AELF-Leiter Willibald Götz geht in den Ruhestand
Lieber mit Enkeln spielen als über den Fernsehkoch ärgern

Ein wenig strahlt Willibald Götz schon die Vorfreude auf den Ruhestand aus. Bild: Hartl

Willibald Götz hat derzeit etwas von einem Phantom. Eigentlich ist er als Leiter des Amberger Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ja schon Ende Januar in den Ruhestand gegangen. Aber er taucht immer noch regelmäßig in seinem Büro auf.

So nahtlos geht das eben nicht mit dem Übergang in den Ruhestand, zumal auch erst am Freitag, 19. Februar, die offizielle Verabschiedung von Götz und gleichzeitig die Amtseinführung seines Nachfolgers Wolfhard-Rüdiger Wicht ansteht. Auch für ein Interview mit der AZ nahm sich der 65-Jährige im Vorfeld noch Zeit.



Herr Götz, Sie waren jetzt etwas über 40 Jahre in der Landwirtschaftsverwaltung. Worauf blicken Sie da besonders gerne zurück?

Götz: Eigentlich auf fast alles, aber wenn ich etwas herausgreifen wollte, dann Folgendes: Den Unterricht habe ich immer sehr gerne gemacht, sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Hauswirtschaft. Ich habe versucht, den jungen Leuten das Rüstzeug für eine gute Betriebsführung mitzugeben, das Verständnis, dass die Kosten ein ganz wichtiges Moment sind.

Und sonst?

Götz: Die 25 Jahre im Meisterprüfungsausschuss Oberpfalz waren auch sehr interessant, weil man da viel Einblick in die Betriebe bekam. Und es war mir immer ein Anliegen, bei Nebenerwerbslandwirten - das sind ja bei uns im Landkreis 70 Prozent - Fortbildungskurse anzubieten, die zum Berufsabschluss führten. Das ist in unserer Zeit schon wichtig, weil heutzutage viele Leute mitreden und meinen, sie wüssten, wie Landwirtschaft geht. In anderen Branchen ist das interessanterweise nicht so zu beobachten.

Haben Sie da jemand Bestimmten im Auge?

Götz: Zum Beispiel Fernsehkoch Tim Mälzer. Der hat jetzt in einer Sendung wieder erzählt, wie Tierhaltung zu sein hat. Wie würde der wohl reagieren, wenn eine Bäuerin ihm erklären würde, wie man richtig kocht?

Mit einer kritischen Sicht der Öffentlichkeit muss die Landwirtschaft ja schon länger kämpfen.

Götz: Seit etwa 20 Jahren, ja. Da wurden Dinge infrage gestellt, die die Landwirte in ihrer Ausbildung so gelernt haben. So laufen in der Landwirtschaft bei der Produktion einfach viele natürliche chemische Vorgänge ab. Eine Pflanze wächst durch die Nährstoffe, die ihr zur Verfügung gestellt werden. Bei der Ernte werden diese abgefahren und deshalb müssen sie wieder in entsprechender Weise zugeführt werden. Wer einen Garten hat, weiß auch, dass man düngen muss.

Woran liegt diese Anti-Haltung?

Götz: An mangelhaftem Wissen der Bevölkerung unter Einflussnahme bestimmter Medien und zum Teil schon auch an der Landwirtschaft. Die hätte vielleicht mehr von sich aus informieren müssen. Aber man hat hier immer stärker auf die Reaktionskarte gesetzt als auf die Aktionskarte. Dabei ist zum Beispiel Pflanzenschutz heute wesentlich ungiftiger als früher. Man muss diese Zusammenhänge bloß auch darstellen und dabei auch Emotionen zeigen. Das Besondere an der Landwirtschaft ist ja, dass sie in der Öffentlichkeit stattfindet und nicht hinter verschlossenen Türen.

Die Landwirte haben derzeit wieder viele Gründe zur Klage. Was empfehlen Sie denn einem jungen Mann, der fragt, ob er den Hof seiner Eltern übernehmen soll?

