassen, ist absurd und entbehrt jeder Grundlage." Zitat: Andreas von Lindeiner
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
10.06.2016
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Die Aussage eines Sprechers der Interessengemeinschaft Hagenohe, Landesbund für Vogelschutz und Bund Naturschutz bekämen pro Windrad-Standort 60 000 Euro, wollen die beiden Verbände nicht auf sich sitzen lassen. Sie reagieren: Diese Unterstellung sei geradezu absurd.

Amberg-Sulzbach/Neustadt/WN. Wie die Naturschutzverbände in die Planungen von Windkraftanlagen eingebunden sind, erläutert Dr. Andreas von Lindeiner, Referatsleiter Artenschutz beim LBV, in einem Schreiben an die AZ. Der Text sei auch mit dem Landesgeschäftsführer des BN, Peter Rottner, abgestimmt.

Demnach können LBV und BN als gemeinnützige und gemäß Bundesnaturschutzgesetz anerkannte Naturschutzverbände Stellungnahmen zu bestimmten Verfahren abgeben. Von Lindeiner weiter: "Sie tun das regelmäßig auch in Zusammenhang mit Windkraftplanungen. Vielfach werden von Verbandsaktiven vor Ort auch Kenntnisse über windkraftsensible Vogel- und Fledermausarten in die Verfahren eingebracht, um die Planungen gegebenenfalls anzupassen oder - wie schon vielfach geschehen - eine Unverträglichkeit der Windkraftanlagen mit den Vorkommen kollisionsgefährdeter Arten festzustellen und damit die Forderung nach einer Ablehnung des Bauantrages zu begründen."

Klageverfahren würden von den Verbänden nur sehr selten angestrengt, denn die signifikante Erhöhung des Tötungsrisikos und die Grundsätzlichkeit eines Sachverhaltes seien oft schwer zu belegen. "In keinem Fall haben die Naturschutzverbände jedoch Gelder von den Projektplanern oder Betreibern einer Windenergieanlage angenommen." Die für die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes festgelegten Ersatzzahlungen stünden den Landratsämtern für Naturschutzzwecke zur Verfügung und würden zentral vom Bayerischen Naturschutzfonds verwaltet. "Die Vergabe der Gelder untersteht den Landräten."

Von Lindeiner abschließend: "Die Unterstellung, LBV und BN hätten ihre Position zum Windrad bei Neuzirkendorf von einer Zahlung von jeweils 60 000 Euro durch den Projektplaner beeinflussen lassen, ist absurd und entbehrt jeder Grundlage."

Ähnlich äußert sich auf AZ-Nachfrage Toni Frank, Geschäftsführer der Firma Voltgrün, die sowohl das Windrad bei Neuzirkendorf (Landkreis Neustadt/WN) als auch die beiden in nur wenigen Hundert Meter Entfernung auf Auerbacher Gebiet gebaut hat: "Den Vorwurf der Beeinflussung der Verbände weise ich entschieden zurück." In der Praxis setzten sich die Fachgutachter für die Windkraft-Standorte mit LBV und BN in Verbindung, um zu erfahren, welche Kenntnisse zu den fraglichen Arealen dort vorliegen. "Aber es gibt keine Zusammenarbeit darüber hinaus."

Zur Kompensation für den Bau von Windrädern sagt Frank, die müsse man zum einen für den Eingriff ins Landschaftsbild leisten - im Neuzirkendorfer Fall durch die Zahlung von 59 700 Euro an den Bayerischen Naturschutzfonds; bei Auerbach waren es zusammen rund 120 000 Euro. Zudem sei man zu einer Kompensation für den Eingriff in den Naturhaushalt verpflichtet. In Amberg-Sulzbach sei das durch eine Erstaufforstungsmaßnahme bei Kürmreuth geschehen, in Neustadt/WN durch eine Sukzessionsfläche bei Thurndorf - dort entstehe durch extensive Bewirtschaftung eine naturnahe Fläche mit vielen Wald- und Wiesenkräutern - ein idealer Lebensraum für Insekten.

Die Unterstellung, LBV und BN hätten ihre Position zum Windrad bei Neuzirkendorf von einer Zahlung von jeweils 60 000 Euro durch den Projektplaner beeinflussen lassen, ist absurd und entbehrt jeder Grundlage.Andreas von Lindeiner
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