Umweltausschuss nimmt ÖDP-Antrag an
Landkreis will pestizidfrei sein

Eine Ökomodellregion, die sich nicht mit dieser Frage befasst, verdient ihren Namen nicht.
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
09.03.2016
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Amberg-Sulzbach. "Der Landkreis verzichtet grundsätzlich auf allen landkreiseigenen Flächen auf den Einsatz von Pestiziden." Die Kreisräte waren sich einig über diesen Antrag der ÖDP, der am Mittwoch im Umweltausschuss behandelt wurde. Doch die Experten wären sich beinahe in die Haare geraten. Dr. Martin Pöllath sorgte schließlich in dem Streit um Worte mit einem kleinen Lateinkurs für Entspannung.

Die jüngste Diskussion um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat war Auslöser für den Antrag, wie Michael Birner (ÖDP) erläuterte. Doch könnten auch andere, weniger erforschte Mittel "verheerende Auswirkungen" haben. "Auf der sicheren Seite ist man nur bei einem gänzlichen Verzicht auf alle Pestizide." Damit wäre der Landkreis auch Vorbild für die Bürger. "Eine Ökomodellregion, die sich nicht mit dieser Frage befasst, verdient ihren Namen nicht", meinte Birner und betonte: "Die konventionelle Landwirtschaft ist nicht schuld an dieser Misere."

Auch auf Pachtflächen


Das wies auf einen speziellen Aspekt des Antrags hin: Der Landkreis solle beim Pestizid-Verzicht nicht nur darauf hinwirken, dass private Dienstleister, die er mit der Pflege seiner Flächen betraut, sich daran halten, sondern auch "bei der Neufassung von Pachtverträgen für landkreiseigene Flächen". Das betrifft acht Hektar Ackerland und vier Hektar Grünland, die der Landkreis verpachtet. Karl Trummer (CSU), selbst seit 20 Jahren Ökobauer, war nicht glücklich damit, dass man auf diese Weise Druck auf seine konventionell wirtschaftenden Berufskollegen ausübe. "Ich will nicht anderen was drüberstülpen", sagte er. Das gute Vorbild wirke oft besser als diese Methode.

Von den geladenen Fachleuten wies Thomas Bayerl, der Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes, darauf hin, dass die Landwirte nur zugelassene Pflanzenschutzmittel verwendeten. Entscheidend sei dabei, dass sie keine schädlichen Wirkungen für Mensch und Tier hätten. Richard Schecklmann vom Forstbereich des Landwirtschaftsamtes wollte nicht ausschließen, dass man bei einer Borkenkäferplage und längeren Liegezeiten im Wald das Holz spritzen müsse, um die Ausbreitung des Schädlings einzudämmen. "Mit mechanischen Methoden ist das nicht machbar." Wolfgang Wittmann, Schecklmanns Kollege aus dem Landwirtschafts-Bereich, sah kritisch, dass der Beschluss wegen der Verpachtung Druck auf konventionell arbeitende Landwirte aufbaue. Man habe in Deutschland Nahrungsmittel in bester Qualität, "und das ist auch ein Verdienst der konventionellen Landwirtschaft".

"Es tötet Pflanzen"


Eine Diskussion gab es um den Vorschlag von Franz Birkl (CSU), im Antrag das Wort "Pestizide" durch "Pflanzenschutzmittel" zu ersetzen. Das vielzitierte Glyphosat sei geradezu das Gegenteil eines Pflanzenschutzmittels, meinte Barbara Ströll dazu, die Projektmanagerin der Ökomodellregion. Es sei ein Totalherbizid, das, wie der lateinische Name schon sage, Pflanzen töte. Mit dieser Definition mochte sich Wolfgang Wittmann überhaupt nicht anfreunden, doch Dr. Martin Pöllath (FWS/FDP) packte seine Lateinkenntnisse aus und erklärte, dass Pestizid ("Seuchenbekämpfer") ohnehin der richtige Oberbegriff sei.

Die Kreisräte stimmten dem Antrag in der ursprünglichen Form einmütig zu, nachdem sie erfahren hatten, dass auch die Juristen des Landratsamtes diese Formulierung guthießen und dass das Wort "grundsätzlich" Spielraum lässt, um notfalls gegen problematische Neophyten (eingewanderte Arten wie zum Beispiel der Riesenbärenklau) doch mit Pestiziden vorzugehen.
Eine Ökomodellregion, die sich nicht mit dieser Frage befasst, verdient ihren Namen nicht.Michael Birner (ÖDP)


Zitate"Als Landwirt ohne Pestizide arbeiten - ich weiß, wie das geht, ich mache es seit 20 Jahren selbst. Es ist nicht einfach, sonst würden es schon mehr machen."

Karl Trummer (CSU), Biobauer

"Wir allein werden das Weltklima nicht retten, aber wir müssen Vorreiter sein."

Alfons Lobinger (ÖDP)

"Das ist etwas, wo man sich als Kommunalpolitiker einmischen muss."

Richard Gaßner (SPD)

"Der Beschluss ist auch mit Blick auf das Trinkwasser richtig."

Albert Geitner (FW)

"Es ist Zeit für diesen Schritt."

Yvonne Rösel (Grüne)

"Wir stehen dem Ökolandbau auch positiv gegenüber, aber die Förderung sollte eher durch den Verbraucher kommen als durch Druck von oben."

Wolfgang Wittmann, AELF

"Im gärtnerischen Bereich wird an Totalherbiziden total viel eingesetzt."

Barbara Ströll, Projektmanagerin der Ökomodellregion Amberg/Amberg-Sulzbach

"Wir versuchen bei uns, die Bekämpfung von Neophyten mechanisch zu machen. Es geht. Wir können unsere Erfahrung an die Kommunen weitergeben."

Richard Lehmeier, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes
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