Berufssoldat und Frau aus dem Landkreis liefern zwei völlig unterschiedliche Versionen einer ...
Drogenhändler oder Liebhaber?

(Foto: dpa)

Für den Mann auf der Anklagebank geht es um die Existenz. Er würde, wenn man ihn mit Drogenbesitz und -handel in Verbindung bringen kann, seinen Job als Bundeswehrsoldat verlieren. Es ist ein brisanter Fall, der vor dem Amberger Landgericht abläuft.

Amberg-Sulzbach.
(hwo)
Jemand lügt ganz gewaltig in diesem Verfahren. Ist es der Angeklagte oder eine Frau, die momentan ihre Zeit in der geschlossenen Therapie zubringt? Die 35-Jährige ist bei den Behörden als Drogenkonsumentin und Person bekannt, die mit Rauschgiften handelte. Das geschah in einem Haus im nördlichen Landkreis.


Als die Amberger Kripo bei ihr eine Durchsuchungaktion startete, wurde auch der Hinweis auf einen Mann gefunden, der als Lieferant von Marihuana in den Aufzeichnungen stand. Der 32-Jährige dient bei der Bundeswehr in Oberbayern. Ermittler bekamen den Auftrag, sich bei ihm in der Kaserne näher umzusehen. Sie taten das und fanden in einer sogenannten Bauchtasche vier Gramm Marihuana. Peinlich für den Berufssoldaten, der ab dann um seine berufliche Existenz bangen musste.

"Rein sexuell"


Vor einem Jahr wurde gegen den Unteroffizier vor dem Amberger Schöffengericht verhandelt. Schon damals beharrte er darauf, von dem brisanten Inhalt der ihm gehörenden Bauchtasche keine Ahnung gehabt zu haben. Das wiederholte er nun vor der 3. Strafkammer des Landgerichts in einer Berufungsverhandlung. An diese Instanz hatte sich die Staatsanwaltschaft gewandt, nachdem die Schöffenrichter zu einem Freispruch gelangt waren. Kannte der 32-Jährige die Frau aus dem nördlichen Landkreis? "Ja", sagte er und hob vor dem Landgericht erneut hervor, dass er zu ihr ein rein auf sexueller Basis orientiertes Verhältnis unterhielt.

Irgendwann sei er dieser intimen Beziehungen überdrüssig gewesen, habe seine dort in einer Sporttasche deponierten Sachen mitgenommen und sei gegangen. In diesem Behältnis befand sich auch die Bauchtasche mit Marihuana-Inhalt - ohne seine Kenntnis und wohl untergeschoben von der 35-Jährigen, wegen enttäuschter Liebe. So zumindest lautete vor Gericht die Version des Beschuldigten.

Von Polizeibeamten aus der geschlossenen Unterbringung nach Amberg gebracht, behauptete die 35-Jährige genau das Gegenteil. "Es gab nie ein intimes Liebesverhältnis", erzählte sie den Richtern der 3. Strafkammer und stellte den Angeklagten als Drogenlieferant an den Pranger. Man habe sich in einem Amberger Tanzlokal kennengelernt, die Nacht über in Anwesenheit weiterer Leute in ihrer Wohnung zugebracht. Dabei habe der 32-Jährige angedeutet, dass er Marihuana anbieten könne. Ab dann seien Geschäfte gelaufen.

"Hatten Sie ein intimes Verhältnis mit ihm?", fragte der Kammervorsitzende Gerd Dreßler. Die Frau verneinte entschieden. "Er ist gekommen und hat Marihuana gebracht. Es wurde abgewogen und von mir bezahlt. Dann ist er wieder gegangen."

Laufbahn in Gefahr


Aussage steht gegen Aussage. In eklatant unterschiedlicher Form. Die Strafkammer will nun weitere Zeugen hören, um sich ein klares Bild zu verschaffen. Denn für den Angeklagten geht es um seine Laufbahn bei der Armee. Momentan gilt für ihn eine Beförderungssperre. Sie könnte beim Schuldspruch mit der unehrenhaften Entlassung enden. Der Prozess wird fortgesetzt.
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