Rabbiner Elias Dray sehr dankbar
Geld aus Berlin für Restaurierung der Torarolle

Von großer Bedeutung für die israelitische Kultusgemeinde Amberg ist die Torarolle, die im Jahre 1792 geschrieben wurde und einst der jüdischen Gemeinde in Sulzbach-Rosenberg gehörte. Nach deren Auflösung kam sie nach Amberg und überstand die NS-Zeit unbeschadet. Dank Bundesmitteln kann die Torarolle jetzt restauriert werden. Bild: Steinbacher
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
13.11.2016
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"Zum Jahrestag des Pogroms in Amberg am 9. November ist das ein sehr positives Signal für die jüdische Gemeinde." Zitat: MdB Barbara Lanzinger

Rabbiner Elias Dray wollte das wertvolle Stück restaurieren lassen, doch die Kosten waren für die israelitische Kultusgemeinde zu hoch. Jetzt gibt es Hoffnung für die Torarolle - dank Geld aus Berlin.

Amberg-Sulzbach. Wie CSU-Bundestagsabgeordnete Barbara Lanzinger in einer Presseerklärung informiert, kann die aus der einstigen jüdischen Gemeinde in Sulzbach-Rosenberg stammende Torarolle mit Bundesmitteln restauriert werden. Darüber freut sich die Politikerin. Dies sei ein Ergebnis der abschließenden Verhandlungen zum Haushalt 2017. "Das ist eine Erfolgsmeldung für die jüdische Gemeinde in Amberg und ganz Bayern", erklärte Lanzinger. Insgesamt habe der Bund bis zu 45 000 Euro für das Vorhaben in Aussicht gestellt.

Mehrere Gespräche


Lanzinger hatte sich im Bundestag für die Finanzierung der Restaurierung eingesetzt. In mehreren Schreiben und Gesprächen habe sie seit April auf die Bedeutung dieser Torarolle aufmerksam gemacht. Ihr Dank gilt ihren Bundestagskollegen Eckhardt Rehberg und Bartholomäus Kalb für deren "großartige Unterstützung im Haushaltsausschuss".

Ursprünglich hatte Elias Dray, Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg, geplant, das geschichtsträchtige Schriftstück restaurieren zu lassen. Dies wäre allerdings zu teuer gewesen, die Gemeinde hätte die Mittel dafür nicht aufbringen können. Nun könne mit Hilfe von Haushaltsmitteln dieses herausragende Geschichtsdokument durch die Restaurierung in Zukunft wieder gelesen werden, sagte Lanzinger. "Zum Jahrestag des Pogroms in Amberg am 9. November ist das ein sehr positives Signal für die jüdische Gemeinde", unterstrich sie.

"Wir sind sehr, sehr dankbar und glücklich", sagte Rabbiner Elias Dray auf Nachfrage der AZ, als er die frohe Botschaft vernahm, dass der Bund die Restaurierung der Torarolle unterstützt. "Das sind wirklich gute Nachrichten", freute er sich nicht nur persönlich, sondern auch namens der israelitischen Kultusgemeinde in Amberg. Er bezeichnet die Torarolle als "historisches Gut mit einer großen geschichtlichen Bedeutung".

Ein erster Schritt wird sein, dass ein Toraschreiber, auch Sofer genannt, aus Israel kommt und das wertvolle Stück begutachtet. Die Restaurierung selbst wird im Heiligen Land erfolgen. Rabbiner Elias Dray verspricht, dass die Torarolle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird - sie ist jetzt schon in einer speziellen Vitrine in der alten Sulzbacher Synagoge ausgestellt.

Bedeutsames KulturgutDie wertvolle Torarolle wurde 1792 für die damalige Synagoge in Sulzbach angefertigt und zählt zu den ältesten in Süddeutschland. Zwei große Unglücke hat das historische Kulturgut im Laufe der Jahrhunderte überlebt: Zunächst den Stadtbrand in Sulzbach im Jahre 1822, dem auch die Synagoge zum Opfer gefallen ist, und die Beschädigung in der Nazi-Zeit während des Pogroms am 9. November 1938 in der Synagoge Amberg. Dorthin war die Torarolle 1934 gebracht worden, nachdem die jüdische Gemeinde in Sulzbach aufgelöst worden war. Die Tora, auch Pentateuch genannt, beinhaltet die fünf Bücher Mose. Sie wird vom Sofer mit Gänsekiel und Tinte auf endlos zusammengenähtem Pergament, der Haut eines koscheren Tieres, geschrieben. Gelesen wird aus der Tora samstags, montags und donnerstags sowie an hohen Feiertagen, erklärt der Amberger Rabbiner Elias Dray. (san)


Zum Jahrestag des Pogroms in Amberg am 9. November ist das ein sehr positives Signal für die jüdische Gemeinde.MdB Barbara Lanzinger
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