Götz: Ich würde ihn zuerst fragen, was da seine Motivation ist, warum er den Betrieb übernehmen möchte. Und er muss sich darüber im Klaren sein, dass der Beruf Landwirt sehr hohe Anforderungen stellt, mittlerweile sehr viel zu dokumentieren ist, dass er mit kaum zu beeinflussenden Faktoren wie der Witterung und der Preissituation und deren ständigem Auf und Ab zurechtkommen muss. Dass er als Landwirt immer von allen Seiten kritisch beäugt wird. Der große Vorteil ist natürlich, dass man einen sehr vielseitigen Beruf hat. Wo habe ich sonst eine Tätigkeit mit so breiter Verantwortung? In anderen Berufen ist doch schon längst eine starke Spezialisierung eingetreten. Und dann ist der zweite besondere Aspekt des Berufes, dass man es mit Lebewesen zu tun hat, bei Pflanzen wie bei Tieren. Das zieht eine besondere Verantwortung nach sich, und deshalb ist eine sehr gute und umfangreiche Ausbildung notwendig.

Was heißt das für den jungen Mann, der vor der Frage steht, ob er Landwirt werden soll?

Götz: Er muss sich darüber im Klaren sein, dass er seinen Betrieb dem Markt stellen muss. Und dass er ihn dabei an verschiedenen Zielen ausrichten kann.

Nämlich?

Götz: Er kann sagen: Ich produziere für die Masse. Dann hat er aber keinen Einfluss auf den Preis, er hat nur die Kostenseite im Griff. Das ist wie bei einem Zulieferbetrieb im Automobilbereich: Der hat auch keinen Gestaltungsspielraum beim Preis für seine Produkte.

Was wären die Alternativen?

Götz: Zum Beispiel eine ökologische Ausrichtung. Da kann ich einen höheren Preis pro Produkteinheit erzielen und entsprechend mit einer geringeren Betriebsgröße zurechtkommen, speziell bei der Tierhaltung, oder ich muss halt was Besonderes produzieren, etwas von sehr hoher Qualität. Wenn ich etwas habe, das sonst keiner hat, dann kann ich auch den Preis bestimmen. Diese Ausrichtung ist aber nicht für jeden Betrieb möglich.

Ein dritte Möglichkeit wäre, dass ich bei meiner bisherigen Produktion bleibe und zusätzlich in der Weiterverarbeitung tätig werde und etwa selbst vermarkte. Ich kann zum Beispiel aus Milch einen besonderen Käse machen. Das ist zwar auch nur etwas für wenige, aber die tragen schon nicht mehr zur weiteren Belastung des klassischen Marktes bei.

Und eine vierte Idee: sich einen Haupterwerb außerhalb der Landwirtschaft suchen und die im Nebenerwerb weiterbetreiben. Dann ist man dem Diktat des Preises nicht so ausgeliefert und muss nicht unbedingt wachsen. Ich kann die Landwirtschaft dann eher so machen, wie sie mir passt.

Ihr Nachfolger Wolfhard-Rüdiger Wicht kommt aus dem Forstbereich des Schwandorfer AELF. Ist das ungewöhnlich für einen Amtsleiter?

Götz: Nein, das ist seit der Forstreform von 2005 ganz normal. Die Bereiche Landwirtschaft und Forst sind gleichwertig, bei uns auch vom Personal her in etwa gleich groß. Da kann natürlich auch ein Förster das Gesamtamt leiten. Das ist in Bayern schon bei zwölf Ämtern der Fall.

Wird das Amt dadurch stärker auf den Forstbereich ausgerichtet?

Götz: Das glaube ich nicht - obwohl man ja sagen könnte, dass es in unserem Dienstgebiet mehr Waldfläche als landwirtschaftliche Nutzfläche gibt.

Was wären denn zum Abschied Ihre Tipps für Waldbesitzer?

