Amtsgericht verurteilt ehemaligen Transportunternehmer wegen gewerbsmäßiger ...
Chef setzt auf die falschen Karten

Amberg-Sulzbach. Als die Verkehrspolizei zu ermitteln begann, stand ihr ein riesiges Verfahren bevor. Über viele Monate hinweg wurden in mühevoller Arbeit die absolvierten Touren eines Transportunternehmens überprüft. Jetzt saß der damalige Firmeninhaber wegen Fälschung beweiserheblicher Daten vor dem Richter.

Fahrten aus drei Jahren


Obwohl man den Uniformierten von der Amberger Verkehrspolizei als Zeugen nicht mehr brauchte, wurde er von Richter Peter Jung in den Sitzungssaal geholt und ihm bestätigt: "Sie haben alles perfekt aufgearbeitet." Diese Tätigkeit, notwendig geworden nach einer Routinekontrolle, ging mit der Auswertung einer Vielzahl von Fahrten einher, die es in einem Transportunternehmen gegeben hatte. Sie fanden innerhalb dreier Jahre, von 2010 bis 2012, statt.

Für 32 Touren angeklagt


Staatsanwalt Jan Prokoph hatte den Fall bearbeitet und war auch jetzt mit im Sitzungssaal, um die Anklageschrift zu verlesen. Bereits im Vorfeld waren etliche einzelne Delikte eingestellt worden. Dennoch brauchte Prokoph längere Zeit, um 32 Touren zu schildern, bei denen der damalige Chef des Transportunternehmens im Landkreis die Fahrerkarten seiner Beschäftigten benutzt hatte. Damit konnten gesetzlich vorgegebene Lenkzeiten überschritten und exakte Daten, gespeichert in Kontrollgeräten, verschleiert werden.

Der heute 67-Jährige, der seine Firma unterdessen aufgegeben hat, betrieb das Unternehmen über viele Jahre hinweg. Dann kam es zu Turbulenzen. Von anfangs zehn Fahrern blieben nur mehr wenige. "Zum Schluss war ich allein unterwegs", berichtete der Mann nun vor Richter Jung. Dass er, selbst am Lenkrad sitzend, immer wieder die Fahrerkarten seiner Mitarbeiter nutzte, gab der Ex-Spediteur unumwunden zu. Damit blieb der Justiz eine lange Beweisaufnahme erspart.

Das Geständnis wurde dem 67-Jährigen von Staatsanwalt Prokoph angerechnet. Er sprach in seinem Plädoyer ferner davon, dass der heute im Ruhestand lebende Mann vorher nie mit dem Gesetz in Konflikt kam. Allerdings, so Prokoph, sei dessen Vorgehen über Jahre hinweg gewerbsmäßig gewesen und habe bei den Behörden einen riesigen Arbeitsaufwand verursacht. Prokoph forderte eine zweijährige Haftstrafe mit Bewährung und eine Geldauflage von 2000 Euro. Für eine Bewährungsstrafe sprach sich auch Rechtsanwältin Ivonne Rieger-Kaminski aus.

Nun in Geldnöten


Richter Peter Jung verhängte ein Jahr und neun Monate Haft, setzte diese Ahndung zur Bewährung aus und verurteilte den Angeklagten ferner zu 2000 Euro Geldauflage. Er kann diese Summe, weil zwischenzeitlich finanziell nicht mehr auf Rosen gebettet, in monatlichen Raten zu 100 Euro zahlen. Die Entscheidung wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.
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