Wahl des Bundespräsidenten: Was die Freien Wähler über ihren Kandidaten sagen
Gespannt auf Alexander Hold

Der Jurist und Fernseh-Richter Alexander Hold: Er geht am 12. Februar bei der Bundesversammlung in Berlin als Kandidat der Freien Wähler ins Rennen. Gegen den favorisierten Frank-Walter Steinmeier von der SPD wird er dort allerdings einen schweren Stand haben. Bild: dpa
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
11.01.2017
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FW-Kreisvorsitzender Albert Geitner Bilder: Huber (3)/Hartl (2)

Am 17. März wird Joachim Gauck aus Schloss Bellevue ausziehen. An diesem Tag endet die Amtszeit des Bundespräsidenten. Auf der Suche nach dem Nachfolger des 76-Jährigen hat TV-Richter Alexander Hold seinen Hut für die Freien Wähler (FW) in den Ring geworfen. Was führende FW-Vertreter aus dem Landkreis davon halten, sagten sie unserer Zeitung.

Amberg-Sulzbach. Vorneweg - persönlich hat von den Befragten noch niemand Kontakt zu dem Fernsehstar gehabt. Dennoch haben den studierten Juristen zwischen 2001 und 2012 Millionen bei der Gerichtsshow "Richter Alexander Hold" in 2040 Folgen über die Bildschirme flimmern sehen. Der 54-Jährige kann aber auch auf eine kurze Laufbahn als Staatsanwalt in seiner Heimatstadt Kempten, damals unter anderem zuständig für Organisierte Kriminalität, Drogendelikte, Schleuserei, Zuhälterei, Menschenhandel und Glücksspiel, sowie auf eine solche als Richter in verschiedenen Positionen zurückblicken. Nach seiner Auszeit als Schauspieler kann er wieder in den Justizdienst zurückkehren, sicherte ihm das zuständige Ministerium in München zu.

Vorerst jedoch hat der Reserveoffizier und Vater zweier Kinder, der seit 2008 für die Freien Wähler im Stadtrat von Kempten sitzt und dort seit 2014 das Amt des Fraktionsvorsitzenden bekleidet, seinen Blick auf den 12. Februar gerichtet. Dann werden in Berlin 1060 Wahlfrauen und -männer sich zur Bundesversammlung zusammenzufinden und das Staatsoberhaupt küren.

Ehrengast in Parkstein


Im Vorfeld dieser Veranstaltung will sich Hold insbesondere vor seinem eigenen Anhang zeigen. Deshalb wird er am Montag, 19. Januar, in Parkstein (Kreis Neustadt/WN) Ehrengast sein, wenn der FW-Bezirksverband ab 19 Uhr in den Festsaal des dortigen Vulkanmuseums zum Neujahrsempfang einlädt.

Mit von der Partie möchte an diesem Abend auf jeden Fall Albert Geitner (Ursensollen), FW-Kreisvorsitzender für Amberg-Sulzbach, sein: "Ich bin gespannt auf diesen Empfang und lasse mich überraschen", bekannte er, aber auch: "Ich habe mir davor darüber noch keine Gedanken gemacht." Im Sinne der Demokratie - und zwar nicht nach Pekinger oder Moskauer Lesart - sei eine solche Kandidatur schon wichtig und bedeutsam.

Ein Stück Flagge


Ähnlich sieht dies Ursensollens Bürgermeister Franz Mädler, der es als positiv bewertet, wenn sich überhaupt Bewerber um Ämter finden. Auf Holds TV-Karriere angesprochen machte er kurz nach seinem 64. Geburtstag deutlich: "Ich selbst kenne solche Serien nicht." Politisch gesehen indes sei es nicht falsch, wenn die Freien Wähler auf diese Weise mit der Kandidatur Holds Flagge zeigten.

Gespannt darauf, den Promi kennenzulernen, ist auch Ammerthals Bürgermeisterin Alexandra Sitter. Unmittelbar nach Rückkehr aus ihrem Weihnachtsurlaub erinnerte sie sich an ein Interview mit Hold, das sie im Fernsehen verfolgt habe: "Darin hat er sich als Mensch mit ausgezeichnetem Rechtsempfinden dargestellt, aber auch als sympathisch." Dass er sich gegen Steinmeier schwer tun werde, sei verständlich. Wenig später legte sie schmunzelnd nach: "Wunder gibt es in der Politik immer wieder, ... siehe die ehemalige CSU-Hochburg Ammerthal...."

Keine Vermessenheit


Ein solches erwartet Bürgermeister Peter Dotzler (Gebenbach), der bedauerte, aus terminlichen Gründen nicht in Parkstein sein zu können. An Hold schätzt er, dass dieser nicht nur im Schauspielbereich, sondern auch in der Politik und im öffentlichen Leben aktiv ist. Ebenfalls nicht am Neujahrsempfang teilnehmen kann Joachim Neuß, Bürgermeister von Auerbach. Wenn er selbst Hold als geeigneten Kandidaten bezeichne, dann habe das nichts mit Vermessenheit seitens der Freien Wähler zu tun, sondern damit, dass mit der Kandidatur demokratischen Willen bekundet werde.

Vilsecks Bürgermeister Hans-Martin Schertl schließlich schätzt die Bewerbung positiv ein: "Das ist für mich eine Option gegen das Parteiengeklüngel der Großen." Außerdem könnten die Freien Wähler damit bundesweit bekannter werden und eigenes Profil zeigen. Er selbst freue sich darauf, Alexander Hold am Montag kennenzulernen.
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