Götz: Verantwortung für die nachfolgenden Generationen übernehmen und einen stabilen, enkeltauglichen Wald gründen beziehungsweise dessen Gründung zulassen und ihn entsprechend pflegen und bewirtschaften. Aufgrund des sich zeigenden Klimawandels kann das nur ein gesunder, standortangepasster Mischwald sein, der einen vernünftigen, verantwortbaren Wildbestand erfordert.

Was machen Sie jetzt eigentlich mit der zusätzlichen Freizeit, die Sie schlagartig gewonnen haben?

Götz: Ich freue mich auf den Ruhestand. Dass man die ganze Verantwortung für Personal, Förderung, Verwaltung nicht mehr hat, das ist schon eine Erleichterung. Die Abend- und Wochenendtermine fallen auch weg. Aber dafür wartet zu Hause einiges auf mich.

Was denn?

Götz: Ich kann endlich mehr gemeinsame Zeit mit meiner Frau verbringen, die schon oft alleine war. Und dann habe ich auch zwei Enkel. Die Enkelin ist 23 Monate alt, der Enkel ist Anfang des Jahres auf die Welt gekommen. Das ist eine schöne Sache, da lasse ich mich gerne fordern, die Opa-Rolle auszufüllen.

Und was haben Sie sonst für Pläne?

Götz: An unserem Haus, das ist jetzt 35 Jahre alt, stehen einige gestalterische Änderungen an. Ich mache da gerne viel selbst, habe auch schon beim Bau viel selbst gemacht. Dann will ich mich um meine Oldtimer-Schlepper kümmern. Ich habe zwei normal große und einen kleinen. Das Herrichten und Herumschrauben gefällt mir. Und schließlich möchte ich auch noch einiges für meine Gesundheit tun, zum Beispiel öfter schwimmen gehen.

Zur Person: Willibald GötzUrsprünglich wollte Willibald Götz (*1950) ja mal praktischer Landwirt werden. Er sollte den elterlichen Betrieb in Ursulapoppenricht übernehmen. "13 Hektar landwirtschaftliche Fläche, sieben Hektar Wald, das war damals ein Haupterwerbsbetrieb", erinnert sich Götz. Also lernte er nach der Volksschule den Beruf des Landwirts.

Die Ausbildung war allerdings noch gar nicht zu Ende, da brachten ihn Bekannte auf die Idee, dass er in Schönbrunn bei Landshut seinen Ingenieur für Landbau machen könnte. Der Vater, obwohl damals schon fast 67 Jahre alt, war einverstanden, auch wenn das bedeutete, dass Willibald Götz den Hof nicht übernehmen würde. Das tat dann 1972 sein fünf Jahre jüngerer Bruder, der ihn heute noch im Nebenerwerb betreibt.

Willibald Götz absolvierte von 1967 bis 1971 die Ingenieurschule in Schönbrunn (inklusive Vorkurs) und hatte damit die allgemeine Hochschulreife in der Tasche. Die nutzte er, um anschließend an der TU München/Weihenstephan Agrarwissenschaften mit dem Schwerpunkt Betriebswirtschaft zu studieren. 1975 schloss er als Diplom-Agraringenieur ab und bewarb sich bei der Landwirtschaftsverwaltung.

Sein Referendariat absolvierte Götz in München, Mühldorf am Inn, bei der Regierung in Regensburg sowie den Landwirtschaftsämtern in Amberg und Ansbach. In dieser Zeit heiratete Willibald Götz auch. Seine Frau stammt aus Reichertshausen bei Au in der Hallertau, wo das junge Ehepaar zunächst wohnte, ehe Götz 1978 an das Landwirtschaftsamt in Wunsiedel versetzt wurde. Von 1980 bis 1982 tat er in Weiden Dienst und baute gleichzeitig in Ursulapoppenricht ein Haus.

Es folgten neun Jahre im Amberger Landwirtschaftsamt und 1991 die Versetzung als Abteilungsleiter nach Neumarkt. 1993 ging es zurück nach Amberg, 2003 nach Weiden und 2007 wieder nach Amberg - als Leiter der Abteilung Agrarstruktur und Haushaltsleistungen. Seit März 2009 stand er hier an der Spitze des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. (ll)
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