Zweckverband Müllverwertung Schwandorf stellt sich im Kreistag Amberg-Sulzbach vor
Wo Müll zu Geld wird

"Konventionell erzeugter Strom ist im Prinzip nichts mehr wert." Zitat: Thomas Knoll
Politik
Kreis Amberg-Sulzbach
22.07.2016
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Als "Müllkaiser" kündigte ihn Landrat Richard Reisinger dem Kreistag an. Zumindest ein eindrucksvolles "Herrschaftsgebiet" konnte Thomas Knoll, der Geschäftsleiter des Zweckverbandes Müllverwertung Schwandorf (ZMS), dann vorweisen. Aber auch einige Probleme.

Amberg-Sulzbach. Die Höhe der Müllgebühren ist derzeit eines der kleineren. Obwohl sie für einige Kommunalpolitiker "so etwas sind wie früher der Bierpreis" - man könne sich ständig drüber aufregen. Bei Knoll kommt so etwas immer mit dem Faktor 17 multipliziert an, denn so viele Landkreise und kreisfreie Städte umfasst sein Verbandsgebiet, das über die Oberpfalz hinaus in Teile von Niederbayern und Oberfranken reicht.

Der ZMS als einer der größten Müll-Zweckverbände Deutschlands ist zuständig für ein Fünftel der Fläche Bayerns und ein Siebtel der Bevölkerung des Freistaats. Der Landkreis Amberg-Sulzbach ist als Gründungsmitglied seit 1979 dabei.

Der ZMS organisiert mit 230 Mitarbeitern den Transport von 1500 Tonnen Müll am Tag (bevorzugt auf der Schiene), betreibt ein Müllheizkraftwerk bei Schwandorf und für die Rückstände eine Deponie. Die Energie aus der Verbrennung wird als Dampf, Fernwärme und Strom vermarktet.

Sichtlich stolz war Knoll auf die Leistungsfähigkeit seiner Müllverbrennungsanlage, die seit 30 Jahren läuft - "rund um die Uhr, ohne Unterbrechung". "Wir haben mehr Müll, als wir verbrennen können", nannte Knoll einen der Gründe für den ständigen Volllastbetrieb, in dem auch Umbauten erledigt werden müssen. Die 433 000 Tonnen, die die Anlage 2015 verbrannte, entsprechen dem Heizwert von 137 Millionen Liter Heizöl, "denn Müll hat ungefähr den Heizwert von Braunkohle". Dieser Faktor sei in den letzten Jahren sogar ständig angewachsen, weil über abgetrennte Sammlungen so viele einzelne Fraktionen rausgelöst wurden, die eine geringeren Heizwert hatten. Für die Anlage werde es dadurch nicht einfacher.

Keine höheren Gebühren


Als aktuelle Herausforderungen des ZMS nannte Knoll zum einen die Energiewende und ihre finanziell gravierendste Folge: "Konventionell erzeugter Strom ist im Prinzip nichts mehr wert." Was man aber nicht auf der Energieschiene erlösen könne, müsse man beim Verbrennungspreis ansetzen, was zu einer höheren Verbandsumlage führe. Auf Nachfrage von Reisinger konnte Knoll aber für die nächste Zukunft Entwarnung geben: "Die 115 Euro - plus minus ein paar Euro - wollen wir jetzt erst einmal halten." Zum anderen komme auch der ZMS nicht am Problem der Netzstabilität vorbei. Oder konkret: "Bevor das Netz kollabiert, werden wir die Anlage vom Netz trennen."

Neue Projekte sind laut Knoll die Klärschlammverbrennung (organisiert über einen eigenen Zweckverband) und eine Müll-Sortieranlage. Deren Hintergrund: Da in Deutschland alle Müllverbrennungsanlagen an der äußersten Kapazitätsgrenze laufen, kann der ZMS seine überzählige Müllmenge nicht woanders verbrennen lassen. Er bereitet deshalb Sperr- und Gewerbemüll stärker auf, so dass die verbleibende Masse einen kleineren Heizwert hat, was einen höheren Durchsatz bei der Verbrennung ermöglicht.

Macht die Anlage kaputt


Knoll schloss mit den gefürchteten Abfall-"Fehlwürfen", die sogar die ganze Verbrennungsanlage gefährden können:

jegliche Art von Sprengstoff. In diese Kategorie zählen auch die gefüllten Sauerstoffflaschen, die man einmal kurz vor der Explosion aus dem Ofen habe entfernen können.

Lithium-Ionen-Batterien. Die brennen leicht, schnell und stark. Man kann sie zudem nicht mit Wasser löschen.

glimmende Asche aus Privathaushalten, ob sie nun vom Grill stammt oder aus dem Kachelofen. "Jedes Jahr brennt ein Müllauto eines unserer Verbandsmitglieder aus", verdeutlichte Knoll diese Gefahr, vor der auch die ganze große Müllverbrennungsanlage nicht sicher sei.

Konventionell erzeugter Strom ist im Prinzip nichts mehr wert.Thomas Knoll
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