28-jährige Asiatin erlebt Martyrium mit deutschem Ehemann
Schläge, Tritte und Drohungen

Sie hatten sich in Asien kennengelernt. Die Frau wurde schwanger, heiratete den Oberpfälzer und folgte ihm nach Deutschland. Was sich hier schon in den ersten Tagen für die 28-Jährige vollzog, kam völlig unerwartet: Es setzte Schläge, Tritte und Drohungen.

Amberg-Sulzbach. Zwei Verhandlungstage lang beschäftigte sich Amtsrichterin Sonja Tofolini intensiv mit dem ungewöhnlichen Fall. Sie ermittelte nach allen Seiten, prüfte, ob die Asiatin womöglich etwas erfand, um in Deutschland dauerhaftes Bleiberecht zu erhalten. Doch das war falsch. Die 28-Jährige hatte die vor der Polizei, einem Ermittlungsrichter und jetzt vorm Amtsgericht geschilderte Geschichte nicht vorgegaukelt.

Die beiden jungen Leute hatten sich in Asien kennengelernt. Ein Kind kam zur Welt. Sie heirateten. Im Frühjahr 2015 folgte die Frau ihrem Mann in die Bundesrepublik und zog in dessen Wohnung im Landkreis. Dort begann schon nach zwei Wochen ein Martyrium. Es wurde, wie sich beim Prozess ergab, hauptsächlich durch Bierkonsum ausgelöst. Der 33-Jährige zeigte sich plötzlich von einer neuen Seite: Er schlug zu, trat nach seiner Frau, griff zu einem Messer und drohte damit. "Ich bin nicht hierher gekommen, um misshandelt zu werden", hatte die Asiatin am ersten Prozesstag geäußert.

Der Angeklagte bestritt die massiven Vorwürfe zunächst: "Das hat so nicht stattgefunden.". Doch die Richterin ließ nicht locker. Sie hörte von der 28-Jährigen, dass ihr Mann nach den körperlichen Übergriffen per SMS entschuldigende Botschaften schickte. Darin stand: "Ich habe dich verletzt. Es tut mir leid." Diese Nachricht hatte das Opfer nach dem ersten Verhandlungstag der Richterin übermittelt. Danach bestand kein Zweifel mehr, dass alles so war, wie es Staatsanwältin Dr. Isabel Rupprecht in der Anklageschrift vorgetragen hatte. Unter dem Druck der Beweislast räumte der 33-Jährige beim Fortsetzungstermin ein: "Ja, es war so." Ein Geständnis also, das seine Lage verbesserte. Außer einer Trunkenheitsfahrt hatte er keine Vorstrafen. Von daher beantragte die Staatsanwältin neun Monate Haft mit Bewährung und verlangte neben 500 Euro Geldauflage auch, dass der Mann sich in eine Suchtberatung für Alkoholabhängige zu begeben habe.

"Hier prallten zwei Welten aufeinander", beschrieb Verteidiger Marc Steinsdörfer (Weiden) die Situation. "Für ihn kehrte plötzlich Alltag ein, der finanziell nicht rosig aussah. Und für sie wurde vieles nicht wahr, was sie sich von einem Schlaraffenland erhofft hatte." Daraus seien Konflikte entstanden, noch heftiger entfacht durch den Alkohol. Auf einen Strafantrag verzichtete der Anwalt. Tofolini verhängte sieben Monate mit Bewährung und 500 Euro Geldauflage. Sie schickte den 33-Jährigen zur Drogenberatung und bilanzierte: "Das Leben in dieser Wohnung lief völlig aus dem Ruder".
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