Bioring warnt vor Überschwemmungen als Folge von großflächigem Maisanbau
„Könnte bei uns auch passieren“

Ein kleiner nächtlicher Regenguss hat in einem Maisacker bei Kleinschönbrunn (im Hintergrund) für Abschwemmungen gesorgt. Horst Schwemmer und Hans Zacharias (von links) appellieren an die Landwirte, sich Gedanken über die Folgen des großflächigen Maisanbaus zu machen. Im Landkreis wuchs im Jahr 2014 auf 22 Prozent der Ackerfläche Mais. Bild: ll
 
Ein abgeschwemmtes Feld bei Weihenzell in der Nähe von Flachslanden.

Horst Schwemmer streicht mit der Hand über den ausgespülten Boden. Es sind nur ein paar Schaufeln voll, aber der Acker bei Kleinschönbrunn, in dem er steht, erinnert ihn an die Überschwemmung in Flachslanden. Er ist sich sicher: "Das könnte bei uns genauso passieren."

Amberg-Sulzbach. Nicht ganz überraschend ist es ein Maisfeld mit leichtem Gefälle, das durch einen Regenguss in der Nacht so abgespült wurde. Horst Schwemmer und Hans Zacharias, die beiden Vorsitzenden des Biorings Amberg-Sulzbach, zeigen im Pressegespräch Verständnis dafür, warum die Landwirte immer mehr Mais anbauen. "Er bringt pro Hektar die meiste Energie", sagt Zacharias. Das zählt sowohl in der Biogasanlage als auch bei der Rinderfütterung. "Für die Tiere ist es eine einseitige Ernährung", meint Biobauer Zacharias, "aber eben sehr energiereich. Und eine Jahresleistung von 10 000 Liter Milch pro Kuh ist halt nur durch ein Futter mit hoher Energiedichte möglich."

Zu wenig Pflanzen


Auf der anderen Seite sind Maisanbauflächen unbestritten sehr anfällig für Erosion. Denn dort stehen im Regelfall nur Maispflanzen, sonst nichts. Und auch davon nur recht wenige. In den "Riesenschlägen" bei Schalkenthan, die sich Schwemmer und Zacharias anschauen, sind es 10 bis 11 Pflanzen pro Quadratmeter, weil hier der Abstand zwischen den Reihen 75 Zentimeter beträgt. Bei Kleinschönbrunn (Abstand 35 Zentimeter) kommt man auf etwa 30 Pflanzen pro Quadratmeter. Im Feld direkt daneben wächst Winterweizen - mit mindestens 300 Pflanzen pro Quadratmeter, schätzt Zacharias. "Da siehst du nichts von Erosion."

Das ist aber auch nicht das Thema, das der Landwirt zuerst im Kopf hat, wenn er Mais anbaut. "Da geht es eher drum, dass ich möglichst viel Kolben-, also Kornmasse erreiche", sagt Zacharias. Sät man die Reihen quer zum Hang, bringt das nach Einschätzung von Horst Schwemmer schon einiges gegen den Bodenabtrag. Auch eine Mistbarriere könnte helfen, ergänzt Zacharias. Aber eben nur in recht bescheidenem Ausmaß. Am Grundproblem der Erosion im Maisacker ändert das nichts. "Die Bauern müssen sich darüber Gedanken machen", findet Hans Zacharias, "die sind betroffen." Schwemmer nennt es einen "Raubbau an ihrem Grundstock", dem Mutterboden.

Als Beschäftigter des Bundes Naturschutz war er auch in Flachslanden, wo Ende Mai ein Unwetter zu schweren Überschwemmungen führte. "Die Landschaft sah fast genauso aus wie hier bei Kleinschönbrunn", erzählt Schwemmer. "Auch ziemlich viele Maisäcker, ein ähnliches leichtes Gefälle der Felder." Pause. Ein langer Blick den Hang hinauf. "Und bei einem solchen Regen wie dort würde die Überschwemmung hier bei diesen Äckern bei uns genauso passieren."

Die "braune Flut"


Hans Zacharias hat so eine Überschwemmung - "braune Flut" nennt er sie - mal am eigenen Leib erlebt. 2008 oder 2009 muss das gewesen sein, erinnert er sich. Der Regen fiel so stark, dass in Neukirchen das Rathaus absoff. Der Regenmesser auf dem Hof von Zacharias ging nur bis 50 Liter, er konnte die Niederschlagsmenge nicht fassen. Über eine Wanne, die im Freien stand, hat Zacharias ausgerechnet, dass es 100 Liter in der Stunde gewesen sein müssen. In seinem 90 Meter langen Gemüseacker mit einem Gefälle von sechs bis sieben Höhenmetern schauten nach dem Unwetter oben die Steine raus, weil es so viel feinen Boden abgeschwemmt hatte. Unten sah man kein Gemüse mehr. "Nur noch ab und zu ein Blatt. Ich bin dann barfuß rein, weil die Gummistiefel sich festgesaugt haben." Wer so etwas erlebt habe, nehme das Thema Erosion nicht mehr auf die leichte Schulter.

Keine UntersaatTheoretisch wäre im Mais auch eine Untersaat möglich, sagt Hans Zacharias, Weißklee zum Beispiel. Der Vorteil: viel mehr Wurzeln im Boden, die sich der Erosion entgegenstemmen. Das Problem: Der Mais wächst dann schlechter, kommt vielleicht gar nicht hoch. Also pflanzt der Landwirt für gewöhnlich nichts zwischen den Mais, hat Zacharias beobachtet. "Weil das nur Wasser und Licht wegnimmt. Aber der Boden ist dann halt nackt." Und eben erosionsanfällig.
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