Bewährungsstrafe für Duo:
Zu zweit auf Einbruchstour

Symbolbild: dpa

Um 6 Uhr klingelte das Telefon bei einem Mann in Schöpfendorf (Gemeinde Illschwang). Am anderen Ende der Leitung war ein Polizist aus Waidhaus, der sich erkundigte, ob denn womöglich bei ihm eingebrochen worden sei.

Amberg-Sulzbach. Der Schöpfendorfer sah nach und bestätigte: "Mir fehlt hier einiges."Vieles von dem, was bei ihm abhanden gekommen war, befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Sicherstellungsverzeichnis der Zivilfahnder.

Vor Beutezug in Alfeld


Nahezu gleichzeitig wurde offenkundig: Auch in ein benachbartes landwirtschaftliches Anwesen war in einer Juni-Nacht des vergangenen Jahres eingebrochen worden. Der Besitzer hatte am frühen Morgen bei einem Stallrundgang bemerkt, dass nicht lange zuvor Diebe da gewesen sein mussten. Bei ihm standen ebenfalls Werkzeuge und Geräte auf der Verlustliste. Noch eine weitere Straftat kam hinzu. Vor ihren Beutezügen in Schöpfendorf waren die Täter in Alfeld (Kreis Nürnberger Land). Dort hatten sie aus einem Nebengebäude alles mitgenommen, was ihnen an Brauchbarem in die Hände fiel.

Vollgepackt mit Diebesgut


Wie so oft hatten an diesem 17. Juni 2015 Waidhauser Zivilfahnder auf der A 6 ein Auto kontrolliert. Im Wagen, dessen Rücksitze umgelegt worden waren, befanden sich zwei Männer aus Rumänien. Die Ladefläche präsentierte sich bis zur Dachkante vollgepackt mit Diebesgut: zwei Fahrräder, Motorsensen und -sägen, eine Wasserpumpe, viele andere Werkzeuge und Geräte. Wert: annähernd 10 000 Euro. Der 33-jährige Fahrer und sein 24 Jahre alter Begleiter kamen in U-Haft. Daheim warteten Ehefrauen und Kinder.

Schweren Bandendiebstahl warf vor dem Schöffengericht Staatsanwältin Franziska Bücherl den Männern vor. Doch deutsches Recht schreibt vor: Zu einer Bande müssen mindestens drei Mitglieder gehören. Gab es also noch weitere Rumänen, die mit auf Einbruchstour gingen? Nachweisen ließ sich das im Prozess nicht. Allerdings fehlten später etliche in Schöpfendorf und Alfeld entwendete Beutestücke. Vor Richter Markus Sand versicherten die Angeklagten jetzt: "Wir waren allein."

Sie seien eigentlich nur auf der Suche nach Dieselkraftstoff gewesen, behaupteten die Beschuldigten. Doch sie waren in jener Nacht bereits mit ihrem Wagen in Tschechien, hatten eine Autobahnvignette gekauft und sich dann entschlossen, in die Bundesrepublik zurückzufahren. "Warum haben Sie dort keinen Diesel geklaut?", zeigte sich Richter Sand interessiert. Die Antwort: "In Tschechien ist man uns gegenüber rassistisch und böse."

Schon einmal in Haft


Noch eines ergab sich während der Prozesses: Die Rumänen waren zuvor bereits strafrechtlich in Frankreich, Italien und Österreich aufgefallen. Einer saß in Austria sogar längere Zeit hinter Gittern. Nun sollten sie vor einem deutschen Gericht erstmals ihre Situation erklären. Die Antwort: arm, chancenlos, ohne Unterstützung durch den Staat, immer auf der Suche nach Verdienstmöglichkeiten. Außerdem: "Wir bedauern unsere Taten."

Um eine Chance gebeten


Staatsanwältin Bücherl hielt zwar den Bandendiebstahl für nicht nachweisbar, ging aber in ihrem Plädoyer von schwerem Diebstahl in gewerbsmäßiger Form aus. Dafür beantragte sie für beide Angeklagte jeweils zweieinhalb Jahre Haft ohne Bewährung. Die Verteidiger Ekkehard Zink (Amberg) und Michael Spengler (Nürnberg) hielten das nach siebenmonatiger Untersuchungshaft ihrer Mandanten für überzogen und baten um eine Chance für die Rumänen.

Sie wurde ihnen vom Schöffengericht gegeben. Das Urteil lautete auf jeweils 20 Monate Haft mit Bewährung. Die bestehenden Haftbefehle wurden aufgehoben. Einer der Männer wird nach der nun bevorstehenden Rückkehr sein vor wenigen Wochen geborenes zweites Kind erstmals sehen. Einbrechen will er nicht mehr.
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