21-Jähriger muss für vier Wochen in Jugendarrest
Polizist zehn Meter mitgeschleift

Die Lage war hochgefährlich. Als Besucher der Kirwa in Traßlberg einen jungen Mann stoppen wollten, der total betrunken mit seinem Auto wegfuhr, gab der 21-Jährige Gas. Dabei geriet ein 34-Jähriger in eine bedrohliche Situation.

Amberg-Sulzbach. Er hatte über zwei Promille. Einige Bier, etliche Whisky mit Cola, 70 Euro Zeche. Gegen 2 Uhr morgens in einer Augustnacht vergangenen Jahres will dann ein Besucher der Traßlberger Kirchweih vernommen haben, wie der 21-Jährige sinngemäß sagte, er werde jetzt zu einem Fast-Food-Lokal in Amberg aufbrechen.

Der nun auf der Anklagebank sitzende junge Mann stellte das in Abrede. "Ich wollte lediglich mein Auto umparken." Er setzte sich damals ans Steuer und fuhr mitten hinein in den für die Feierlichkeiten abgesperrten Bereich. Das bemerkten mehrere Leute und sie wussten: "Der hatte getrunken." Also wurde der Pkw aufgehalten und der Fahrer ermahnt, die Schlüssel herauszugeben. Doch der Auszubildende aus Sulzbach-Rosenberg ließ sich nicht belehren. Da trat ein Polizeibeamter, der sich während seiner Freizeit dort aufhielt, an den Wagen heran. Was dann passierte, war abenteuerlich.

Zündschlüssel ziehen


Der 34-Jährige griff beidhändig durch die geöffnete Scheibe der Fahrertür. Mit der rechten Hand langte er zum Kopf des 21-Jährigen ("Wie man es in der Polizeiausbildung lernt"), mit der linken wollte er den Zündschlüssel ziehen. Als das geschah, gab der am Steuer sitzende Lehrling plötzlich Gas und brauste davon. Ein paar Schritte weit spurtete der mit einem seiner Arme eingeklemmte Polizist neben dem Pkw her, dann wurde er regelrecht mitgeschleift. Über zehn Meter weit. "Ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr", wie jetzt Staatsanwalt Holger Vogl beim Prozess vor dem Jugendschöffengericht feststellte.

Der Polizist kam mit vergleichsweise leichten Blessuren davon. Er erlitt Blutergüsse und eine Zerrung. Den 21-Jährigen kümmerte das nicht. Er setzte seine Tour fort, wich Bierbänken aus, touchierte mit dem Auto einen Bauzaun und blieb ein paar Hundert Meter weiter stehen. Am Straßenrand stellte er seinen Pkw ab, stieg aus und kehrte zum Festgelände zurück. Dort wurde er sehr rasch beobachtet und so lange festgehalten, bis alarmierte Funkstreifenbeamte aus Amberg eintrafen.

Vorher soll noch der Satz gefallen sein: "Das war mein Zwillingsbruder". Auch das stellte der 21-Jährige in Abrede. "Ich habe keinen Zwillingsbruder."

Nach Jugendstrafrecht


Nach nahezu vierstündiger Verhandlung forderte der Staatsanwalt eine Verurteilung nach dem Erwachsenenstrafrecht. Er beantragte gegen den bisher nicht vorbestraften jungen Mann sieben Monate Haft mit Bewährung, 1000 Euro Geldauflage und ein Jahr Führerscheinsperre. Verteidiger Dr. Maximilian Erras stellte die Höhe der Ahndung zwar in das Ermessen der Richter, verlangte allerdings ein Vorgehen nach dem Jugendstrafrecht.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Peter Jung schickte den 21-Jährigen für vier Wochen in den Jugendarrest. Er muss 1000 Euro an die Kriegsgräberhilfe zahlen und bekam ein Jahr Führerscheinsperre. Im Ohr blieb, was Staatsanwalt Vogl während des Prozesses sagte: "Da hätte wer weiß was passieren können."
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