Auf der Route zwischen Neuhaus/Pegnitz und Schwarzenfeld
War der Wolf im Landkreis?

An der entscheidenden Stelle etwas unscharf, aber für die Experten des Landesamtes für Umwelt eindeutig genug, um als sicherer Wolfsnachweis zu gelten: das Bild, das Anfang April eine Wildbeobachtungskamera im Landkreis Nürnberger Land machte. Es soll in der Nähe von Neuhaus an der Pegnitz entstanden sein, also nur einige Kilometer westlich der Amberg-Sulzbacher Landkreisgrenze. Bild: privat

Dass vergangene Woche auf der A 93 zwischen Nabburg und Schwarzenfeld ein Wolf überfahren wurde, ist inzwischen bestätigt. Aber war es das Tier, das im April bei Hartenstein ein Schaf gerissen hat? Dann wäre es wohl mitten durch unseren Landkreis nach Osten gezogen.

Amberg-Sulzbach. So unwahrscheinlich ist das gar nicht, denn freilebende Wölfe sind in Bayern selten. 2016 gab es nur fünf durch das Landesamt für Umwelt (LfU) bestätigte Nachweise - in den Landkreisen Nürnberger Land (zweimal), Regen, Freyung-Grafenau und Starnberg. Im September 2015 wurde ein Wolf im Landkreis Cham fotografiert.

Der Wolf im nordöstlichen Landkreis Nürnberger Land wurde erstmals aktenkundig, als ihn Anfang April eine automatisch auslösende Wildbeobachtungskamera eines Jägers aufnahm. Nach Informationen der Nordbayerischen Nachrichten war dies in der Nähe von Neuhaus an der Pegnitz. Damals wurde vermutet, es handle sich um ein männliches Jungtier auf Revier- oder Partnersuche. "Geschlechtsreife Tiere, vor allem junge Rüden, wandern auf der Suche nach einem eigenen Territorium weite Strecken", schreibt das LfU auf seiner Homepage unter "Häufig gestellte Fragen zum Wolf".

Ein Schaf gerissen


Ende April riss der Wolf dann bei Güntherstal (Gemeinde Hartenstein) ein Schaf und verletzte ein weiteres, nachdem er in das Gehege der Tiere eingedrungen war. "Fundumstände und Fraßmuster ließen zunächst auf einen Fuchs als Verursacher schließen", meldete das LfU in einer Presseinfo. Die genetische Analyse gesicherter Speichelspuren ergab aber: Es war ein Wolf. "Weitere Auswertungen zu Geschlecht und Herkunft des Wolfes wurden veranlasst. Diese Ergebnisse stehen noch aus", antwortete das LfU auf eine Anfrage unserer Zeitung, ob der Wolf von Güntherstal und der von der A 93 identisch sind. Auf eine aussagekräftige Antwort wird man ohnehin etwa drei Wochen warten müssen, bis die Ergebnisse der Genanalyse für das auf der Autobahn getötete Tier vorliegen.

Wenn in den Nachbarlandkreisen ein Wolf oder mehrere bestätigt wurden, fragt man sich natürlich, ob auch in der Region Amberg-Sulzbach welche leben. "Hinweise auf die dauerhafte Anwesenheit von Wölfen im Landkreis gibt es bisher nicht", lautet die Antwort aus dem Landratsamt. "Verschiedene Einzelbeobachtungen" habe es wohl gegeben, sie konnten aber "bisher nicht bestätigt werden", teilt Pressesprecher Harald Herrle mit.

Damit meint er wohl zum Beispiel die Geschichte von dem Wolf, der im Sommer 2015 in der Nähe einer Kuhherde bei Hannesreuth (Gemeinde Königstein) gesehen worden sein soll. Einen "Nachweis" dafür gibt es laut LfU aber nicht. Er erfordert nach den Kriterien des Landesamtes einen Lebendfang, einen Totfund, einen genetischen Nachweis, ein Foto oder eine Telemetrieortung.

Oft nicht überprüfbar


In den Ebenen darunter kennt das Landesamt "bestätigte Hinweise" (durch eine erfahrene Person bestätigte Ereignisse wie Riss oder Spur) sowie "nicht bestätigte Hinweise". Das meint Ereignisse, die nicht überprüft wurden beziehungsweise in der Regel nicht überprüfbar sind, also etwa reine Sichtungen/Beobachtungen oder Rufe von Wölfen.

"Die Meldung einer reinen Sichtung eines (vermeintlichen) Wolfs ist demnach als nicht bestätigter Hinweis zu werten (da nicht nachprüfbar ist, ob tatsächlich ein Wolf gesehen wurde). Die Meldungen von Sichtungen beziehungsweise Beobachtungen können jedoch im Rahmen des allgemeinen Monitorings weitere Informationen liefern, wenn diese sich beispielsweise in einem Gebiet, insbesondere mit Nachweisen, häufen", teilt das LfU auf die AZ-Anfrage mit.

"Eher kein Luchs"


Die Anwesenheit eines Wolfs in der Nähe von Auerbach lässt auch den Fall der beiden dort Ende 2015 unter unklaren Umständen gerissenen Rehe in einem anderen Licht erscheinen. Der örtliche Jagdpächter ging von Luchsrissen aus, das LfU meinte aber, "dass es eher kein Luchs war". Die vorliegenden Bilder reichten aber ebenso wenig aus, um die toten Rehe mit Sicherheit einem anderen Raubtier zuzuordnen. Also auch keinem Wolf, wie das Landesamt jetzt noch einmal bestätigte: Hier reiche "die Dokumentation nicht aus, um eine abschließende aussagekräftige Einschätzung des Risses mit Angabe des möglichen Verursachers vorzunehmen".
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